Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1893)
- Date
- 1893-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1747 der Synagoge im Jahre 1885 drückte er sich dem Vorstande gegenüber folgendermaßen aus: „Dies Gebäude paßt nicht zum Gotteshaus; man muß an Aufführung einer neuen Synagoge denken; die Regierung wird ihrerseits einen bedeutenden Zuschuß hierzu gewähren." Die weitere Entwicklung der Sache ist hauptsächlich unserem unvergeßlichen ehemaligen Kreisdirektor, dem leider zu früh verstorbenen Bezirkspräsidenten v. Stichancr zuzuschreiben, der immer und immer wieder den Gedanken vorbrachte und unterstützte. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 14. Nov. Nach schweren Leiden ist, wie wir bereits berichtet, heute Nachmittag Baron Moritz Königswarter im Alter von 56 Jahren in seinem Palais am Kärtnerring gestorben. Er war der einzige Sohn des Freihcrn Jonas v. Königs- Wärter, welcher in der finanziellen W lt durch seine geschäftliche Begabung eine hervorragende Nolle spielte und ein streng religiöser, hochgebildet) Mann war. Baron Moritz Königswarter hat das von ihm geleitete Bankhaus mit Würde repiäsentirt und dessen Ansehen stets sehr hoch gehalten. Als sein Vater gestorben war, übernahm Baron Königswarter jene öffentlichen Functionen, welche gleichsam in seinem Hause traditionell geworden waren: er wurde in die Direction der Nordbahn, in den Berwaltungsrath der Creditanstalt und der Böhmischen Westbahn und zum Censor der damaligen Nationalbank gewählt. In die breite Oeffentlichkeit rückte er vor, als ihn das Ministerium Taasfe kurz nach der Berufung dieses Cabinets im Jahre 1879 zum Mitgliede des Herrenhauses ernannte. Dort schloß er sich der liberalen Partei an und genoß in wirthschasttichen und finanziellen Fragen eine hohe Autorität. Die sociale Stellung des Baron Königswarter brachte es mit sich, daß die hervorragendsten Mitglieder des Herrenhauses in seinem Palais verkehrten, und es machte ihm ein großes Vergnügen, Cardtnäle und Bischöfe an seinem Tische mit Speisen zu bewirthen, welche nach den strengen Vorschriften des jüdischen Ritualgesetzes zubereitet worden waren. Der Koch mußte die raffiuirteften Anstrengungen machen, um mit Hilfe von Surrogaten alle die Delicatessen, welche bei feinen Malzeiten üblich sind, zu bereiten, ohne gegen jene Ritualgesetze zu verstoßen. Baron Königswarter war in religiöser Beziehung ein conservativer Mann und zeichnete sich durch besondere Wohlthätigkeit aus, die sich jedoch keineswegs blos auf seine Glaubensgenossen erstreckte. Zahlreiche Stiftungen und humanitäre Institutionen verdanken ihm Entstehung und Förderung: mit seinem Namen sind die Errichtung des Blinden- Jnftituts auf der Hohen Warte, die Franz-Joseps-! Stiftung und ähnliche Einrichtungen verknüpft. Erst j vor Kurzem hat er den Betrag von 100,000 fl. dem Vereine zur Errichtung und Unterhaltung von Wärmesiuben zur Verfügung gestellt. Baron Königswarter war auch einer der hervorragendsten Kunstfreunde und Sammler Oesterreichs. Seine Galerie gehört zu den werthvollsten Privat-Galcrien Europas. Baron Königswarter hinterlätzt eine Wlttwe, welche durch ihre ausgezeichneten Hrzenseigenschaften, durch ihren schlichten und vornehmen Sinn die größten Sympathien in der Wiener Gesellschaft genießt: Außer der Wittwe Charlotte, einer geborenen v. Werthhetmstein, einer Nachkommin des von Ihrem berühmten Mitarbeiter S. Kohn erst jüngst in Ihrem Blatte so meisterhaft geschilderten Rabbi Samson Werthheimer, hinterläßt er drei Söhne: Heinrich, Hermann und Wilhelm, ferner etneTochterJosepyine, vermählt mit Herrn Max Schiff. Baron Königswarter hat genaue Verfügungen über sein Leichenbegäugniß getroffen, die er in einem Schreiben verzeichnte, das er im Juli 1892 seinem Verwandten und Compagnon Herrn Alfred Straffer versiegelt übergab. Das Couvert trug die Aufschrift: „Unmittelbar nach meinem Ableben zu öffnen." Die Verfügungen sind folgende: Baron Königswarter wünscht ein einfaches Prunkloses Begräbniß nach israelitischem Ritus; auf den Partezetteln möge bemerkt werden, daß der Verblichene sich Blumcnspcnden verbeten habe, da er kein Freund dieser zumeist nur aus Etiquette geübten Sitte gewesen sei. Weiters wünsche Baron Königswarter, daß er in einem einfachen Holzsarge in einem Einzelgrabe beerdigt werde, nachdem es ihm nicht vergönnt sei, vereint mit selnen Eltern zu ruhen, die auf dem nunmehr ausgelassenen Währinger Friedhofe begraben sind. Zu emer Exhumirung der Eltern konnte sich Baron Königswarter aus Pietät nicht entschließen. Auf seinem Grabe soll sich, wie in dem Schreiben weiter verfügt wird, ein einfacher granitener Grabstein mit der Inschrift erheben: Moritz Freiherr v. Königswarter, k. k. priv. Großhändler in Wien, Mitglied des Herrenhauses des Reichsrathes. Geboren am 16. Juli 1837, gestorben am.Sollte seine Familie dieser Inschrift noch etwas hinzufügen wollen, so möge sie sich kurz fassen. Weiters ist disponirt, daß am Tage seines Begräbnisses dem Bürgermeister der Stadt Wien und dem Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde je 2500 fl. zur sofortigen Vcrthellung an Arme übergeben werden mögen. Endlich wünscht Baron Königswarter, daß er obducirt werde; er begründete diese Verfügung damit, daß er wie einige Mitglieder seiner Familie viel an Kopfschmerzen gelitten; vielleicht lasse sich durch die Obduction der Sitz und die Ursache dieses Leidens feststellen. Die Obduction wird morgen Vormittags von Professor Paltauf vorgenommen worden. Zu seinen Aerzten pflegte