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Der Israelit · 1893-11-20 · Heft 92 (20.11.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 92 (20.11.1893)
Date
1893-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1746 Baron Königswarter zu sagen: „Sie werden nach meinem Tode viel von mir lernen!"*) Entsprechend der Munificenz, die Baron Königswarter im Leben geübt, befinden sich in seinen letztwilligen Verfügungen wohlthätige Legate von bedeutendem Umfange, wie auch eine weitere Dotirung und Ausgestaltung der bisherigen, von Baron Königswarter thetls geschaffenen, thetls geförderten Humanitäts-Anstalten. In seinen Büchern finden sich außerdem 200,000 fl. als Legate für seine Beamten und Diener ausgewiesen. In den Bilanzen der letzten Jahre befinden sich als Post für laufende Wohlthätigkeits-Ausgaben 90,000 fl. jährlich für Stipendien für Künstler und Gelehrte, sowie zur Bezahlung von Collegiengeldern für Studenten. Die Handunterstützungen, welche der Portier des Hauses nach freiem Ermessen vertheilen konnte, beliefen sich allein auf jährlich 10,000 fl. Die Vilder-Galerie des Verblichenen wird auf eine Million Gulden geschätzt. Baron Königswarter hat noch in der letzten Zeit die Absicht ausgesprochen, dieselbe der Akademie der bildenden Künste zu vermachen; ob darüber in seinem Testamente sich eine Verfügung befindlt, ist noch nicht bekannt. Wien. Ein Telegramm aus Krakau meldet, daß das daselbst errichtete Wohlthätigkeitsbüreau des Baron Hirsch, welches jährlich über 60 000 fl. verfügte, auf telegraphische Anordnung des Baron Hirsch gesperrt wurde. Dieser Entschluß des menschenfreundlichen Barons dürfte seinen Grund darin haben, daß er die vollständige Nutzlosigkeit des Krakauer Büreaus einsieht. Die Persönlichkeiten, welche die Hirsch'schen Wohlthätigkeitsgelder in Galizien verwalten, sind untereinander nicht einig. Der eine will, daß die deutsche Sprache in den Hirsch'schen Schulen vorherrsche, der andere gibt der polnischen Sprache den Vorzug und alle scheinen darin einig zu sein, das Hebräische zu vernachlässigen, was viele arme Eltern abhält, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken. Ebenso willkührlich sollen die Herren in der Vertheilung der Unterstützungsgelder vorgegangen sein. Pisek, 31. October. Für heute Dienstag, war im Hause des hiesigen jüd. Kaufmannes I. F a n t l die Hochzeit der ältesten Tochter mit Herrn Popper aus Rakonitz anberaumt. Die Brautmutter, Frau Rosa, eine 40jährige noch äußerst rüstige und auch eine sehr wohlthätige Frau, nahm an den Vorbereitungen zur Hochzeit lebhaften Antheil. In der vergangenen Woche erkrankte sie jedoch plötzlich, und mußte eine Operation an ihr vorgenommen werden. Dieselbe hatte jedoch einen tödlichen Ausgang für sie. Auf dem Todtenbette bat sie nun, die Trauung ihrer Tochter möge an *) Eine Obduction ist religiös verboten. Red. ihrem Sarge stattfinden. Ihr Wunsch wurde auch erfüllt. Gestern fand das Leichenbegängniß statt und eine Stunde vorher nahm der Rabbiner in einem Seitengemache die Trauung des Brautpaares vor. Alle Hochzeitsgäste, die zugleich auch Trauergäste waren, schluchzten laut auf. Hierauf wurde der Sarg gehoben und aus dem Hause getragen. Tausende von Personen aus allen Schichten unserer Bevölkerung schlossen sich dem Trauerzuge an, um so ihre Theilnahme an diesem Familtenunglücke kund zu geben. Feuilleton. Der Trödler. Erzählung von Hans Müller. (Fortsetzung.) (Alle Rechte Vorbehalten.) Rascher als sonst bediente Koppel seine Kunden und stieg dann mit dem Kinde zur Wohnung hinauf. Leise trat er in das Zimmer der Wittwe und auf den Zehen ging er an das Krankenbett. Die Kranke lag bis zum Tode matt, aber bei klarem Bewußtsein auf ihrem Lager. Als sie Koppel sah, flog eine leichte Röthe und ein resignirtes Lächeln über ihr Antlitz und mit matter Stimme erwiederte sie seinen Gruß. „Wie geht es Ihnen?" fragte Koppel leise. „Sie wünschten mich zu sprechen; womit kann ich Ihnen dienen?" Eine kleine Weile verging, ehe die Kranke antwortete. Sie strich mit ihrer mageren weißen Hand das blonde Haar von ihrer heißen Stirn und begann: „Ich muß ans Ende denken, Herr Koppel." Koppel wollte ihr diesen Gedanken ausreden, aber sie schüttelte trostlos ihr schönes Haupt und sagte: „Bemühen Sie sich nicht, mein Freund, ich fühle es und der Arzt hat mir kein Hehl daraus gemacht." „Aber der liebe Gott kann immer noch helfen, wenn Menschenhülfe auch versagt." „Der liebe Gott! Der ltcbe Gott! o du frommer Glaube! Wenn er helfen könnte, hätte er mir längst Helsen müssen. So fest wie ich einst glaubte, hat noch kein Mensch geglaubt; so innig wie ich zu ihm gebetet, noch kein Sterblicher um seine Hülfe gefleht — vergeblich. Alles ist Natur und Gesetz. Wenn die Maschine in Unordnung gerathen, wichtige Theile unbrauchbar geworden sind, bleibt sie stehen und uns Menschen zu Liebe ändert die Natur nicht ihren Lauf und durchbricht ihre ewigen unveränderlichen Gesetze. Gott mag wohl helfen kön-

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