Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1893)
- Date
- 1893-11-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1704 und Einsicht gegenüber. Die Jugendlust der Kleinen stört das Ruhebedürfniß der Eltern und die griesgrämige, sorgenvolle Miene der Großen senkt sich wie ein beengender Alp auf die Lebensheiterkeit der Kleinen. Sie belästigen und stören die Ruhe des Hauses und man schickt sie in Erziehungsanstalten, Pensionate und wie die Drcssuranftalten alle heißen, in welchen fremde, bezahlte Menschen das Elternhaus, die Erziehung des Vaters, die Pflege der Mutter ersetzen sollen, für die es doch in Wirklichkeit keinen Ersatz giebt. So wächst eine Generation heran, deren Schwächlichkeit, Reizbarkeit und Blasirtheit die heraufdämmernden Schatten des Alters verräth, unter deren Einfluß ihnen die Eltern das Dasein gegeben. Und wenn der Ernst des Lebens an Ellern und Kinder herantritt, dann bewähren sich für die heißen Kämpfe, die ihrer erwarten, die Kinder nicht „wie Pfeile in der Hand des Helden", weil sie eben keine Kinder der Jugend sind, weil eben nur von ihnen die Wahrheit gilt: Ta omro omjwi 03 p imi „Wie Pfeile in der Hand des Helden, sind die Kinder der Jugend." Freilich ist die ganze Art unseres Erwerbes, Geschäfts und Gebrauchs derart schwierig und complicirt, daß die große Menge nicht daran denken kann in früher Jugend ein Haus zu gründen. Wenn dem aber wirklich so ist, so ist es doch gut die Dinge wie sie nun einmal liegen, in ungeschminkter Wirklichkeit sich klar zu machen. Man preist unsere Zeit als Ausbund alles Fortschritts und höchster Bildung. Wie weit dieser Preis berechtigt ist. dafür giebt es keinen besseren, untrüglichen Gradmesser als die Bestimmungen des göttlichen Gesetzes. Wenn der Schöpfer aller Geister und Körper in dem Lcbensgefetz, an dessen Beachtung und Nichtbeachtung das Wohl und Wehe der Menschheit geknüpft ist nsir6 ruoff p, das achtzehnte Lebensjahr als das für die Eheschließung entsprechende bezeichnet?, unsere verwickelten Lebensverhältnisse uns aber wirklich erst viel später die Gründung eines eigenen Hauses möglich machen, so muß der Kern dieser Zustände so faul und verdorben sein, daß aller äußerer Glanz uns über die inneren Gebrechen und Mängel nicht hinweg täuschen kann. Dann ist es doch von Interesse, einmal einen Blick auf die Zeit und Anschauung unserer großen Altvorderen zu werfen und an dem Vorbild ihres von Gott getragenen Lebens uns über die großen und kleinen Miseren unserer Gegenwart zu erheben. Wohl vermag der Einzelne nicht mit Erfolg gegen die Fehler und Schäden einer ganzen Zeitrichtung anzukämpfen. Aber es wäre doch schon viel gewonnen, wenn ein vergleichender Blick zwischen Einst und Jetzt, diejenigen, welche unsere Gegenwart nicht hoch genug preisen und unsere Vergangenheit nicht tief genug verachten können, zu der Anerkennung führte, daß die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, welche sich heute der bloßen Friftung eines bescheidenen Daseins entgegen stellen, vielleicht von der Vorsehung bestimmt sind und die Anerkennung der alten Wahrheit abzurtngen: nru n« TiTun D’Toa -p-n nx ip ojh pi onx jtbti i i'und nx nsvn xson xS rvrTDTiji pffN-in 'w'x nawNi nnVx moxi xson vrwpm .nnyo w 3D »a „Wahrlich, ich bin es, der deinen Weg mit Dornen verlegt, i ch habe ihre Schranke gezogen, damit du ihre Wege nicht findest. Wenn sie dann ihre Lieblingswünsche erstrebt und sie nicht erreicht, sie sucht und nicht findet, dann wird sie es aussprechen: Ich will gehen und zurückkehren zu meinem ersten Herrn, denn besser war cs mir einst als jetzt." (Hosea II. 8. 9.) Es sind doch füglich nur viele Einzelne, aus welchen sich die große Gesammtheit zusammensetzt. Spurlos untergehen kann die Wahrheit nicht, welche Einzelne erkannt und beherzigt haben. Wenn auch eine Schwalbe keinen Sommer bringt, so bringt doch eine Schwalbe die zweite und diese eine dritte, bis die ganze Schaar sich endlich zusammengefunden hat, welche das Scheiden des Winters und den Anbruch des Frühlings über allen Zweifel sicher stellt. Begleiten wir daher zu diesem Zwecke einmal Vater Jakob auf seiner Wanderschaft vom Ellernhause, die er unter den schwierigsten Verhältnissen antrat, um einen eigenen Heerd zu gründen, wie es unser Wochenabschnitt schildert. .“m ntpxai n^xa bx-itff’ nay'i mx rm apjr mm „Als Flüchtling zieht Jakob in das Gefilde Arams, Israel dient um ein Weib, um ein Weib leistet er Hüterdienste." Jakob, der Zeltenbewohner, der wie selten sonst Jemand am elterlichen Hause hängt, muß dasselbe verlassen — als Flüchtling vor dem Mordftahl des eigenen Bruders. Er läßt zu Hause einen alten, erblindeten Vater, eine zärtliche, besorgte Mutter mit ihrem Herzeleid über die Entartung zurück, welche die chetitischen Schwiegertöchter, die Gattinen ihres ältesten Sohnes in das Abrahamszelt getragen. Der Vater hat ihm den Segen Abrahams und die Weisung mitgegeben, eine Lebensgefährtin bei den Verwandten der Mutter, den Töchtern ihres Bruders Laban zu suchen. Er nimmt nichts aus dem elterlichen Hause mit als den Stab in der Hand und den Segen der Eltern im Herzen. Das stützt ihn und hält ihn aufrecht auf dem schweren Gang in die Fremde. Noch trüber als die Zustände in dem Elternzelt, das er verlassen', sind die Aussichten, die seiner warten. Jakob, der Schlichte, Gerade, Redliche, der rn ff»x