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Der Israelit · 1893-11-20 · Heft 92 (20.11.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 92 (20.11.1893)
Date
1893-11-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1753 Vorwurfs des Mangels an der im Kriege erforderlichen todesmuthigen Tapferkeit und Treue theilt der Volks-Ztg., anschließend an die vor einiger Zeit von uns aus Gnesen gebrachte Mittheilung. ein Bruder des damals erwähnten Gefallenen noch folgendes mit: „Als im Juni 1866 der erste Nachschub nach dem Kriegsschauplatz erforderlich wurde, richtete d?r betreffende Offizier an die Mannschaft die Frage, wer sich dam f,eiwill q melde. Mein B udr. der erst am 1. Apnl 1866 als Einjährig-Freiwilliger beim 2. Garde Regiment eingetreten war, war emer der ersten, die sich dazu meldeten. Er machte die Gefechte von Burkersdorf und Königinhof tapfer mit und fand am 3. Juli 1866 bei Köuigqrätz, beim Sturm auf das Dorf Rosberitz. den Tod. Nach langem Warten auf eine Nachricht von ihrem in den Kampf gezogenen Sohn erhielten die bekümmerten Ellern am 8. Juli vom Kriegsschauplätze von dem Kompagnieführer der 10. Kompagnie, Grafen Ranzau, folgenden Brief: „Herrn Heymann Hirschberg, Gnesen. Leider habe ich die schmerzliche Pflicht, Ihnen anzuzeigen, daß Ihr Sohn Leopold Htrschberg der 10. Kompagnie 2. Garde-Regiments in der großen Schlacht am 3. Juli beim Sturm auf das Dorf Rosberitz als Held gefallen ist, wie er seinen verwundeten Major — v. Erckert — aus dem heftigen Kugelregen forttragen wollte. Eine Fltntenkugel in den Kopf tödtete ihn sofort. Er fiel als braver Soldat; treu seinem König. Gott stütze Sie in Ihrem Kummer! Ihr Graf Ranzau, Premier-Lieutenant im 2. Garde-Regiment, Führer der 10. Kompagnie. Rosberitz, den 5. Juli 1866." — In Veranlassung dieses Vorfalls ließ die jüdische Gemeinde in Gnesen in der dortigen Synagoge eine Gedenktafel mit folgender Inschrift anbringen: „Aus Lieb' zum Vaterland gabst Du Dein Leben hin, Ehr' und Ruhm solch' biederem Sinn!" — Ein älterer Bruder des Gefallenen machte die Kriege von 1866 und 1870 als Stabsarzt mit und wurde beide Mal für Tapferkeit dekorirt, das eine Mal mit dem rothen Adlerorden mit Schwertern und das andere Mal mit dem eisernen Kreuz. — Möchten doch andere der jüdischen Glaubensgenossen, die Verwandte im Felde verloren haben, zu gleicher Veröffentlichung greisen, um zu beweisen, daß die Deutschen jüdischen Glaubens nicht minder wie die christlichen Glaubens, ihr Blut für das Vaterland vergossen haben!" Berlin, 12. Nov. Das Staatsministertum hat in seiner letzten Sitzung das Dtsciplinarerkenntniß des Provinzial-Schulkolleginms bestätigt, das Ahlwardt zur Amtsentsetzung verurtheilt. Frankreich. W. Paris. Es bietet sich bedauerlicherweise nicht sehr häufig die Gelegenheit, erfreuliche Nachrichten über das jüdische L'ben in der Hauptstadt Frankreichs zu bringen. Wie sehr man auch davon fabeln mag. daß das jüdische Herz immer noch pulsirt, daß der jüdische Geist immer noch wach ist, daß das jüdische Gemüth immer noch hervortritt, im großen Ganzen muß man sagen, und jeder, der die einschläglichen V rhältnisse kennt. wird es zug st hcn, daß von dem echt jüdischen Charakter hier nur noch Spu'en anzutreffen sind, daß von der sogenannten Jüdischkeit, besonders was man in unseren Kreisen unter diesem Ansdrucke versteht, nur noch Ueberreste vorhanden sind, daß alles, was wirklich die Bezeichnung jüdisch verdient, sich in einem trostlosen Zustande des Staqnirens befindet. In der B haupumg, daß neun Zehntel der gelammten Judenhett der Hauptstadt dem jüdischen Leben fremd oder wenigstens sehr indifferent gegenüber stehen, liegt wohl keine Uebertreibung; ein starker Prozentsatz der Kinder erhält überhaupt keine jüdische Erziehung, und bet denjenigen, die eine solche genießen, ist sie im höchsten Grade mangelhaft, nicht ausreichend, den Juden zu bilden, der sich im öffentlichen Leben als solcher bewähren soll. Institutionen, die geeignet wären, den Sinn für Religiösität zu erhalten oder zu erwecken, gibt es in der großen Gemeinde nur in ganz beschränkter Anzahl, und wenn man dem Pariser Juden über den Verfall des jüdischen Geisteslebens in seiner Mitte einen Vorwurf macht, so weist er stolz auf einige Wohlthätigkeitsanstatten hin, die thatsächlich auf volles Lob Anspruch haben, die aber, strenge genommen, das Werk nur einzelner, mit irdischen Glücksgütern besonders gesegneten Personen sind, welche in ihrem allgemeinen Streben, Gutes zu stiften, ihre Glaubensbrüder nicht minder bedenken, als die Gesammtheit. *) Von diesem wenig ergötzenden Bilde heben sich namentlich einige Gesellschaften rühmlich ab; es sind dies Vereinigungen, in denen das altjüdische traditionelle Leben ungetrübt fortherrscht, die wissen, daß das Wesen des wahren Juden nicht allein in der Unterstützung des Bedürftigen besteht, sondern auch im Festhalten an den religiösen Vorschriften und in ihrer treuen Befolgung. Im Süden der Stadt existirt diejenige, die sich hauptsächlich aus dem polnischen und russischen Elemente zusammensetzt und bestrebt ist, die Art und Weise des religiösen Lebens, das sie im düsteren Osten gepflegt, auch in ihrem neuen freundlicheren Heimathlande zu bewahren. Jedoch wäre es ein Jrrthum, anzunehmen, daß alle, die hier Zu- *) Nur eine verschwindend kleine Anzahl von jüdischen Geschäftsleuten und anderen Personen ruhen am TQ2' von ihrer Wochenarbeit. und wie gering ist der Konsum von rituell hergestelltem Fleische im Verhältnisse zur Einwohnerzahl der Pariser jüdischen Bevölkerung.

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