Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1893)
- Date
- 1893-11-09
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Diese beiden vergleichen heisst: Die Nacktheit dem Reichthum entgegenhalten.“ Der Umstand, dass dieses reiche und üppige Land von einem Wandervolke nur dünn bewohnt ist, das keinerlei legale Ansprüche auf Grund und Boden hat, macht es insbesondere zu einer Ansiedelung für eine ständige und ansässige Bevölkerung, die sich hier ohne Nachtheil für die Araber niederlassen könnte, geeignet, denn es könnten leicht Bedingungen aufgestellt werden, durch die die Interessen beider geschützt und gesichert wären. Doch sind die Araber in der That unseren Ansichten wenig gewogen. Sie haben dieses Land verödet, seine Dörfer zerstört, seine Bewohner geplündert, bis es zu seinem jetzigen Zustande zusammengeschrumpft ist, und wenn man sie in die arabischen Wüsten, woher sie gekommen, zurücktreiben würde, so giebt es in den dortigen Oasen immerhin eine Menge Weideplätze für ihre Kameele und Ziegen. In Ajlun giebt es grosse Strecken fruchtbaren Landes, welches die Bauern der Araber wegen verlassen mussten, das aber diese selbst nur selten besuchen. Der vorzüglichste ansässige Stamm in diesem Lande — obwohl sie uns nicht gestatteten, sie zu besuchen — scheinen die Beni Hassan zu sein; doch sind sie nicht zahlreich, und wahrscheinlich könnte mit ihnen ein Uebereinkommen getroffen werden, wodurch ihnen ein Stück Landes, das sie zu bebauen gewohnt sind , gesichert bliebe. Der eigenmächtigste, verderblichste und mächtigste Stamm, der „die Länder Gilead und Mo ab“ beunruhigt, sind die Beni Sukhr. Sie sind Eindringlinge, die man über die Hadsch- Strasse zurücktreiben sollte, wo sie ein kleiner Kordon von Soldaten, die in den jetzt auf ihr befindlichen Festungen postirt sind, in Schach halten würde. Die Hamideh, Beni Atijeh und B e 1 k a - A r a b e r, die die Grenzen des Belka besetzt hatten, wurden von den Beni Sukhr zu tributpflichtigen Stämmen herabgewürdigt und bebauen nun als tebäa oderLehensunterthanen das Land für sie. Sie würden sich über die Vertreibung ihrer Herren freuen, die sich ihre einstigen Länder angeeignet haben. Sie sind ein so sehr ansässiges und Agrikulturvolk, dass sie mit Leichtigkeit zu ruhigen Dorfbewohnern wieder gemacht werden könnten, und eine werthvolle arbeitende Bevölkerung geben würden, die von eingewanderten Kapitalisten beschäftigt werden könnte. Mit den Adwan wäre schwerer auszukommen, da sie sittlich zügellos und raubgierig sind; doch sind sie so sehr vom Ertrage des Landes, das sie bebauen, abhängig, dass ihr gutes Betragen durch ihre Belassung dahier gesichert werden könnte. In der That könnte dasselbe System beobachtet werden, das wir mit Erfolg in Canada gegen unsere nordamerikanischen Indianerstämme eingeführt, die auf ihre „Reserven“ beschränkt sind und auf denselben inmitten der ansässigen Agrikulturbevölkerung ruhig leben. Die Aj ermeh-Araber bebauen das Land längs der ganzen südlichen Seite des Belka, der an den Kerak grenzt, doch besteht der Landbau aller dieser Nomaden im Aufwühlen des leichtesten und am fruchtbarsten aussehenden Bodens einmal in drei oder vier Jahren. Im Süden des Belka liegt Kerak, ein sehr fruchtbares Land, in dem nur eine Stadt, desselben Namens, ist, die Residenz eines Kaimakam, der zugleich der Scheikh der arabischen Bevölkerung ist und bis in die neuste Zeit seine Unabhängigkeit bewahrte, indem er jeden Tribut verweigerte und die Autorität der Regierung nur insofern es ihm passte, anerkannte. Während der letzten Monate wurden Truppen nach Kerak geschickt, und die Centralgewalt machte sich fühlbar. Doch würde nichts so wirksam und rasch dazu beitragen, dieses nutz- und gesetzlose Land in eine blühende und ruhige Gemeinde zu verwandeln, als Ansiedelungen und Organisation mit besonderer Rücksichtnahme auf die Nachbarländer Belka und Ajlun. (Fortsetzung folgt.) Alliance Israelite Universelle. .Israeliten der asiatischen Türkei. Das Central-Comite hat folgende interessante Mittheilung aus Konstantinopel über die Israeliten von Bar-Tanura, einem Dorfe im Norden von Mossoul, erhalten. Heute Früh kam ein armer Jude zu mir; er heisst Joab Jbu Jeschaia und kommt aus einem Dorfe, Namens Bar-Tanura, in der Gegend von Mossoul. Er wurde von der kleinen Gemeinde Bar- Tanura nach Konstantinopel geschickt, um von der Regierung Hilfe und Schutz gegen die Ueberfalle der plündernden Kurden zu erbitten. Ich trug den Joab nach einigen Einzelheiten über die Gemeinde Bar-Tanura und theile Ihnen dieselben hier getreulich mit. Joab Ibu Jeschaia ist ein Mann von ungefähr 40 Jahren; er ist von dunkler Gesichtsfarbe, hat regelmässige Züge und schwarze glänzende Augen; auf seinem ehrlichen Gesichte findet man den Wiederschein der Reinheit und des Friedens, eine einfache und unverdorbene Seele. Er trägt einen Turban und weite Gewänder. Das Dorf Bar-Tanura ist 30 Stunden zu Pferde von Mossoul entfernt, zwischen den bedeutenderen Dörfern von Amadyah und Lizäne. Bar-Tanura, welches hundert Häuser zählt, wird ausschliesslich von Juden bewohnt; Amadyah und Lizäne sind von Mohamedanern und Christen bewohnt, die in guten Beziehungen