Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1893)
- Date
- 1893-11-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mtlation, An LifemistiS musund Nationallud enthum" betitelt sich eine Schrift von Dr. Jakob Kohn (Wien, Rosner und Leipzig, liter. Anst. Aug. Schulze 1894.) Die Assimilationsversuche hält der Vers. für die Beförderer des Antisemitismus, er empfiehlt das nationale Judenthum und verlangt Versuche zu machen, namentlich die ausgewiesenen Juden in Palästina anzustedeln. Gewiß haben die Assimilationsversuche mehr den Antisemtismus gefördert, als daß sie einen Ausgleich bewerkstelligt hätten, doch sind diese Versuche nur ein Faktor, welcher erst im Zusammenhang mit andern Faktoren wirksam sein konnte. Zum Beweis diene Rußland, wo jene Versuche gleich Null waren. Was nun die Ansiedelung in Palästina betrifft, so wäre die ja recht schön, wenn nur die türkische Regierung wollte. Diese scheint aber zu einer Hergabe des Landes für diese Zwecke nicht den nöthigen Willen zu haben. Uebrtgens verdient das mit Begeisterung geschriebene Büchlein eine liebevolle Be« achtung. — Die traurigen Erfahrungen, die ein Schriftsteller, ein Christ von Geburt und Abstammung an seinem eigenen Leibe von der Antisemitenpest zu erdulden hatte, erzählt Dr. P. Holz Hausen in einer kleinen Schrift „JudenHatz in deutschen Nordseeb ädern" (Mühlheim 1893. Röder.) Auf der Insel Spiekeroog, auf welcher er Erholung suchte, hatte er das schreiende Unrecht begangen, mit dem einzigen jüdischen Gaste freundschaftlichen Umgang zu pflegen, wobei allerdings die übrige Gesellschaft nichts Anstößiges fand, bis der Mitredacteur eines obscuren süddeutschen Blättchens, ein Doctor der Philosophie erschien und die Gesellschaft darüber belehrte, wie gebildete Christen unseres Jahrzehntes ihre ganze Bildung in Frage stellten, wenn sie sich gegen einen Juden anständig benähmen, und wie der Fortschritt der Zeit in der Boycottirung eines Juden seine humane Denkweise glänzend zu bekunden habe. Unser Verfasser, der anderer Meinung war, wollte die Gesellschaft des Juden nicht aufgeben, und da war es die Gesellschaft im Verein mit ihrem Apostel der Menschenliebe, welche ob solcher Verstocktheit sich erboste und den Vers, mit obligaten Schimpfwörtern nach Urväter Brauch bewarf und ihn fühlen ließ, daß er in ihre Gesellschaft nicht hineingehöre. Das war nun auch ganz richtig: Ein anständiger Mensch gehört nicht in diese Gesellschaft, und der Verf. braucht es sicherlich nicht zu bereuen, dieselbe verlassen zu haben. Die kleine, um ein sehr Billiges zu kaufende Schrift (28 Pf.) sei als Illustration des gegenwärtigen AufschMngs germanischer Bildung und Sitte wärmstenS Empfohlen. — Die Zeiten sind trübe; im Trüben läßt sich gut fischen, und so kommen die Herren, die so gerne Menschenseelen fischen herbei, um ihr Werk zu üben. Da ist der eine: Don Josaphat, welcher mit seinem „Bibel und Judenthum" (Passau 1893 Waldbauer) auf den Menschenfang ausgeht. Mit der einen Hand streichelt er den Juden, mit der andern schlägt er sie in's Gesicht. Daß alles so wahr sei, wie man es von den Juden erzählt, dürfe man nicht annehmen, Ritualmord sei nicht geboten, aber geschehen seien solche Morde doch, aber Israel habe noch eine große Zukunft u. s. w. u. s. w. Auf Kritik dieses Werkes sich einlassen, hieße Stroh dreschen, aber aufmerksam wollten wir doch das Publikum machen, daß der Inhalt des Buches nicht so harmlos ist, als der Titel es erscheinen läßt. — Ein Wort an seine „jüdischen Volksgenoffen" richtet Ed. G. G e d a liu s in feiner Schrift „Wie begegnen wir demAntis e mi tismus" (Leipzig 1893. Akadem. Buchh.) Wie weit Herr Gedalius noch berechtigt ist zu seinen „jüdischen Volksgenossen" zu sprechen, wollen wir nicht näher untersuchen, vielleicht stand er ihnen als Gedalja näher, aber das wollen wir doch aussprechen, daß dieses Schriftchen nichts anderes als ein ganz gewöhnliches Missionswerkchen ist. das mit süßen Redensarten auf Seelenfang ausgeht. Es kostet 50 Pfg., ist demnach um eine Mark zu theuer. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Hamburg. Am Freitag, den 8. Kislew feierte das Co hen'sche Ehepaar, das seltene Fest der goldenen Hochzeit, wegen eines Trauerfalles in der Familie, aber nur im engsten Familienkreise. Trotzdem ließ es der Vorstand Herr vr. meä. Levy es sich nicht nehmen, den Platz den Herr Cohen schon seit langen Jahren in der Talmud-Thora- Synagoge inne hat, großartig in Form einer Chuppe decoriren zu lassen. Am Samstag Früh hielt Herr Dr. S. P. Nathan vor den versammelten Synagogenbesuchern eine großartige Anrede, worin derselbe hauptsächlich betonte, daß der Jubilar vereint mit seiner Gattin ein echt jüdisches Haus geführt, daß er immer der erste in der Synagoge onon nhaa, n-roy, nnm geübt hat. Möge cs dem edlen Jubelpaar vergönnt sein, auch die diamantene Hochzeit zu feiern. Rußland. Warschau, 15. Oktober. In Petersburg hat der Antisemitismus seit einiger Zeit unter den christlichen Schneidern wieder Platz gegriffen. Bereits 1882 hatte die Vereinigung christlicher Schneider um die Ausweisung der mit ihnen konkurrirenden jüdischen Kollegen petitionirt. Um die Konkurrenz