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Der Israelit · 1893-11-27 · Heft 94 (27.11.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 94 (27.11.1893)
Date
1893-11-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage jtt M 94 des „Israelit“. Literarische Umschau. Die Himmelspforte. Vollständiges Gebetbuch für Israels Frauen 2c. vonDr. S. I. Kämpf s. A. 2c. Prag 1893. Jakob W. Pascheles. Das Büchlein enthält deutsche Gebete für den täglichen Gebrauch sowohl als für alle mögliche Wechselfälle des Lebens. Am Eingang befinden sich ganze kurze, aus dem Zusammenhang gerissene Stückchen aus dem Morgengebet in hebräischer Sprache. Abgesehen von der Geschmacklosigkeit verschiedener der deutschen Gebete ist das ganze Büchelchcn an sich unberechtigt. Gebete sind in hebräischer Sprache zu verrichten, und wer sich das ihm fehlende Verständniß für die hebräischen Gebete erst eröffnen will, dem stehen ja mannigfaltige übersetzte Gebetbücher und Machsorim zur Verfügung. Wenn dieses überflüssige Büchlein, das außerdem durch einen pompösen Todtenfeiertext S. 36 ff. noch genauer gekennzeichnet wird, nur eine Erbauungslectüre hätte sein wollen, da hätte man von manchem Brauchbaren darin sprechen können. Denn die metrischen Uebersetzungen vieler Gebetstücke, die der Verfasser gibt, lesen sich theilweise ganz gut, auch ist einTheil der Betrachtungen und Gebete, die sich auf Vorkommnisse im Leben beziehen, und für die eine rituelle Anordnung nicht vorhanden ist, recht sinnig und gemüthvoll. Aber, daß das ein Gebetbuch sein will, ist eine Prätension, der auf das entschiedenste entgegengetreten werden muß. Wir bedauern daher, das Büchelchen in keiner Weise empfehlen zu können. * * * I. Barth. Etymologische Studie« zum Semitischen, insbesondere zum Hebräischen Lexikon. Beilage zum Jahresbericht des Berliner Rabbiner-Seminars v. I. 1891—92. Berlin. Druck von I. Jtzkowski 1893. Wir begrüßen es immer mit Freuden, wenn wir einer Arbeit dieses durch seine Gediegenheit und umfaffende Gründlichkeit ausgezeichneten Gelehrten begegnen. Das uns vorliegende Heft ist nach einer Bemerkung auf dem Titel (Innenseite) nur ein Theil der Arbeit, die gleichzeitig vollständig im Verlag der I. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig erscheint. Es werden darin zunächst Metathesen behandelt, d. h. die Erscheinung, daß Vertreter derselben Wurzel in verschiedenen semitischen Idiomen eine verschiedene Reihenfolge der Wurzelbuchstaben haben. Daran schließt sich ein größeres Kapitel, das Lautverschiebungen bespricht, die Erscheinung,, daß verwandte Laute in derselben Wurzel mit einander wechseln. Was der Verfasser bringt, sind neue, bisher nicht wahrgenommene Thatsachen. Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle darauf einzugehen, da der wissenschaftliche Grundton der Arbeit die Bekanntschaft mit dem ganzen semitischen Sprachgebiete voraussetzt. Wir empfehlen aber denjenigen, die sich für diese Forschungen interesstren, die sehr bemerkenswerthe Arbeit auf das lebhafteste, wenn auch manches darin mit Vorsicht aufzunehmen ist und nicht jede Behauptung außer Frage steht. Der Wortschatz der Bibel und des Neuhebräischen erfährt vielfach neue Beleuchtung, und der leitende Gedanke der Arbeit erweitert den wissenschaftlichen Horizont. * * * Bildergrüße aus dem heilige« Laude. Jllustr. von Prof. A. S. Har per. Text v. Dr. C. Geiktn, deutsch von Pfarrer Walther. Charlottenburg 94. Otto Brandner. 1—7 Lieferungen. Das vorliegende, interessante Werk, will weniger eine allgemeine Geographie Palästinas geben, als sämmtliche in der heiligen Schrift genannten Plätze bildlich darstellen. Während dreier Jahre hat der Landschaftsmaler Harpner diese Stellen ausgenommen; ein genauer Kenner des heiligen Landes hat die erläuternden Texte dazu geschrieben. Schon aus den vorliegenden Lieferungen kann man manches Neue erfahren. Zeitungsnachrichten u«d Correspoudeuze«. Deutschland. Berlin, 24. Nov. Der „Reichsanzeiger" erklärt, die Behauptung der „Voss. Ztg.", daß bei dem preußischen Militärstrafverfahren gegen lügende und versteckte Verbrecher heute noch körperliche Züchtigung eintreten könne und daß das Zeugniß von Juden im preußischen Milttärprozeß als minderwerthig gelte, widerspreche den tatsächlichen Verhältnissen. Die körperliche Züchtigung sei am 6. Juni 1848 abgeschafft worden und auch längst als Disziplinarstrafe beseitigt; die Beschränkungen der Glaubwürdigkeit der Juden wurden am 23. Juli 1847 anßer Kraft gesetzt. Ueberdies sei die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung durch das Retchsgesetz vom 3. Juli 1869 ausgesprochen. Es werde der „Voss. Ztg." unmöglich sein, auch nur einen Fall für die Wahrheit ihrer Behauptungen anzuführen.

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