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Der Israelit · 1893-11-13 · Heft 90 (13.11.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 90 (13.11.1893)
Date
1893-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 90 Der Israelit. Ei» Genlrat-Hrgan für das oxtfyoboxe ZudenIHmn. Begründet von Dr. Lehmann i» Mainz. Montag, den 13. November 5654 (1893). Leitender Artikel. I>er Kindersegen. (Zu Paraschath Wajeze). Mainz, 12. November. I. Der Ellernsegen, dem unsere jüngste Betrachtung galt, ist in erster Reihe Kindersegen. Der erste Segen, den Gott selber den ersten Menschen ertheilte, ist der Kindersegen, ist der Segen, sich fortzupflanzen, und sich zu vervielfältigen, daß die Erde von Menschen angefüllt und so mit allen ihren Erzeugnissen in den Dienst des Menschen gestellt werde. Auch der Segen Abrahams, den Jzchak auf IakotsMer^ trug, beginnt mit der Verheißung: bru wb ipjm Ich will dich zu einem großen Volke machen, und gipfelt in der Verkündung, daß seine Nachkommenschaft zahlreich wie die Sterne des Himmels, wie der Sand am Meeresufer und wie der Staub der Erde werde. So selbstverständlich und geläufig diese Wahrheit erscheint, so vielfach wird sie in unserer Zeit verkannt und verleugnet. Der Besitz von Kindern und jedenfalls von vielen Kmdern wird vielfach so wenig als Segen, sondern oft geradezu als das Gegentheil begriffen, daß man von dem Kindersegen meistens nur noch in ironischem Sinne spricht. Nicht als einen Segen, sondern als einen Gegenstand der Sorge sieht man den Besitz vieler Kinder an, den man entschuldigen und rechtfertigen zu müssen glaubt. Und diese Anschauung macht sich nicht nur in der Theorie, sondern in der täglichen Praxis in so erschreckender Weise geltend, daß man ihren Folgen aus Schritt und Tritt begegnet. Die stetige Abnahme der Bevölkerung in Frankreich wird von den Statistikern durch die erschreckende Entartung erklärt, die den höchsten Segen als einen Fluch und den schwersten Fluch als einen beglückenden Segen ausgiebt. Von dort ist die Sittenlosigkeit ausgegangen, welche dieser ganzen Anschauung zu Grunde liegt und die heute schon zu einer Literatur geführt hat, welche Rathschläge zur Verhütung von Uebervölkerung ertheilt. Während der Gottcssegen an die ersten Menschen die Bevölkerung der Erde durch Menschen ausspricht, glaubt diese moderne Auffassung der Bevölkerung der Menschenerde Schranken setzen zu sollen. Und doch ist der größte Schatz, den Menschen besitzen können, der Mensch selber. Das ist eine Wahrheit, die uns sonst als ganz selbstverständlich gilt, gegen die wir uns aber in dem vorliegenden Falle beharrlich sträuben. - . Wir schätzen die Größe, Macht und Einfluß 'eines 'Staates riach dir Zahl seiner Einwohner, nach der Masse seiner Bevölkerung. Der Staat ist eben nichts als eine große Familie und wir müßten an die Familie vernünftiger Weise denselben Matzstab anlegen, und bei den zahlreichen Familien das größte, eigentliche Glück suchen und finden. Die landläufige Meinung hält aber eine große Familie für ein Unglück. Deßhalb entschließen sich auch die Gründer eines eigenen Hauses nur schwer und spät zu dieser Gründung und die Conscguenzen dieser bedauerlichen Zeitrichtung machen sich allenthalben, zunächst aber bei den Kindern bemerklich, die ihr Dasein Eltern verdanken, welche die Blüthe ihres ganzen Lebens in ehelosem Dasein verbrachten. Aus solchen Ehen erwachsen keine ^a, keine „Kinder der Jugend", wie sie das Psalmlied als anzustrebendes Lebensglück feiert. Wenn die Eltern den blühendsten Theil ihrer Jugend, ja oft die größte Hälfte ihres L bens hinter sich haben, und die Vorboten des nahenden Alters schon sich bemerklich machen, bevor man sich zur Gründung eines eigenen Hauses entschließt, dann ist der Altersunterschied zwischen Eltern und Kindern schon eine Klippe, an welche das Lebensglück der Eltern wie der Kinder leicht Schaden nimmt. Dann stehen die alternden Eltern der munteren Kinderschaar ohne Verständniß

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