Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1893)
- Date
- 1893-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1722 nichts wider die Religion erblickt. Das Amtsgericht erkannte, daß es genügend erscheine, wenn ein amtirender Rabbiner, insbesondere einer so bedeutenden Gemeinde wie die Berliner, die Ehe vollzogen und verurtheilte die beklagte man zur Zahlung des bewilligten Beitrages und zu den Kosten. Die Verwaltung der man legte sofort Berufung gegen dieses Urtheil ein und deponirte Betrag und Kosten bei der Gerichtskasse. Es gereicht den Herren von der Verwaltung Ad. M. Heymann, Elias Calmann, Iwan I. Mathiasson jedenfalls zur Ehre, diesen Prozeß ausgenommen zu haben, andere hätten vielleicht das Krumme grade sein lassen. Für die Folge ist die Wiederholung eines ähnlichen Falles unmöglich gemacht. Ueber den weiteren Gang dieses Prozesses werde ich Ihnen z. Zt. berichten. Hamburg. Dieser Tage constituirte sich ein neuer Bekleidungsverein als Fortsetzung eines Comites, welches s. Z. für die Bekleidung der durchreisenden nothleidenden Russen und Polen nach dieser Richtung eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. Aus dieser Zeit, in welcher ca. 1000 Personen vollständig mit Kleidung, Wäsche und Futzzeug versehen worden sind, liegen noch ansehnliche Bestände sehr brauchbarer Kleider u. s. w. auf Lager. Obiger Verein will nun seine Thätigkeit zu einer permanenten für hiesige und durchreisende Armen machen und fordert daher zur Mitgliedschaft gegen M. 2 jährlichen Beitrag und zur Zuwendung von abgelegten Kleidern, Fußzeug und Wäsche u. s. w. auf. Besonders verdient hat sich Herr M. Rendsburg seither darin gemacht. — Am Donnerstag i^dd ttnn r< dv feierten Herr Sally Lewisohn und Gemahlin ihre goldene Hochzeit im engsten Kreise ihrer Familie, doch hatten die zahlreichen Freunde des Jubelpaares h^er und auswärts es sich nicht nehmen lassen durch Aufmerksamkeiten, Besuche und zahlreiche Telegramme ihre Glückwünsche darzubringen. Mögen diese Wünsche alle Erhörung finden! Grebenstein. In unserer Jetztzeit, in welcher man oft in der traurigsten Weise bestrebt ist, an unseren heiligsten Institutionen zu rütteln, um zersetzend auf das Judenthum einzuwirken, ist es mehr denn je die Aufgabe einer jeden jüdischen Gemeinde alles aufzubieten, um den religösen Sinn in ihrem Kreise anzufachen und zu beleben, damit eine Generation heranwachse, welche gewappnet und gefeit ist gegen alle Anfeindungen von außen. Um dieses letztere aber zu erreichen, ist es die heiligste Pflicht eines jeden einzelnen Jehudi, dahin zu wirken und zu streben, daß in seiner Gemeinde min und n-roy blühe und gedeihe. Zu diesem Zwecke nun ist es ein Haupterforderntß, daß jeder Gemeinde Schule, Synagoge und mpv erhalten bleibt, damit allen religiösen Leuten Gelegenheit geboten ist, zu leben und zu wirken, wie es unsere heilige Religion vorschreibt. Um so betrübender ist es für eine Gemeinde, in welcher noch wahrhaft religiöser Sinn vorwaltet, wenn jene heiligen Institutionen, welche die Stützen eines jeden jüdischen Gemeindelebens bilden, dem Verfalle nahe und nicht die Mittel vorhanden sind, diese Gefahr abwenden zu können. In dieser so bedrängten Lage befand sich die hiesige Gemeinde, deren Synagoge sich in so mißlichem Bauzustand befand, daß eine alsbaldige Schließung derselben seitens der Baupolizei in Aussicht stand. Der Gemeinde allein wäre es nicht möglich die Synagoge, (in welcher auch ein Raum für die Volksschule, sowie die rrpo-Etnrichmug vorhanden) zu erhalten, wenn nicht die Herren Selig und Falk Goldschmidt in Frankfurt a. M., diese in weiten Kreisen als überaus wohlthätig bekannte Herren, in hochherzigster Weise unserer Gemeinde zum Neubau einer Synagoge, Schule nnd wpv die Summe von Fünftausend Mark bewilligt hätten. Den Herren Goldschmidt, deren ganzes Leben eine ununterbrochene Kette wahren Wohlthuens ist, haben wir fortan die Existenz unserer Gemeinde-Institutionen zu verdanken, denn ohne deren edlen Beihülfe wäre es nicht möglich, den Bau zu errichten. Mit dieser guten That haben die Herren Goldschmidt sich hier in ihrer Vaterstadt ein ewiges Denkmal gesetzt und gleichzeitig damit einen wahren Vii'p ausgeübt. In Anerkennung dieses hohen Verdienstes itnt die hiesige Gemeinde haben die Mitglieder derselben, die Herren Selig und Falk Goldschmidt zu Ehrenmitglieder der Synagogengemeinde ihrer Vaterstadt Grebenstein ernannt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. sDie Miskolzer Orthodoxen beim Kultusminister.) In Angelegenheit der Predigerfrage in Mtsko'lz machte eine Deputation der orthodoxen Glaubensgenossen ihre Aufwartung beim Kultusminister Grasen Czaki. Unter Führung des Herrn E. M. Roth bestand die Deputation aus den Herren Kaspar Klein, Samuel Neumann, Jakob Prinz und Jonas Fürth. Der Führer und Sprecher der Deputation sagte in seiner an den Minister gerichteten Ansprache, daß die Orthodoxen von der vor Kurzem beim Minister erschienenen Gemeindcdeputation beschuldigt wurden, Gegner der ungarischen Sprache zu sein. Dies entspreche nicht der Wahrheit. Thatsache sei, daß der Vorstand einen Seminaristen zum Rabbiner wolle, während die Orthodoxen, die gleichfalls einen der ungarischen