Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1893)
- Date
- 1893-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1781 : PT rPDT '31 nets* obiy 'Nva '3a^lN ll'avnaa Ein andersmal sahen sie auf dem Lempelberg aus den Ruinen des Allerheiligsten einen Fuchs kommen und weinten, weil an der Stätte, deren Betreten sonst mit dem Tode geahndet wurde, nun Füchse hausten, Rabbi Akiba aber bleibt heiter, weil die wörtliche Erfüllung des von den Propheten verheißenen Ungemachs ihm auch für die Verwirk» lichung der prophetischen Heilesbotschaften bürgt und tröstet so in ihrem Seelenschmerz die weinenden Freunde. (Talmud Makkoth Ende.) Aus den Thränen seiner Freunde, quillt Rabbi Akibas Heiterkeit, pnso -p*?. Ein Ideal, das so treu und ungetrübt in dem Denken und Empfinden der Edelsten seines Volkes lebt, bleibt nicht ewige Jllussion, ein solches Ideal trägt die Garantie seiner Verwirklichung in der Thräne, die setnethalben geweint wird, nnnosta nw-p nair D'bffrv bv VaNnon bj. Wer um Jerusalem trauert, genießt schon jetzt im Moment der Trauer das Glück eines Blicks auf die seiner wartenden Freude. Das ist der Trost der Trostlosigkeit. „Ueberall wo die Zukunft in der Form der Vergangenheit — rpm — zum Ausdruck kommt, weckt sie Freude." Dieser Ausdruck der Zeitform legt dem denkenden Menschen schon jetzt, bevor noch die Zukunft erreicht ist, die Erwägung nahe, welchen Antheil auch die trübsten Phasen der Vergangenheit -- und diese zu allermeist — an der heiteren Gestaltung der Zukunft haben, ntpoa rrm aTom — nnoff rvm "lit-utp bi rinnt? ms wn n’n f]n n~b id« ma^j nmn ’*b) 'D'dn Dva lai oms ibu cva lat? naa "rnioa tnas) aai orrnuiy bv (ro^iwn Mit dieser Anschauung seines Geschickes und Lebens bleibt mitten in Trauer und Weh, heitere Lebensfreude, der innere, von keinem äußeren Leid erreichbare Kern der jüdischen Seelenstimmung. Und diese heitere Auffassung des Lebens, die sich nicht trüben, dieser Lebensmuth, der sich nicht brechen läßt, verdankt der Jude, der Talmudjude, seinem Talmud. Er war und ist in allen bewegten, finsteren Zeiten der sichere Port, der alle schirmend trug, die sich auf seinen Boden gestellt hatten. Ihn hatten die Feinde des Judenthums und der Judenheit aller Zeit zur Zielscheibe ihres Spottes und ihrer Verleumdung ausersehen. Die Finsterniß, in die sie Juden und Judenthum gehüllt, nannten sie ein Werk des Talmud, und er allein war es doch, der sie selbst in der trübsten Dunkelheit, Ruhe und geistige Befriediguug finden ließ. Er war es doch, der den Glauben an die nationale Unsterblichkeit und an die Wiederaufstehung von dem socialen Tod aufrecht erhielt, für welchen die Todtengräber der Menschheit den jüdischen Zerstreuten so oft das Grab gegraben hatten. .(i"a piruD) ^aa bv rmo^n Nicht nur die Gelehrten des Talmud, die sich mit der Niederschrift desselben befaßten, sondern alle von seinen Lehren durchdrungenen, von seiner Weisheit erleuchteten, späteren Führer und Lehrer Israels haben in der Bekundung dieses Geistes, die Norm für ihr Leben und Wirken erblickt. Sie zeigen uns aus der Wunde das Heilmittel, aus Gemeinem Edles zu gewinnen, an der Leiche das Panier der Unsterblichkeit aufpflanzen, aus dem Ernst die Freude zu schöpfen, sie sind es auch, die in der vollendeten Trostlosigkeit uns den Trost suchen und—finden lehren. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. (Blinder Anti-Schächt-Eifer.) Die Agitation gegen das Schächten, welche sich gegenwärtig allenthalben bemerklich macht, hat hier ihren Stammsitz. Von hier gehen die Flugschriften und Pamphlete, die Correspondenzen und Zeitungsnotizen in aller Herren Länder, um das Schächten zu discredttiren. Die Seele der ganzen Bewegung ist ein Herr B e r i n g e r, welcher eine Zeitung, „Tier-Börse" herausgibt, zu deren Hauptobliegenheiten es gehört vor dem Schächten ein Gruseln zu erregen. Es sind die alten Parade-Citate, die schon hundertmal vorgebracht und widerlegt worden sind, welche hier in's Treffen geführt werden. Neues gegen das Schächten vorzubringen gelingt auch seinen findigsten Gegnern nicht. Während sich fast täglich neue Koryphäen der Wissenschaft finden, welche die Vorzüglichkeit des jüdischen Schlachtverfahrens von immer neuen Gesichtspunkten beleuchten, müssen sich die Gegner mit Aufwärmung ihres alten Kohls begnügen. Dabei fehlt's mitunter auch nicht an komischen Zwischenfällen, zu welchem der blinde Anti-Schächt-Eifer führt. So richtet z. B. der Obermeister einer Fleischer-Innung an die „Tier-Börse" folgende Zuschrift: „Ich bin mit Ihren Bestrebungen betreffs einer Schlachtreform ganz einverstanden, einen Erfolg erwarte ich aber erst dann, wenn das widerliche Schächten aushört. Hierbei wird doch wohl die größte Thierquälerei ausgeübt. Selbstverständlich ist jedes Thier, das geschlachtet wird, namentlich geschächtet, gut genährt, daher kräftig. Wenn nun ein solches Thier in den Schlachtraum gebracht wird, der nach Blut riecht — und auf dem Lande besonders sehen diese Schlachträume oft schrecklich aus — sträubt es sich mit allen seinen Kräften und sucht unter den Zeichen wahrer Todesangst und jammervollem Gebrüll zu flüchten. Es ist ein ganz abscheulicher Anblick, wie dem Thiere der Schweif herumgedreht wird, und