Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1893)
- Date
- 1893-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1761 Laban fremd gegenüber geblieben, ein zwanzigjähriger Aufenthalt hat mich im Hause unseres Onkels nicht heimisch gemacht, es würde uns beiden nicht anders gehen. Dcr Gegensatz zwischen^ dem Cultus der Labangötzen und der gewissenhaften Hut der 613 Gottesgebote ist ein zu tiefer als daß er durch ein gemeinsames, beide umfangendes doch überbrückt werden kann. Je näher wir Zusammenleben, desto schärfer stoßen die Gegensätze unserer beiderseitigen Lebensanschauunqen aneinander. Fern und getrennt können wir friedlich nebeneinander leben, zusammen von einem und demselben Hause umschlossen, würden wir uns feindlich, mindestens aber kalt und fremd einander gegenüber stehen, wie es im Hause des Onkels der Fall war. Die lange Zeit, in der wir getrennt waren — nny ny -jnro — hat uns in unseren äußeren Lebensgewohnheiten näher gebracht, während das vereint langjährige Weilen im gemeinsamen Elternhause unsere Verschiedenheiten in Charaker und Anlagen aus Schritt und Tritt hervorkehren ließ. Zu Hause galt ich als der Zellenbewohner und du als der Mann des Feldes; jetzt — iiDm tpi •di — bin ich ebenfalls Landmann und Heerdenbesitzer geworden. Du siehst wie ich, soweit es mir möglich und durch die Verhältnisse geboten war, auf deine Anschauungen eingegangen bin, ich schicke dir als meinem Herrn einen Theil meiner selbsterrungenen Habe, um Gunst in deinen Augen zu finden. Dreifach rüstet sich Vater Jakob gegen den heranziehenden Bruder. . 7>Oii7ri>^i nbzrb) onm 'O8y ypnn .□rroN'HN 'n : nb? n b ,vud by nnjan -nnyrvi tjnn1? rurvan n\*n inon^D1? „Jakob rüstet sich zum Opfer, zum Gebet und zum Kampf. Zum Opfer, denn es ist gesagt: Das Geschenk zog vor ihm her; zum Gebet: wie es heißt: Gott meines Vaters Abraham; zum Kampf, denn es heißt: Wenn Esaw kommt zu dem einen Lager und es schlägt, so möge das übrige Lager zur Rettung bleiben." Eigentümlich erscheint die dritte' dieser Belegstellen. Während aus den beiden ersten klar und bündig ersichtlich ist, daß Jakob durch materielle Opfer den Bruder und durch Gebet den Beistand Gottes zu gewinnen sucht, hätten wir uns aus der dritten Stelle alles, uur keine Kampfbereitschaft herausgelesen. Jakob fürchtet, theilt sein Lager in zwei Hälften, damit wenn Esaw die eine Hälfte schlage, wenigstens die andere gerettet wäre, wo liegt hier die Äadeutung für einen Kampf, zu dem sich Vater Jakob anschickte? Es dürfte sich hier ein bedeutsamer Fingerzeig für das Verhältniß nicht nur zwischen Jakob und Esaw, sondern auch zwischen ihren Nachkommen ergeben, wie dies bereits pon ausspricht, dessen Auffassung wir in dem ersten Theil dieser Darstellung wörtlich angeführt haben. So lange es Gottes Absicht, daß die Nachkommen Jakobs in abhängiger, dienender Stellung zu den Nachkommen Esaws stehen, mußten und müssen jene jederzeit bereit sein durch Einbuße an materiellen Gütern ihr abhängiges Loos erträglich zu gestalten. Die Judensteuern. Leibzölle, Schutz- Stättigkeitsqelder waren solche Opfer, die bis hart an die Schwelle unserer Zeit die Nachkommen Jakobs ihren Herren für das Recht entrichten mußten, in ihrer Umgebung Luft zu schöpfen, und den Fuß auf ihren Boden zu setzen. Noch heute legt die Rücksicht auf diese Stellung uns manchen Verzicht und vielfache Opfer im geschäftlichen Verkehr auf, indem sie uns jeden Schritt meiden läßt, nicht etwa nur den, der ein faktisches Unrecht involvirt, sondern auch den, dem jeder Schein irgend einer Jllegalitiät anhaftet. Allerdings wird es auch der peinlichsten Gewissenhaftigkeit nicht gelingen, den Haß und das Vorurtheil gegen die Nachkommen Jakobs zu entwaffnen, aber wenn wir nach*dieserSeite unserer Pflicht voll und ganz genügt haben, dürfen wir unser Geschick, unser Weh. unseren*Streit und unsere Erlösung zuversichtlich Gott, dem Erlöser Israels anheimstellen und beten: „Schau auf unser Elend, führe unseren Streit, und erlöse uns, um deines Namens willen, denn der starke Erlöser bist du, werde durch mich zum Segen, Erlöser Israels." Als drittes, bewährtes Mittel gegen den uns umgebenden Wahn gilt der Kampf, aber der Kampf, wie ihn Vater Jakob kämpfte, nicht wie man 'ihn heutzutage so oft empfehlen hört. Daß von einem Kampf mit Waffen in der Hand nicht die Rede sein kann, braucht nicht erst gesagt zu werden. Der Haß gegen die Nachkommen Jakob's läßt sich nicht einmal mit Waffen des Geistes erfolgreich führen. Man kann den Judenhaß nicht aus der Welt reden und ihn nicht mit Druckpapier todtschlagen. Wir haben nur einen Kampf nach innen zu kämpfen und zwar wie Vater Jakob, uns nur auf die Defensive zu beschränken. Er theilt die Seinen, und wenn der eine Theil dem verderblichen Einfluß des Bruderhasses oder der brüderlichen Zuthunltchkeit unterliegen sollte, so ist sein ganzes Sinnen darauf gerichtet, wenigstens den noch unversehrten Theil zu retten. — Diese Trennung hat Vater Jakob und auch uns die Rettung gebracht. — Als in den ersten Decennien dieses nun auf die Neige gehenden Jahrhunderts ein großer Theil aus den eigenen Reihen kampfesmüde der alten Fahne untreu zu werden anfing, als sie lüstern htnüberschielten in das imponirende, feindliche Lager und seine Sitten