Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-11-16 · Heft 91 (16.11.1893) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 91 (16.11.1893)
Date
1893-11-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448400--37458-2485523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

die ihn sonst so ruhig und geduldig zu sehen gewohntwaren, staunten über die Ungeduld, mit welcher er jetzt jedes Geschäft behandelte. Er wurde kurz gegen seine Kunden, ging auf keinen Scherz mehr ein und war stets mürrisch. Mit Caspar konnte er sich gar nicht mehr stellen, denn der Verdacht, daß der Jude ihn um tausend Mark betrogen habe, hatte sich bei dem Bauern so festgesetzt, daß nichts ihn davon abbringen konnte und Koppel konnte ihm den Verdacht nicht verzeihen. Eines Tages bot ihm Caspar wieder eine Waggonladung Wetzen an, die Koppel refüsirte. Da Caspar jedoch Geld nöthig hatte, brauste er auf und es kam zu harten Worten zwischen beiden. Koppel erklärte, kein Geschäft mehr mit dem Bauern machen zu wollen, weil er ihm ja doch nicht traue und Caspar nannte ihn einen Wucherer, einen Betrüger. Aergerlich schloß Koppel an diesem Tage seinen Laden und begab sich auf sein Zimmer, woselbst ein Bote des Arztes ihn auffuchte. Er thetlte ihm mit, daß ein auf der Straße verunglückter Bauer ihn zu sprechen wünsche, und daß der Arzt ihn bitten laffe, rasch zu kommen. Was sollte er thun? Marthas Mutter, die schwer krank war, erwartete ihn, Zeit hatte er nicht viel übrig, und sein Geschäft konnte ihn nicht entbehren und nun erreichte ihn noch der Ruf eines Verunglückten! Aber noch niemals hatte das Unglück vergeblich an seine Thüre gepocht und auch heute folgte er dem Rufe und dem Boten. Für ihn gab es keinen Unterschied, ob Freund oder Feind, ob fremd oder bekannt der Hilfesuchende war; er trat dem Unglück entgegen, suchte die Wunden, die es schlug zu heilen, die Schläge, welche es austheilte, zu mildern, ohne auf die Person, die das Unglück betraf, zu sehen, ohne zu fragen, wird man Dir Dein Thun auch danken? Und das ist die wahre Menschenfreundlichkeit wie sie dem Juden vorgeschrieben ist durch die Bibel und den btelgeschmähten Talmud. Der Bote führte ihn in ein Gasthaus niederen Ranges, woselbst in einem kleinen Zimmer der Verunglückte lag. Ein von einem Hause herabftürzender Gesimstheil hatte den ahnungslos auf der Straße Gehenden getroffen und zu Boden geschlagen. Man hatte den besinnungslos auf der Straße liegenden in das Gasthaus gebracht und da man in der Brieftasche des Bauern die Adreffe des Trödlers fand, diesen rufen lassen. Der Arzt hielt die Sache für bedenklich und theilte dies dem Trödler mit, der, trotzdem er in dem Verunglückten Caspar erkannte, sofort alle nöthtge Anordnungen traf. Im Beisein des Arztes leerte er alle Taschen des Bauern und verpackte die gefundenen Gegenstände in ein Packet, welches er versiegelte; er lieb einen Wärter kommen und vertraute diesem die Pflege des Patienten an, während er selbst auf das Telegraphenamt eilte, um die Frau des Bauern von dem Vorfall zu benachrichtigen. Dann kehrte er in sein Geschäft zurück, woselbst seiner eine Anzahl Leute warteten. Auch Martha stand weinend vor der Ladenthüre. Als sie Koppel kommen sah, eilte sie ihm entgegen und rief: „Onkel, Onkel, wo, bleibst Du so lange? Du sollst zu Mama kommen." „Schön mein Kind", antwortete er, „ich komme bald. Gehe nur hinauf und sage es der Mama." „Ich will lieber warten, bis Du mitgehst", sagte das Kind und stellte sich ruhig in den Laden. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, haldjähna oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch de« Buchhandel jß dHtrtzrr» bei L. $. Ktrinacker, Leipzig, Dohplah 16. — Inserate 2b Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren -kam». — Oesterreichische Banknoten laut Tours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «rd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. M»e sttüttsendrulg VS« N« die Redaktion eingesandte« Mannscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie znrüekznbehalte«. Inhalt <Hanptblatt) r Leitender Artikel: Der Kindersegen (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Grebenstein. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. Prag. — Frankreich: Paris. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Trödler. Erzählung von Hans Müller (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: An der Bahre des Bruders. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. Pest. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Dresden. Haßfurt. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetten-Gesellschaft in Mainz. Hierz« drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.