Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1893)
- Date
- 1893-11-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1706 des Kopfes und hänge den Aal daran auf. Dann schneidet man die Haut dicht unter den Brustflossen bis aufs Fleisch ringsum ein, löst sie und streift sie dann mittelst Salzes und eines Tuches nach dem Schwänze hin ab. Das Thier muß dabei lebendig sein, sonst löst sich die Haut nicht mehr von dem Körper los. Einer sehr angenehmen Behandlung werden auch die Krebse von vielen Hausfrauen und Köchinnen unterworfen: mittelst AuebrechkNs der mittelsten Schwanzflosse wird ihnen, selbstverständlich auch bei lebendigem Leibe, der Darm herausgezogen. Es ist dies für die Schmackhaftigkeit des Krebses durchaus nicht empfehlenswerth, weil durch die entstandene Oeffnung Fleisch heraus und Wasser hineinkocht, aber es geschieht sehr häufig, wie ich mehrfach aus „Koch- Unterhaltungen" erfahren habe. Manche Frauen führen als Grund die Unappetitlichkeit des Darmes an, andere wissen selbst nicht, warum sie's thun, oder geschehen lassen. Sie habend von „Muttern" so gelernt und machen's gedankenlos nach. Auch daß die Krebse mit kaltem Wasser aufs Feuer gesetzt werden, ist ziemlich gang und gäbe. Warum auch nicht? Was soll man da erst lange warten, bis das Wasier kocht, durch Geschrei machen sich die Thiere ja nicht lästig, nun so mögen sie sich eben gefallen lassen, was Unverstand und Rohheit über sie verhängt! Wie vielen Tauben und Hühnern wird mit stumpfem Mord-Instrument der Garaus gemacht! — oder irre ich mich, überführt sich jede Hausfrau wirklich erst selbst, ob das betreffende Messer so scharf ist, wie es sein muß, um dem Thier möglichst wenig Qual zu bereiten? Ist hier nicht der jüdische Schächtakt, der vorschreibt, daß alles Geflügel mit einem vollkommen schartenlosen Messer getödtet wird, tausendmal vorzuzichen? Es sollte mir im Interesse des auch dem „Biehe" geschuldeten „Erbarmens" lieb sein, wenn die christlichen Hausfrauen in dieser Beziehung rücksichtsvoller geworden sind, nur glaube ich nicht daran. Die hier angeführten Beispiele betreffen Zustände, welche täglich in dieser oder jener Küche zu beobachten sind — welche Massen- Folterungen werden außerdem noch an vielen Thieren ausgeübt, die später als „Delikatesse" dem Gaumen ganz besonderes Behagen gewähren. Ich denke in erster Linie an das „Nudeln" der Gänse. Es ist schon Thierguälerei, wie es bei der zur gewöhnlichen Bratgans bestimmten Capitols- Retterin ausgeführt wird. Zur unfaßbaren Grausamkeit aber versteigt sich diese Fettkur, wenn sie auf das Erzielen großer Lebern htnausläuft. Im Elsaß wird sie zumeist folgendermaßen vorgenommen: man setzt die Gänse an einen dunklen Ort in strohgefütterte Stiegen, wo sie sich weder aufrichten, noch umdrehen können und reicht ihnen oder vielmehr quält ihnen das Mastfutter hinein. Als eine noch „vorzüglichere" Art der Mästung ist diese bekannt: „man wickelt die Gans in Leinen ein, läßt blos Hals und Kopf frei, und hängt sie dann an einem finsteren Ort so in der Schwebe auf, daß die Füße nicht den Boden berühren. In diesem Zustande, der drei bis vier Wochen anzudauern har, nudelt man sie." Welcher furchtbaren „Operation" viele Hähne unterzogen werden, damit sie die Fähigkeit erlangen, sich zu fetten Kapaunen auswachsen zu können, dürfte noch weniger bekannt sein. Die Anleitung hierfür lautet: man macht quer über den Bauch einen Einschnitt, so groß, daß man mit dem Zeigefinger hineinfahren kann. Bei dem Schnitte muß man sich wohl vorsehen, daß die mit dem Fette heroortretenden Gedärme nicht verletzt werden. Dann fährt man mit dem Zeigefinger bis oben an den Rücken hinein und schält nun mit Vorsicht die betreffenden Organe ab. Dann stopft man die hervorqetretenen Eingeweide wieder zurück und näht den Schnitt zu. Da das Thier darauf mindestens acht Tage Wundfieber hat, so versorge man cs während dieser Zeit reichlich mit Wasser." Daß die unglückseligen Thiere die geschilderten Qualen aushalten müssen, ohne vorher betäubt zu werden, ist selbstverständlich. Berlin, 6. Nov. Aus Jaffa in Palästina erhält die „Nationalztg." eine Mittheilung, daß dort ein Mann Namens Meißner aus Berlin, der sich in letzter Zeit in Palästina herumgetrtcben habe, etwa eine Stunde vor der Stadt tobt und von Hyänen und Schakalen angefressen aufgefunden worden sei. Er scheint sich vergiftet zu haben. Die Beschreibung stimmt auf den ehemaligen Bureaudiener, späteren Gastwirth Meißner, der die bekannten Briefe und Akten aus den Bureaux der rumänischen Elsenbahngesellschaft gestohlen hatte, auf welche Ahlwardt seine Angriffe gegen Miquel aufzubauen suchte. Es heißt in der Zuschrift aus Jaffa: „Eine auffallende Gedrücktheit des Gemüths zeigte der Verstorbene stets; er weinte viel und klagte über seine zu Grunde gegangene Familie. Nach seinen Aeußerungen war er stark verwickelt in den Ahlwardt'schen Prozeß und eben diesen Ahlwardt verfluchte er häufig als den Zerstörer seiner Existenz. Mit Bebel stand er in brieflichem Verkehr. Der Verstorbene bereute tief gewisse Handlungen — Aktensachen, Aktendiebstahl und dergl. — zu welchen er von Ahlwardt und Genossen verleitet worden sei." Berlin, 8. Nov. Bei den Wahlen zum preuß. Abgeordnetenhaus haben sich die Antisemiten ohne jeden Erfolg geregt und gemüht. Sie glaubten, mit dem Wind der Erfolge bei den Retchstagswahlcn in