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Der Israelit · 1893-11-23 · Heft 93 (23.11.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 93 (23.11.1893)
Date
1893-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1762 und Unsitten bei uns einführen wollten, um sich so die Gunst der Machthaber zu erschleichen, da nahmen die vom Geiste Jakobs beseelten Führer den Kampf auf, den Kampf gegen den Leichtsinn und die Lebensgemächlichkeit im eigenen Lager. Sie vollzogen die Trennung und Scheidung in zwei Lager, wie sie Vater Jakob vollzogen hatte, um die Treuen wenigstens zu erhalten, wenn die Halben und Schwankenden dann wirklich verloren isein sollten. Dtcses Vorgehen hat Vater Jakob die Rettung gebracht und wird auch uns retten, so lange es Gottes Weltplan gefällt, Esau und Jakob als Herr und Diener sich gegenüberstehen zu lassen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Worms. Unsere jüdische Gemeinde, sowie die Stadt Worms hat heute ihr ältestes Mitglied durch den Tod verloren. Herr Salomon Levi starb im Alter von 100 Jahren, nachdem er nur einen Tag krank gewesen. Vor 2 Jahren noch war der Verstorbene an den hohen Feiertagen der erste in der Synagoge, rrasin. Berlin. Der bekannte Antrag Hammerstein- Manteuffel auf Ausschluß der fremden Juden hat die Form einer Resolution, durch die die Regierung ersucht werden soll, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, nachdem Israeliten, die nicht Reichsangehörige sind, die Einwanderung über die Grenzen des Reichs untersagt wird. Köln. Zum Spieler- und Wuchererprozeß bringt die „Rh.-Westf. Ztg." einen Leitartikel, in dem das Verhalten der beteiligten Offiziere mit gebührender Schärfe getadelt und auf die Pflicht des Adels, ihre Nachkommen zu wahrhaft adeliger Gesinnung zu erziehen, mit Ernst hingewicsen wird. Der Verfasser verwahrt sich zwar gegen den Vorwurf antisemitischer Gesinnung, schreibt dann aber unter Hinweis auf die in Hannover verurtheilten jüdischen Gauner in bemerkenswerther Weise folgendes: „So sehr ein derartiges Verfangen, von Einzelfällen auf die Allgemeinheit zu schließen, nicht entschieden genug verurtheilt werden kann, so sehr muß doch andererseits auch die Frage aufgeworfen werden, ob denn die Lehrer und Prediger eines gottgefälligen Lebens in der jüdischen Gemeinde nicht solche Prozesse, wie den in Hannover, zum Anlaß einer entschiedenen Mahnung, Verwarnung, ja Strafandrohung gegenüber ihren Gläubigen nehmen könnten, damit solche.schmähliche Vorkommnisse, welche die öffentliche Meinung mehr als andere Schandthaten in Empörung versetzen, wenn auch nicht ganz ausgerottet, so doch im Judenthum immer seltener werden. Angesichts des bewunderungswürdigen Zusammenhaltens der Juden unter sich, ihrer erstaunlichen Disziplin in allen sonst das Judenthum berührenden, schädlich und feindlich gegen dasselbe wirkenden Fällen würde es doch seltsam berühren und nicht gerade ein Beweis für die ethische Kraft des jüdischen Sittengesetzes sein, wenn MFsolches Auftreten der berufenen Lehrer des Volkes Israel, das natürlich mit Beharrlichkeit und dem vollen Bewußtsein der ernsten Verantwortlichkeit bei neuen ähnlichen Fällen wiederholt und prononziert werden müßte, auf die sämtlichen Gemeindeangehörigen nicht den gewünschten nachhaltigen Eindruck ausübte. Denn gerade so gut wie die sogenannte jüdische Presse die kräftigste Stütze des Antisemitismus bildet, so sind die in Hannover aufgedcckten Schurkereien der Abter, Seemann, Rosenberg und Genossen Wasser auf die Mühle der judenfetndlichen Strömung im Lande. Wenn sich unsere jüdischen Mitbürger erst von der Wahrheit des oft schon von ihren eigenen Religionsgenoffen ausgesprochenen Satzes durchdrungen haben, daß das Judenthum nirgendwo größere und gefährlichere Feinde hat als in den eigenen Reihen, dann wlrdAs mit dem^Antisemitismus bald zu Ende sein. So länge das Judenthum aber seine Feinde auswärts,^nur^auswärts und selbst da sucht, wo offen und fretmüthig der Schleier vor der Selbstbethö einig, die jetzt noch die Mehrzal der Juden befangen hält, hinweggezogen wird, so lange wird es nicht besser, sondern schlimmer werden." Wir haben zu diesen Aeußerungen Folgendes zu bemerken: Es ist gewiß für die Bekenner des Judenthums beschämend, wenn sich unter ihnen Gauner und Spitzbuben befinden, wie es auch für.die Bekenner des Christenthums beschämend ist, Gauner und Spitzbuben zu ihren Religionsgenossen fzu Haben. Was demnach für die Bekenner des Judenthums recht ist, ist für die Bekenner des Christenthums billig. Es ist daher nicht ubzusehen, warum das was hier von den Lehrern und Predigern der jüdischen Gemeinde verlangt wird, nicht auch und zwar in erster Reihe denjenigen der christlichen Gemeinde gesagt werden sollte. Wenn die Juden sich bessern sollen, weil in dem in Rede stehenden Proceß einige Juden als Betrüger entlarvt wurden, so haben die Christen, die das Hauptcontignent zu den verurtheilten Schwindlern lieferten, mindestens dieselbe Besserung nöthig. Bei den Juden, räumt die „Rh. West pH. Zeitung" ja selber ein, daß es sich nur um Einzelfälle handelt, von welchen einen Schluß auf die Allgemeinheit zu ziehen, sie selber entschieden verurtheilt. Dieser Verurtheilung würden sich ja die Lehrer und Prediger der jüdischen Ge-

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