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Der Israelit · 1893-11-27 · Heft 94 (27.11.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 94 (27.11.1893)
Date
1893-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1784 Kameralhöfen wird nun vorgeschrieben, stets bei der Ausreichung von Handelsdokumenten 1. Gilde an Juden auf denselben zu vermerken, daß der Betreffende nur Vertreter eines Handelshauses ist. Türkei. Bagdad, 2. October. Auch in unserer Stadt hat die Cholera im vergangenen Sommer große Verheerungen angerichtet und haben daher die meisten Einwohner Bagdad verlassen, und sich nach den umliegenden Dörfern gerettet. Auch einige tausend israelitische Familien haben zum Wanderstab gegriffen und sich mit Weib und Kind aufs Land, größtentheils aber nach Amara oder Vakuba, geflüchtet. So entstanden plötzlich in diesen beiden Ortschaften große jüdische Gemeinden, die auch einige Rabbiner in ihrer Mitte hatten. Wir fürchteten schon allgemein, daß wir die hohen Feier¬ und Festtage fern von Bagdad werden verbringen müffen. Indessen nahm die Krankheit im September wieder ab, so daß wir wieder wohlgemuth in unsere Behausungen zurückkehren konnten. Die Cholera wüthet zwar noch immer Hier, ebenso in unserer Hafenstadt Balsorah, doch beträgt die Anzahl der Todesfälle in einer jeden dieser zwei Städte täglich blos zwei bis vier, so daß wir hoffen dürfen, daß nach Eintreffen der Regenzeit die Krankheit gänzlich erlöschen wird. Uebrigens ist in den Thälern des Tigris und des Euphrats die Cholera kein seltener Gast. F e u ille t o ». Der Trödler. Erzählung von Haus Müller. (Schluß.) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ich verlange nur eine Kleinigkeit. Erinnern Sie sich noch jenes Abends vor der Krisis in Ihrer Krankheit, als Sie den Tod erwarteten und Abschied vom Leben nahmen?" „Ich erinnere mich dessen." „Erinnern Sie sich auch noch der Worte, die Sie da gesprochen; wie Sie die Existenz unseres Gottes leugnen und in Frage stellen wollten?" Eine dunkle Röthe überzog das blaffe Antlitz der jungen Frau und indem sie beschämt ihre Augen niederschlug, ihren Blick senkte vor dem des Freundes, sagte sie: „Ja, ich erinnere mich dessen." „Nun, so verlange ich heute, daß Sie jenes Wort widerrufen, mir gegenüber anerkennen, daß es einen Gott gibt, einen allgütigen Vater, der die Schicksale aller Menschen leitet, der auch das Ihrige bestimmt und zum Guten geführt hat." Enttäuscht blickte die junge Frau auf. Sie mochte etwas anderes zu hören erwartet haben. Als sie aber das treue Auge des Freundes bang auf sich gerichtet sah, reichte sie ihm die Hand und sagte mit inniger Stimme: „Der wahre Arzt sind doch nur Sie, mein Freund, denn Sie begnügen sich nicht mit der Gesundheit des Körpers — sie verlangen auch, daß die Seele genese uud Sie haben recht. Ja, ich bekenne es, ich habe kleinmürhig, verzagt und sträflich gezweiselt an meinem Vater im Himmel, der mich behütet und beschützt hat, in der Stunde der Noth und Gefahr. Ja, ich bekenne es aufrichtig und wahrhaft, es ist ein Gott, der da leitet die Geschicke der Menschen in seiner Weisheit, nach seinem Willen. O, möchte Er auch meine Zukunft und die Zukunft meines Kindes glücklich gestalten, möchte Er Ihnen den Lohn erlheilen, den Sie an mir sich verdient haben." Beide schwiegen. Ihre Herzen waren voll zum Ueberquellen, doch sprach keines ein Wort. Plötzlich stürmte Martha zur Thüre herein. „Onkel!" rief sie, „Onkel Koppel, gleich hinunterkommen. Drunten ist ein Mann, der Dich sofort sprechen will." Der Trödler erhob sich rasch und ging hinaus, während Martha ungestüm auf den Schooß ihrer Mutter sprang, sie umarmte, herzte und küßte. Plötzlich fragte das Kind: „Warum bist Du so traurig, Mama? Und Onkel war auch so ernst! Habt ihr euch gezankt?" „Nein, mein Kind", versetzte die Mutter, Martha liebkosend, „der Onkel und ich, wir können uns nie zanken. Wir haben etwas Ernstes mit einander besprochen und da gibt es keine Ursache zum Lachen und zur Fröhlichkeit." „Hast Du eigentlich den Onkel lieb? so lieb wie mich?" fragte das Plaudermündchen weiter. „Ich habe euch beide lieb", antwortete arglos die junge Frau, indem sie träumerisch ins Leere blickte. Unbewußt hatte sie das Geheimniß ihres Herzens ausgcplaudert und ihre Vertraute war ein Kind. — Als der Trödler in seinen Laden kam, sah er Caspar aufgeregt vor demselben auf- und abschreiten. Einige anoere Bauern waren bei ihm und sprachen beruhigend auf ihn ein. Er aber schüttelte den Kopf und schritt eilig der Thüre zu, die der Trödler gerade öffnete. Caspar rief ihm schon, ehe er den Laden erreicht hatte, etwas zu, was Koppel freilich nicht verstand. Koppel erwartete an der geöffneten Thüre den nahenden Bauern.

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