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Der Israelit · 1893-11-23 · Heft 93 (23.11.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 93 (23.11.1893)
Date
1893-11-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1766 von dannen. Noch einmal sah sich die Bäuerin um und nickte dem Juden dankbar zu, dann waren sie hinter der nächsten Ecke verschwunden. Langsam nur konnte sich Martha's Müller erholen. Zoll um Zoll mußte sie sich ihr Leben zurückerkämpfen, ihre Kräfte wieder erringen. Ein treuer Freund war ihr der Trödler geworden, der ihr jede freie Minute widmete. Mit einem glücklichen Lächeln empfing sie ihn, wenn er ins Zimmer trat; mit den Worten: „Kommen Sie bald wieder!" entließ sie ihn stets, und Martha endlich wollte ihn gar nicht entbehren. Sie begleitete ihn in's Geschäft und leistete ihm da Gesellschaft; sie erwartete ihn, wenn er vom Essen kam und war ganz entzückt, wenn sie ihn am Sabbat auf seinem Spaziergang begleiten durfte. Aber auch Koppel hatte sich so an das Kind gewöhnt, daß es ihm schwer geworden wäre, dasselbe zu entbehren. Er dachte nicht daran, wie es in Zukunft werden, wenn die Kranke wieder hergestellt sein würde; er lebte nur der Gegenwart und genoß ungetrübt die Freude und das Glück, welches die Ausübung der Gebote der Wohlthätigkeit und des Krankenbesuchs. also der reinen Menschlichkeit jedem Menschen gewährt. Anders war es mit der jungen Wittwe. In ihrem Herzen regte sich mehr als Dankbarkeit beweisen konnte. Die Krankheit hatte die beiden einsamen Menschen einander näher gebracht, so daß beide mit Sorge der Zeit entgegensahen, da sie der Welt halber diesen freundschaftlichen Verkehr aufgeben und jedes wieder einsam für sich weiterleben müßte. Sie hatten sich gegenseitig schätzen, achten und lieben gelernt, und Koppel hätte keinen Augenblick gezögert der jungen Wittwe seine Hand anzubieten — wenn sie noch arm, wie zuvor gewesen wäre. Jetzt aber, da sie Millionärin war, konnte sie andere Ansprüche ans Leben machen, als er ihr bieten konnte. Darum blieb Koppel ihr ferner, als es ihr lieb war und stets, wenn sein übervolles Herz reden wollte, drängte er die Worte zurück und verschloß sie in seiner Brust. Endlich war die Kranke wieder so weit hergestellt, daß die Freude über die Mitthetlung, die Koppel ihr zu machen hatte, ihr nicht mehr schaden konnte. Er hatte durch seinen Rechtsanwalt die ganze Sache ordnen lassen und die junge Frau war nicht wenig erstaunt, als eines Tages Koppel mit dem Notar bei ihr eintrat, der ihr^ dieMitel über ihr ungeheures Vermögen zustellte und ihr mittheilte, daß sie dem Trödler, der das Testament für sie präsentirt habe, zu großem Danke verpflichtet sei. Sprachlos gab sie ihre Unterschrift, womit sie den Empfang der Dokumente bescheinigte; sprachlos verneigtezste sich vor dem sich verabschiedenden Notar und^überlteß es Koppel, ihm das Geleite zu geben. Als dieser wieder in das Zimmer zurückkam und lächelnd auf die bleiche Frau blickte, stürzten Thränen aus ihren Augen und sie sagte mit bebender Stimme: „Wie soll ich Ihnen danken für das, was Sie an meinem Kinde gethan?" „Dank beanspruche ich nicht, liebe Freundin", sagte der Trödler, „aber eine Anerkennung verlange ich von Ihnen." „Verlangen Sie von mir, was Sie wollen", entgegnete die junge Frau erröthend, „wenn es es in meiner Macht liegt, Ihr Verlangen zu erfüllen, soll es geschehen." (Schluß folgt.) Der ,3§«aelit* erscheint wöchentlich zwei««!, Montags und Donnerstag», jedermal in mindestens zwei Bogen. Drei» de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» RuSland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halhjahria oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhandel pt fcttftft« bei «. /. Ktetnackrr, Leipzig. Doßplatz!». — Inserate Sb Pfennig die dreigespalteue Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland »nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öftere., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. mimt Rücksendung tton an die Redaction eingesandten Mannscripten findet nicht statt, «an bittet deshalb sich non alle« Einsendungen eine Kopie znrürkznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Herr und Diener. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland : WormS. Berlin. Köln. Aus Bayern. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Serajewo. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Trödler. Erzählung von HanS Müller (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Schriften gegen und über den Antisemitismus. — ^Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. — Rußland: Warschau. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aus der Pfalz. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Prag. — Frankreich: Paris. Illustration im Hauptblatt: „Mauricio." Der erste Bau auf der Colonie (November 1891). Verantwortliche Redaetion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei (Beilage*.

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