Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1893)
- Date
- 1893-11-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1690 beantwortete dieselben. Und die ganze schwere Zeit, die zwischen einst und jetzt lag, wurde vergeffen; wieder war er das wißbegierige Kind, welches lauschend die Worte der Lehre aus dem Munde des Vaters vernahm und sie in seinem Herzen aufbewahrte. Und die Mutter? Sie sprach kein Wort. Verklärt blickte sie bald auf den Vater, bald auf den Sohn und betete ein Dankgebet nach dem andern. Wie wunderbar hatte Gott sie und die Ihrigen doch geleitet, wie väterlich alles zum Guten geführt. Zwar hatte sie sich mit ihrem Sohne noch nicht ausgesprochen, aber sie sah, daß er ein anderer geworden und sie sah auch der Stunde, die Klarheit zwischen den Eltern und ihrem Sohne schaffen mußte, mit ruhiger Zuversicht entgegen. Und auch diese Stunde kam und sie gab den Eltern ihren Sohn ganz wieder und vereint zogen sie zur Stadt in das Elternhaus, woselbst Gabriel ihnen einen großartigen Empfang bereitete. Freilich wurde die Freude dadurch etwas getrübt, daß der Kranke, der noch an den Beinen gelähmt war, in einem Rollstuhl umhergefahren werden mußte, aber die Eltern waren froh und die Theilnahme der ganzen jüdischen Gemeinde an ihrer Freude erhöhte ihr Glück. Vergebens wartete der Sohn auf ein Zeichen drr Theilnahme seitens seiner früheren Freund.e Niemand von jenen gedachte seiner und von Gabriel erfuhr er, daß diejenigen, die er für seine besten Freunde gehalten, ihm geschäftlich die meisten Schwierigkeiten machten. Das Wochenfest ist gekommen. Es fand die Familie Maibaum nicht mehr zu Hause. Fern im Böhmerland weilte sie, wo ihr Sohn in den heilkräftigen Quellen des Bades Teplitz völlige Genesung suchte und auch fand. Nach und nach wich die Lähmung und er konnte wie früher wieder über seine Glieder verfügen. Wie ein Wunder wurde diese Heilung von den Aerzten und Badegästen betrachtet und die Familie Maibaum war der Gegenstand mancher Ovation. Als die Saison weiter vorrückte, erschien ein feines aristokratisches Publikum in Teplitz. Erzherzog Salvator brachte den Sommer mit seinem Hofstaate daselbst zu und gab dem Badeplatz ein eigenartiges höfisches Gepräge. Unter den Damen, die zu seiner Begleitung gehörten, befand sich Gräfin Madeleine, und eine Begegnung mit derselben war schwer zu vermeiden. Sie hatte von der wunderbaren Heilung Maibaums gehört und erst jetzt entsann sie sich wieder ihres einstigen Freiers und sie beschloß, um in die Langeweile des Badelebens Abwechslung zu bringen. sich dem jungen Maibaum wieder zu näheren. Aber sie hatte die Rechnung ohne die besorgte Mutter gemacht. Mit Argusaugen hütete sie ihren Sohn und hielt mit eiserner Consequenz alles von ihm fern, was ihm schaden, oder ihn feinen Eltern entfremden konnte. So mußte Gräfin Madeleine ihre Bemühungen als erfolglos einstellen und sich einen anderen Cavalier zum Zeitvertreib aussuchen. Während des ganzen Sommers blieben die Eltern mit ihrem Sohne der Heimath fern. Die reine Luft der Alpen, sowie die kräftigen Wogen des Meeres vollendeten, was Tchlitz begonnen und als mit dem Monat Ellul die Familie Maibaum in der Heimath erschien, da war der Sohn kräftig wie vorher und nur die das Gesicht entstellenden häßlichen Narben erzählten die Geschichte von dem verlorenen Sohn. Der .Israelit' erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstag-, jedermal in mindestens zwei Bogen. Hreide» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 18 Reichs-Mark. Man avonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch -eu Buchhandel t» dertrhe» drt L. $. S1 etuackrr« jlrtp)ig« Kotzplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespallene Petiizeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cour». — Direkte Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich U Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. fixt Rücksendung vo« a« die Redactiou ciugcsa«dtcn Manuskripte» findet nicht statt, «an bittet deshalb fich vo« allen Einsendungen eine Kopie znrütkznbehalte». Inhalt (Hanvlblatt): Leitender Artikel: Der Elternsegen. — Zen lngsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Marburg. Leipzig. Dresden. Hamburg. Straßburg. — Vermischtes. — AernUeton: Der verlorene Sohn. Erzählung von H. Berger. (Schluß.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Menschliches, Allzumenschliches. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus dem Badischen. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzcn: Deutschland: Ratibor. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisfe. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Actien,Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen. i