Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1893)
- Date
- 1893-11-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Advokaten, Aerzte, Schriftsteller, Kaufleute, Professoren, kurz Vertreter aller Berufszweige erschienen. Die Konferenz eröffnete der Präsident des vorbereitenden Komitees, Rabbiner Dr. Samuel Kohn, welcher die Erschienenen begrüßte. Er legte den vom vorbereitenden Comitä ausgearbeiteten Statutenentwurf vor, auf Grund dessen die zu gründende Gesellschaft konstituirt werden soll. Laut diesem Entwurf sind die Zwecke der Gesellschaft die folgenden: a) Die Bewerkstelliguna, Herausgabe und Verbreitung einer ungarischen Uebersetzung der heiligen Schrift; d) die Herausgabe und Verbreitung von Werken, welche dazu dienen, die heilige Schrift die aus späterer Zeit stammende religiöse Literatur und im Allgemeinen die israelitische Religiou und Ethik bekanntzumachen und zu beleuchten; c) die Förderung von Vorträgen über die heilige Schrift dte Geschichte und Literatur der Judenheit an den philosophischen Fakultäten unserer vaterländischen Universitäten nach dem Muster ausländischer Universitäten; ä) die Veranstaltung von in diesen Kreis gehörenden, sowie im Allgemeinen auf das israelitische Gemeindeleben bezüglichen Vorlesungen in der Hauptstadt, wie in der Provinz; e) die Herausgabe und Verbreitung von populären Werken, welche zur Bekanntmachung und Veredlung des konfessionellen Lebens dienen, sowie von hervorragenden Werken, welche mit der Aufgabe der Religionsgemeinden und dem von diesen zu bietenden Religionsunterrichte Zusammenhängen; f) die Ausschreibung von Preisfragen in Betreff der bezeichneten wissenschaftlichen und gemeinnützigen Ziele. — Die Konferenz nahm den Statutenentwurf, an dessen Ausarbeitung der Löwenanthetl dem Sekretär des Heiligen Vereins Dr. Franz Mezey gebührt, mit einigen unwesentlichen Modificattonen an. Sodann brachte Professor Moritz Karmann einen von ihm verfaßten Aufruf zur Verlesung, in welchem die Glaubensgenossen zum Beitritte zu der israelitischen ungarischen literarischen Gesellschaft aufgefordert werden. Die Konferenz nahm diesen schwungvollen Aufruf mit Eljenrufen an und beschloß, denselben in den weitesten Kreisen zu verbreiten. Nachdem Dr. Moritz Stiller dem vorbereitenden Comite, namentlich dessen Präsidenten Dr. Kohn, dem Verfasser des Aufrufes Dr. Karmann und dem Verfasser des Statutenentwufes Dr. Franz Mezey unter allgemeiner Zustimmung im Namen der Konferenz Dank votirt hatte, wurde mit den weiteren Agenden das Vorbereitungs-Comitö betraut. Das Präsidium wird den Statutenentwurf nunmehr der Regierung zur Genehmigung unterbreiten und wenn dte Zahl der Mitglieder 300 erreicht haben wird, werden sie zur konstttukrenden Generalversammlung einberufen werden. Schon bis jetzt haben sich Gemeinden und einzelne Personen, theils als Protectoren, theils als unterstützende oder ordentliche Mitglieder gemeldet. Zu wünschen wäre nur, daß sich die Gesellschaft, um Ersprießliches leisten zu können, auf den echtjüdischem Standpunkt stelle; sollte sie neologe Bestrebungen verfolgen, so würde sie nur dazu beitragen, die Zerfahrenheit der ungarischen Judenheit zu erweitern. — Kerrilleto«. Der Trödler. Erzählung von Haus Müller. (Alle Rechte Vorbehalten.) Am Marktplatz der kleinen Stadt, in welcher unsere Erzählung spielt, ist ein kleiner Laden, der wegen seiner Lage an der frequentesten Straße der Stadt trotz seiner Unscheinbarkeit eine wahre Goldgrube für seinen Besitzer ist. Besonders an Marktragen hat der Besitzer des Ladens so viel zu thun, daß er seine Kunden kaum allein befriedigen kann und dieselben oft lange Zeit warten müssen, ehe sie bedient werden. Trotzdem werden sie dem Trödler Koppel nicht untreu, sondern warten geduldig bis er Zeit hat, sie nach ihrem Begehr zu fragen. Ein guter Scherz versöhnt sie, wenn sie ungeduldig geworden sind, rasch wieder und das Vertrauen, welches die Kunden des Trödlers zu ihm haben, ist fast unbegrenzt. Sie geben ihm große Summen Geldes in Aufbewahrung, ohne einen Schein darüber zu verlangen, sie lassen sich von ihm Staatspapiere besorgen, kurz der Vertrauensmann des ganzen Marktes ist Koppel. Er ist aber auch ein richtiger Handels- und Geschäftsmann; alles kann er gebrauchen. Er kauft ebenso gut eine Waggonladung goldnen Weizens wie eine alte Hose und widmet einem Korb mit altem Eisen die Aufmerksamkeit wie einem Geschmeide von Perlen. Er schreibt fünf Pfennige, die er für ein altes Buch gezahlt hat, ebenso gewissenhaft in sein Taschenbuch, wie die sechstausend Mark, die er für Hopfen soeben in Scheinen einem Bauern ausbezahlt hat. „Hoffentlich ist kein falscher Schein dabei", sagte der Bauer scherzend, indem er die Scheine in seiner Brieftasche steckte, „sonst halte ich mich an Koppel." „Das würde Dir nichts helfen, Caspar. Ich stehe nur für das Geld, so lange Du in meinem Laden bist. Sieh es Dir deßhalb genau an. Ich habe Dir sechstausend Mark in vollgiltigen Tausendmarkscheinen ausbezahlt und nehme, sobald Du