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Der Israelit · 1893-11-16 · Heft 91 (16.11.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 91 (16.11.1893)
Date
1893-11-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1728 Ltgtsten Aerzte! Habe ich nöthig hier an seiner Bahre in diesem Kreise von seiner Thätigkeit als Arzt zu sprechen? Wer, der das Glück hatte, sich seiner Nähe zu erfreuen, hat es nicht erfahren, wie er in Wahrheit Beruhigung mit sich brachte, so wie er nur das Krankenzimmer betrat und dem Kranken sich näherte. Es lag etwas Sonnenhaftes in seiner Persönlichkeit. Nie hat ein Arzt größeres und unbedingteres, nie aber auch berechtigteres Vertrauen genossen. Denn nie hat ein Mann des Heilberufes es ernster genommen mit jedem, jedem seiner Kranken, einen reden behandelte er mit einer Hingebung, als nähme er allein seine Sorge in Anspruch. Und nie gab er den Kampf auf mit der Krankheit. Auch wo seinem scharfen diagnostischen Blicke die schlimmste Prognose sich darstellte, handelte er als unerschütterlicher Optimist. Er gab die Hoffnung nicht auf, solange der Kranke noch nicht den letzten Athemzug gethan hatte, und wo er auch nur die Möglichkeit, die schwache Möglichkeit des Eintritts eines Augenblickes nicht ganz für ausgeschlossen hielt, in dem sich doch noch vielleicht etwas thun laffe, da wich er Stunden, ja Nächtelang nicht vom Krankenbette, da wurde der Arzt in Wahrheit zum Pfleger, zum Wärter. Nie hat man ihn glücklicher gesehen, als wo seiner Aufopferung eine Rettung gelungen war. — Nie aber hat er mit einem Worte je davon gesprochen. Was er that, verstand sich ja ganz von selbst.- Wo aber finde ich Worte, um zu schildern, was er in seiner ärztlichen Praxis den Armen und Hilflosen war. — Er war die personifizirte Menschenliebe, sein ganzes Leben ein großes Liebeswirken. *) Die Armen, Fremden, Annehmer- und Hilflosen, in ihm fanden sie ihren Annehmer, in ihm den Helfer. Sie haben einen unendlich herben, unersetzlichen Verlust erlitten. Von der Unendlichkeit seiner Geduld, von der Unerschöpflichkeit seiner Hilfsbereitschaft, von der Unermüdlichkeit seiner Hingebung, von der Zartheit seines Mitgefühls und von der Größe seiner Selbstlosigkeit hat Niemand, Niemand eine Vorstellung. Denn jeder hat nur stets den Bruchtheil gesehen, der sich zufällig seiner Beobachtung darbot. Was Mar cus Hirsch den Armen gewesen, das kennt in Wahrheit nur G ott!"- Doch wir brechen ab. Wie sehr jedes dieser Worte weitesten Kreisen aus der Seele gesprochen war, das zeigte sich in der Trauerwoche. Die Trauer war eine allgemeine und tiefe, und ihr stummer Ausdruck im Trauerhause seitens der großen Zahl Aller, die dort ihre Theilnahme bezeigten, *) Wir erinnern an die auch in diesen Blättern veröffentlichte für den Verewigten so charakteristische Schrift: „Betteln und Hausiren ist verboten". gestaltete sich zu einer erschütternden, geradezu überwältigenden Kundgebung der Liebe und Verehrung, die der Heimgegangene mit hinübergenommen in die Ewigkeit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin, 14. Nov. Die Antisemiten sagen sich wieder einmal von den Konservativen los und einer ihrer Führer, der Abg. Dr. Förster, erklärt in einem hiesigen antisemitischen Blatte,^ daßfsieKden feudalen Junkern nicht länger Vorspanndienste leisten wollen. Vor den Landtagswahlen ^schloß derselbe Förster in Berlin das Kartell mit den Konservativen. Nicht uninteressant ist, daß der konservative „Reichsbote" den Antisemiten auseinandersetzt, daß sie losgelöst von den Konservativen nichts^ bedeuten. Er schwingt sich dabei zu folgender ihm sehr nahestehenden Herren noch nicht aufgegangenen Erkenntniß auf: „Vom Antisemitismus allein kann keine Partei leben. Das hält kein normal veranlagter Mensch aus, alle Dinge immer nur durch das nur enge Guckloch der Judenfrage zu betrachten Die Zurückdränguug der Uebermacht des Judenthums kann nur durch eine große politische Partei bewirkt werden; sobald diese Frage aber als Spezialität behandelt wird, nützt sie sich bald ab. Das hält vielleicht ein Agitator, der von der Agitation lebt oder der von einem gewissen Fanatismus beseelt ist, ausaber das Volk erträgt das auf die Dauer nicht." Armer Stöcker! Licst sich das nicht, als ob es direct gegen ihn geschrieben wäre? Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 14. Nov. Das Herrenhausmitglied Baron Moritz Königswarter ist heute Nachmittag gestorben. Ein Theil der letztwilligen Verfügungen Königs- Wärters wurde heute eröffnet. Er ordnet die Ob duktion (?) an, die morgen stattfindet, ferner ein einfaches Begräbniß ohne Blumen, die Bestattung soll nach der Väter alter Sitte in einem Holzsarge erfolgen. 5000 Gulden sind am Begräbnißtage an Arme zu vertheilen. Der andere Theil des Testaments, das einen der drei Söhne zum Universalerben bestimmt und Legate enthält, wird nächster Tage eröffnet werden. Lewberg, io. Nov. Durch eine in jüdischen und politischen Zeitungen geführte Polemik erfährt man traurige Nachrichten über die bisher bestandene Zerfahrenheit in einem Theil der Verwaltung der Baron Hirsch-Stiftung. Diese hochherzige Stiftung Wird von einem Curatorium in Wien und von einem Executiv-Eomilse in Krakau verwaltet. Herr Prof. Dr. Josef R o s e n b l a t t in Kra-

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