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Der Israelit · 1893-11-27 · Heft 94 (27.11.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 94 (27.11.1893)
Date
1893-11-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1788 Bochum, 23. Nov. Gelegentlich der diesjährigen Kontroll-Versammlung hielt, wie der „Bochumer Anzeiger" vom 22. November berichtet, Major v. Seel die übliche Ansprache an die Mannschaften. Die Ansichten nun, die Herr Major v. Seel bei dieser Gelegenheit entwickelte, sowie die Form der Ansprache sind eigenartig. Nach den Berichten von Ohrenzeugen äußerte sich nämlich Herr Major v. Seel über das traurige Kapitel der Soldatenmißhandlungen, und zwar in der folgenden sonderbaren Weise: „Sie alle", so ungefähr führte der Herr Redner aus, „haben jedenfalls in den Zeitungen Berichte über Soldatenmißhandlungeu gelesen, ich hoffe aber, daß Sie diesen Zeitungsberichten keinerlei Glauben beimrssen. Sie alle wissen, daß alles, was in den Zellungen steht, gelogen ist. Besonders den Berliner Zeitungen darf man nicht über den Weg trauen, denn diese Berliner Zeitungen werden fast durchweg von jüdischen Redakteuren geleitet, na, und was Sie von den Juden zu halten haben, werden Sie wohl Alle selbst am besten wissen l Diese Artikel werden nur geschrieben, um mit ihnen Geld zu verdienen, ich erwarte aber, daß Sie durch sie in der Erfüllung Ihrer Pflicht sich nicht beirren lassen werden." Zu dieser Böckeliade des Herrn Majors, die allerdings an „Schneidigkeit" nichts zu wünschen übrig läßt, erlauben wir uns, schreibt die „Korrespondenz des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", dem Herrn Redner vorerst zu bemerken, daß es der Presse recht gleichgültig sein kann, wie weit ihr der Herr Major v. Seel Glaubwürdigkeit beimißt. Im Uebrigen aber dürfte es doch wohl auch dem ungläubigen Herrn Major v. Seel, der die Sache eigentlich kennen müßte, recht seltsam erscheinen, daß diese „Lügen" im Stande waren, in langen Diskussionen den Reichstag zu beschäftigen, daß diese „Lügen" die Maßregelung einer ganzen Reihe von Unteroffizieren zur Folge hatten, und daß diese „Lügen" verschiedene allerhöchste Personen zu Erlassen gegen die Soldatenmißhandlungen veranlassen konnten. Wenn der Herr Major v. Seel der Meinung ist, daß durch Bertufchungsversuche der militärischen Disc-plin ein Dienst geleistet wird, so ist das seine eigene Ansicht; an anderer, höherer, Stelle dürfte gerade die Aufforderung an die Vorgesetzten, sich einer humanen Behandlung der Untergebenen zu befleißigen, als das geeignete Mittel betrachtet werden, das Vertrauen der Mannschaften zu ihren Vorgesetzten zu erhöhen und die Discipltn zu befestigen. Was die konfessionellen Auslälle des Herrn Majors betrifft, glauben wir uns eines Urtheils enthalten zu müssen, nicht aus Sympathie für Herrn Major v. Seel, sondern eben im Interesse der Disziplin, die wir nicht ebenso gefährden möchten, wie es durch solche und ähnliche Reden geschehen muß. Ueber diese Ausfälle, die Herr Major v. Seel übrigens des Oefteren wiederholt haben soll, sowie über sein Taktgefühl mögen unsere Leser und eine — andere Stelle das Urtheil sprechen. Oester.-Ungar. Monarchie. Graz, 20. November. Auf telegraphisches Ersuchen des Großrabbiners von Bulgarien ließ Rabbiner Mühsam einen mächtigen Kranz an der Bahre des Grafen Hartenau ntederlegen. Die Schleifen des Kranzes trugen die Inschrift: „Die Israeliten Bulgariens als ein schwaches Zeichen ihrer unvergänglichen Dankbarkeit." Amerika. New-Uork. Das vor einiger Z?tt neu eingeweihte „Lebanon Hospital", das unter Leitung des HerrnJonasWeildurch die freiwilligen Spenden von Männern der verschiedenen religiösen Richtungen und von hochherzigen Christen errichtet worden ist, hat einem schon längst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen. Das großartig angelegte jüdische Berg Sinai-Hospital nimmt zwar jüdische Kranken in freigebiger Weise auf; allein viele derselbe ziehen ihr dürftiges Heim dem Comfort des Hospitals vor und leiden lieber Mangel und Schmerzen, weil dieses von Juden erbaute und unterhaltene Krankenhaus nur trefene Kost verabreicht. Diesem zur Schande der Verwaltung bestehenden Uebelstand ist durch den Bau des „Lebanon Hospital" nunmehr Abhilfe gethan; in demselben wird die Kost streng nach ritueller Vorschrift zubereitet. A u st r a l i e n. Sydney, 11. Oct. Ueber die heroische Aufopferung eines Ausländers berichten Melbourner Blätter: In der am Meere gelegenen Ortschaft Sorrento, einem beliebten Ausflugsziel der Melbourner, brach dieser Tage in dem Laden eines gewissen Cousin Feuer aus. Dasselbe verbreitete sich mit solch rasender Eile, daß alsbald auch das an das Geschäftslokal anstoßende Wohnhaus in Hellen Flammen stand. Das Gebäude brannte bereits lichterloh, als sich die Schreckenskunde verbreitete, daß die fünf Kinder des Besitzers sich noch in demselben befänden. Die Aermsten schienen rettungslos verloren, als ein unter den Zuschauern befindlicher Ausländer Namens Joseph Jhirmann Myrlis mit Todesverachtung in das brennende Gebäude eindrang. Es gelang dem wackeren Manne auch, zwei der Kinder, die in dem einen Zimmer ruhig in ihrem Bettchen schliefen, ins Freie zu bringen, dagegen verhinderten ihn die Flammen, bis zu der Schlafstätte der drei übrigen vorzudringen. MysltS versuchte es nunmehr von außen, durch die Fenster

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