Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1893)
- Date
- 1893-11-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JW ,A^V;:- ■'* .1.,; ■•: .'■'. ,;,,-A" '. --- _ - * --*5 1725 schloß. Nun fing er an, seinen Laden aufzuräumen; er wurde aber jeden Augenblick durch Kunden in dieser Arbeit gestört. Der Schweiß rann ibm von seiner Stirne, so flott ging das Geschäft. Koppel dachte nicht mehr an Caspar und nicht mehr an das kleine Mädchen — seine Kunden nahmen ihn vollständig in Anspruch. Vom nahen Thurme schlug es ein Uhr. Nun war es stille geworden und Koppel schloß seinen Laden für eine Stunde, um in sein Kosthaus zu gehen und Mittag zu essen, denn Koppel war trotz seiner achtundvierzig Jahre noch Junggeselle und kannte nicht die Freuden eines eigenen Heims. Bei Fremden wohnte und speiste er, Fremde bedienten ihn und wenn er nach des Tages Last und Mühe Erholung im eigenen Heime suchte, war er — allein. Rasch hatte er sein Mittagbrod aufgegessen und nun eilte er in seine Wohnung. Da fiel ihm die kleine Martha ein und kurz entschlossen klopfte er an die Thüre des Zimmers, in welchem sie mit ihrer Mutter wohnte. Da er auf ein abermaliges Klopfen keine Antwort erhielt, öffnete er die Thüre ein wenig und sah in das Zimmer. Nun erblickte ihn die kleine Martha. Sie eilte auf ihn zu und sagte: „Komm nur, Mama schläft. Der Doktor war da und hat von der Apotheke Wein geschickt." Koppel trat in das sauber gehaltene Zimmer. Es war höchst einfach möblirt. In dem Bette lag eine junge Frau in unruhigem Fieberschlaf. Sie erwachte auch nicht, als Koppel jetzt vor ihrem Bette stand und mit dem Kinde sprach. „Hat Mama schon von der Arznei getrunken?" fragte er. „Ich glaube ja", sagte Martha, „aber Mama hat gesagt, sie schmecke pfui. Willst Du einmal schmecken?" „Nein Kind, die Arznei muß Mama trinken. Wer bleibt denn bei Mama?" „Du und ich. Wenn Mama aufwacht, steht sie auf und macht Musik." Der Trödler sah ein, daß die Mutter ernstlich krank war und selbst der Pflege bedurfte, auch Martha nicht beaufsichtigen konnte. Er rief deßhalb die Hauswirthin und bat sie, so lange zu bleiben, bis er mit einer Pflegerin wieder käme. Nun eilte er in die Apotheke, woselbst man ihm eine Krankenpflegerin nachwtes; bald hatte er diese gefunden und zur Pflege der Kranken gemiethet. Dr. Jakobi, dem er unterwegs begegnete, konnte ihm noch icht sagen, welche Krankheit die junge Frau habe, aber er meinte, jedenfalls böte sie das Bild einer Schwerkranken und er würde rathen, sie in das Krankenhaus zu geben. Damit war Koppel nicht einverstanden. Er hatte ein gewisses Interesse an der Kranken genommen und sollte sie, die ebenso einsam und allein in der Welt stand wie er, dem Krankenhause übergeben? Nein, das litt sein Herz nicht und er sagte dem Arzt, daß er für die Pflege sorgen wolle und bat ihn, die weitere Behandlung zu übernehmen. „Aber das Kind; wer sorgt für dieses?" fragte der Arzt. „Es darf nicht bei der Mutter bleiben, da es die Kranke stört und der Aufenthalt im Krankenzimmer unzuträglich für es ist." „Auch für das Kind will ich sorgen", versetzte Koppel; „ich habe ja niemand für den ich sorgen darf und vielleicht hat Gott mir dieses Kind geschickt, daß ich es beschütze und behüte." „Sie sind ein edler Mensch", sagte der Arzt sich entfernend, „und ich hoffe Ihre Menschenfreundlichkeit wird mit Liebe gelohnt werden." Nachdem Koppel alles geordnet hatte, begab er sich in seinen Laden. Martha hatte er mitgenommen und sie fand genügend Beschäftigung mit dem Spielzeug, welches Koppel ihr gab. Des Nachmittags war wenig in dem Geschäfte des Trödlers zu thuu und so konnte er manche Minute der Kleinen widmen, sich mit ihr unterhalten und mit ihr spielen. Ihr kindliches Wesen und ihr herzliches Lachen machten ihm Freude, so daß er sich wunderte, wie er im Spielen mit dem Kinde selbst wieder zum Kinde wurde. Er schloß das kleine Mädchen täglich fester in sein Herz und er sehnte sich nach dem frischen Klang der Ktnderftimme, wenn er sie einige Zeit nicht gehört hatte. So wurde Martha ihm täglich lieber und mit Schrecken dachte er an die Zeit, da er sie entbehren, sie ihrer Mutter zurückgeben mußte. Der Zustand der Mutter war unterdessen lebensgefährlich geworden. Mit seltener Heftigkeit tobte das Fieber und verzehrte die schwachen Kräfte der Kranken, um welche sich außer dem Trödler Niemand kümmerte. Immer bedenklicher wurde das Gesicht des Arztes, denn die Kräfte der Kranken nahmen rasch ab und das Fieber blieb auf seiner besorgnißerregenden Höhe. Martha wußte nicht wie es um ihr Mütterchen stand. Sie war vergnügt wie jedes andere Kind in ihrem Alter und hing mit großer Liebe an Onkel Koppel und war glücklich, wenn er sich mit ihr beschäftigte. Aber es kamen auch Tage, an welchen Koppel keine Zeit für das Kind hatte, an denen ihn sein Geschäft vollständig in Ansvruch nahm. Dann saß Martha traurig vor ihrem Platze im Laden und spielte mit ihrer Puppe und warf von Zeit zu Zeit vorwurfsvolle Blicke auf den bösen Onkel. Koppel ließ die Sorge um Martha's Mutter auch im Geschäft keine Ruhe finden, und die Leute,