Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1893)
- Date
- 1893-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1745 Wirklichkeit der Herrschende den Zwecken und Zielen des Dienenden mit seiner Herrschaft di^nt, tritt in den Geschicken Esaw's und Jakobs und in denjenigen ihrer Nachkommen in ergreifender Weise zu Tage. Ein Blick auf das Lebensgeschick Esaws und Jakobs zeigt, daß sich sofort der Esaws-Segen verwirklicht hat: "oyr> *jn«rwi rrnn -pin by „durch dein Schwert wirst du leben und damit wirst du deinem Bruder dienen." Werfen wir nochmals einen flüchtigen Blick auf die Vorgänge, welche den fürEsaw bestimmten Segen auf das Haupt Jakobs leiteten, so muß uns von vornhinein Jizchaks Absicht befremden, welche gerade Esaw den Segen ertheilen und Jakob leer ausgeheu lassen möchte. Nehmen wir auch an, daß Jizchak sich über Esaw's wahren Charakter täuschte und ihn, den Unwürdigen, für des Segens würdig hielt. Jizchak kannte die Abraham gewordene Verheißung PNL' ^2 vb\ jn: *np» PN8'2 '2, daß nur einer seiner Söhne ein würdiger Enkel Abrahams, der andere aber für diese Nachfolge verloren sein werde. Wie konnte Jizchak, wenn er auch Esaw für würdig hielt, je Jakob für den Unwürdigen halten, ihn, dessen lauterer, biederer Lebenswandel sich doch täglich im Zelte in Gegenwart der Eltern bewährte? Ueber seine Würdigkeit konnte doch kein Zweifel bestehen und er sollte der vom Vatersegen Ausgeschlossene sein? Vielleicht war es jedoch, wie -ibio onn in seinem Thora-Commentar zutreffend bemerkt, gerade diese häusliche Zurückgezogenheit, welche Jizchak als eine Eigenthümlichkett beanstandete, die Jakob als nicht zur treuen Nachfolge Abrahams qualificirt erscheinen ließ, während der Verkehr mit der Welt wie ihn Esaw Pflegte, ihn als rechten Enkel Abrahams bekundete, der die erkannte göttliche Wahrheit wie der Großvater hinaus ins Leben trägt und die Geister und Gemüther für sie gewinnt. Sich in das Gewühl des Lebens zu stürzen, wo der Kampf um's Dasein am heißesten ist und dabei zu fragen, wie man Maaser von Salz und Stroh giebt, das galt Jizchak als Beweis für Esaw's Qualification zum Segen. — Nun geschah cs durch Veranstaltung der Mutter dennoch, daß Jakob den Segen erhielt, und daß Jizchak den irrthümlich ertheilten Segen sofort als zu Recht bestehend sanktionirte, durch die Erklärung: rvrv *-p-o du Er soll auch gesegnet bleiben. Aber der zurückgezogene Zeltenbewohner hatte in der That Charakter und Frömmigkeit noch nicht im Verkehr mit der Welt erprobt. Ob sie sich auch dort bewähren werde, das sollte sich noch entscheiden. Seiner persönlichen Neigung und dem natürlichen Gang der Dinge gemäß wäre Jakob ein in die Lage gekommen diese Feuerprobe zu bestehen. Was ihn in die Fremde, in die Umgebung eines Laban trieb, das war der Mordstahl, den die Bruderhand gegen ihn führte. So war es das Schwert Esaw's, dem Jakob seine Vollendung, die Bewährung seiner Tugenden auch in der Fremde verdankte. Das war Zweck und Ziel der ganzen Verkettung von Umständen, die Jakob mit dem Segen auch den Vruderhaß, und damit die ganze Vollendung brachten, welche ihn erst zu einem erprobten würdigen Träger des Abrahamsegens machte. Durch sein Schwert, dem der Bruder weichen mußte, herrscht Esaw allein ohne Rivalität im Elternhause, er lebt durch sein Schwert, aber er hat damit dem Bruder zugleich den größten Dienst geleistet, er hat das einzige, was Jakob noch fehlte, herbeigeführt, die Bewährung und Bewahrung seiner herrlichen Tugenden auch im Verkehr in der Fremde bei einem Laban. Wenn daher Jakob dem Esaw sagen läßt: \ib Dy m» msD V'nni *mj Bei Laban war ich in der Fremde, und habe auch dort Gottes Gebote erfüllt, so liegt darin eine weitere Provocatton. Er sagt damit: Jetzt hat sich's erwiesen, daß ich den Vatersegen in Wirklichkeit verdient habe. Das habe ich erreicht, dadurch daß ich dich als Herrn anerkannt, dir den Platz geräumt, und mich als den Diener betrachtet habe. Diese Rolle wollen wir auch für die Folge nicht vertauschen. Dieses Verhältntß ist in der That zwischen den Nachkommen Jakobsund Esaw's bis auf den heutigen Tag dasselbe geblieben. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 10. Nov. Der „Vorwärts" berichtet: Rohe Patrone haben die in der Stadt- und Ringbahn angebrachten Reklame-Plakate vielfach zu zerstören gesucht. Namentlich find es die Firmenschilder von Geschäften, deren Inhaber einen jüdisch klingenden Namen haben, welche in unflätigster Weise besudelt werden. An diesen Plakaten sind sogenannte „Gerichtssiegel" mit der Inschrift: „Kauft bei keinem Juden" angebracht, andere Plakate sind mit Messerstichen durchlöchert u. s. w. Diese Strolche rechnen sich natürlich zu den „Jebildeten", singen „Heil Dir im Siegerkranz" und können sich im übrigen nicht genüg über die Rohheit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft moquiren. Ob die Eisenbahn-Verwaltung, die doch in der Wagenthürschluß-Affäre ihre Augen offen hatte, diese Herren nicht einmal auf's Korn nehmen kann? Berlin, 11. Nov. Jn den „Mitthetlungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" vom 9. Nov. findet sich folgendesMerkwürdkge Geschichtchen: „Eine im Armenhause zu Liebenfelde wohnende