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Der Israelit · 1893-11-20 · Heft 92 (20.11.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 92 (20.11.1893)
Date
1893-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1752 Wolf, Pohl *) w. gewählt. Die Presse hat dafür gesorgt, daß die Sache in den allerweitesten Kreisen bekannt geworden ist- Blätter aller Richtungen haben von derselben Notiz genommen und zumtheil Bemerkungen hinzugefügt. Schreiber dieses hat in westpreußischen, Berliner, sächsischen und würtembergischen Zeitungen die Mittheilung gelesen, und m der letzten Septemverwoche hat sich sogar der „Kladderadatsch" des Falles bemächtigt. Wir sind mit unserem alten, guten Namen gradezu in das öffentliche Gerede gekommen und können fortan als „getaufte' oder auch nicht getaufte Juden angesprochen werden, wie es dem Erst-Unterzeichnelen inzwischen sogar schon geschehen ist. Das kann aber niemand, der, wie oben ausgeführt, nach seinem Namen mit keinem ^ßolen oder Griechen oder Juden bisher hat verwechselt werden können und auf sein reines Deutschthum etwas gehalten hat, gleichgiltig hinnehmen. Wir kommen daher zu dem Schluß, gegen Ew. Excellenz Verfügung in aller Höflichkeit aber ganz entschieden den nachdrücklichsten Protest zu erheben'und sprechen die ganz ergebenste Bitte aus, Ew. Excelsenz wolle in gerechter Würdigung unserer triftigen Grunde geneigtest veranlassen, daß die den Herren Schmul gewährte Erlaubniß zurückgezogen und ihnen auferlegt werde, entweder sich bei iyrem alten Namen zu beruhigen oder aber einen andern jüdischen, beziehungsweise neutralen Namen zu wählen. Sollte Ew. Excellenz auf unser Gesuch nicht einzugehen beschließen, so würden wir zunächst in weiteren uns persönlich unbekannten Kreisen von Namensvettern eine planmäßige Agitation einleiten und uns nöthigenfalls mir einer Jmmediat-Eingabe an des Deutschen Kaisers Majestät wenden muffen. Wir müßten des ferneren den Gedanken erwägen, unsererseits eine Abänderung unseres alten Namens an höchster Stelle zu beantragen. Welche Conscquenzen dies nach sich ziehen würde, glauben wir Ew. Excellenz eigenem Urtheil überlasten zu dürfen. Wir empfehlen unser Anliegen der geneigten wohlwollenden Behandlung Ew. Excellenz und zeichnen mit vollkommener Hochachtung ganz ergebenst Hugo Göze, Buchhändler, Stuttgart. Gottfr. Göze. Kfm., Hamburg. . . . Folgen achtzehn weitere Unterschriften. Da nach der deutschen Reichsverfaffung jeder Bürger das unzweifelhafte Recht hat sich so gründlich als eben möglich zublamiren, so läßt sich formell gegen diesen modernen Götzencultus und seine Priester nichts erinnern. Wenn aber z. B. Herrn Götze in Stuttgart die Ungeheuerlichkeit eingefallen wäre, sich den Namen Schmul bcizulegen und Herr Schmul in Schneidemühl hätte per Postkarte bei der zuständigen Württembergischen Behörde dagegen reklamirt, so hätte man doch einmal die sittliche Entrüstung über die jüdische Frechheit sehen müssen, mit welcher die gesammte antisemitische Preßmoral daun um sich geworfen hätte! Daß aber Herr Göze keinen anderen Götzen neben sich duldet, ist dagegen ganz in Ordnung; meinetwegen. Was den Herrn Schmul veranlaßt hat, seinen bisherigen Namen anfzugebenund gerade den Namen Göze anzunehmen, ist selbstredend zunächst seine *) Ein Regierungs-Baumeister Pohl aus Bromberg hat inzwischen, wenn wir uns recht erinnern, in der „Kreuzzeitung" auf das Energischste dagegen protestirt, daß man seinen guten, urdemschen Namen als einen neutralen zu bezeichnen wagt.. Wahrlich. das Lustspiel, das die Herren Anti H iten hier cmfführen, beginnt bereits zu einem tollen Schwank auszuarten. Red. d. Israelit. Sache und die des zuständigen Regierungspräsidenten. Da Herr Göze selber anerkannt, daß es ehrbare Gründe geben kann, welche eine Namensänderung rechtfertigen können, und von Seiten des Regierungspräsidenten konstatirt ist, daß die Namensänderung hier ans Grund eingehender, sorgfältiger Feststellung der Familienverhältnisse erfolgte, so brauchen wir hier für Götze weiland Schmul keine Lanze zu brechen. Wir wollen nur der irrigen Annahme des Stuttgarter Ur-Götze entgegentreten, daß der urdeutsche Name „Götze" noch niemals von einem Juden geführt worden sei. Die Führung von Namen, welche den Völkern entlehnt sind, unter welchen sich Juden je aufgehalten, ist bei den Juden schon seit Jahrtausenden üblich. Der Talmud berichtet sogar, daß die meisten Namen der außerpalästinensischen Inden den anderen Völkern entnommen sind. (Talmud Gittin fol. 1t.) Was den Namen Götz speziell betrifft, so ist er unter Juden vielfach verbreitet und kommt schon seit undenklichen Zeiten bei Juden vor. Da die Personennamen, wegen ihrer präcisen Schreibweise für Scheidebriese mit ganz besonderer Aufmerksamfett gesammelt werden, so ist es leicht sich darüber zu vergewissern. Vor mir liegt ein bekanntes Nachschlogebuch für Ausstellung derartiger Akte, welches den Namen „NachlatSchibah" führt, vor. Dasselbe ist ca. 250 Jahre alt und erwähnt den Namen Götz bereits in verschiedenen Variationen. Wenn also die Herren Götze, Götz und Göze mit ihrem guten, alten Namen ins Gerede gekommen sind, so haben sie sich das selber znzuschreiben. Es fehlt nur noch, daß die Herren um ein Verbot der Schriften von Lessing einkommen, weil dort im Anti-Götze, der gute, alte Name bereits in's Gerede gekommen ist, bevor seine heutigen Träger auf der Welt waren. Das wäre wohl eine von den Consequenzen, zu welchen die planmäßige Agitation führen soll, wenn der Herr Regierungspräsident von Bromberg den Veilletäten dieses Götzen- Chorus nicht entspricht. — Am fürchterlichsten könnten sich aber die Herren Hugo, Gottfried und die 18 anderen Götzen an der Menschheit rächen, wenn sie sich den semitischen Namen „Schmul" zu erwerben trachteten. Dann könnten sie den unberufenen Trägern ihres urteutschen Namens, den Weltschmerz heimzahlen, den sie fürs erste allein tragen müssen. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 9. November. Zur Abwehr des von den Antisemiten den jüdischen Soldaten gemachten

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