Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1893)
- Date
- 1893-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hamburg. Verehrltche Redaktion l — Schreiber dieses ist kein Israelit, er ist reformirter Christ (Calvinianer), erlaubt sich jedoch in sachlicher Hinsicht zu dem Aufsatze im „Israelit", der neuerlich „die Grenzboten" gebührend kritisirte und das Auftreten von Stöcker in Chicago besprach, kurz zu bemerken: 4) Gelten die Sinaiischen zehn Gebote, so gelten sie ganz und motivirt also der Befehl den siebenten Tag, nicht einen von den sieben Tagen zu feiern; gelten sie nicht, müßte man sie da, wo sie nicht gelten, auch als Gebote Gottes fortlassen, also weder verstümmeln, noch verdeuteln oder alles nach Art lutherischer, resp. reformirter Katechismen hineinschachteln. — Das tbun die Katholiken nicht. Die Annahme des Sonntags an Stelle des Sabbat bedeutet meines Erachtens für die Israeliten, man mag die Sache verbrämen wie man will, dock 3.) Verleugnung des Gebotes auf Smai, b) Selbsthöbnung durch — nolens Yolens — Anerkennung des Princips den Auferftehungstag zu feiern. Was die Grenzboten von Nichtbeachtung des jüdischen Sabbat durch die Gesetze schreiben, ist schon deshalb lächerlich, weil die Gesetze schon so wie so dies thun. Die „Kreuzzeitung" ist allerdings durch spöttelnde Erwähnung des „Schabbes" eine Pferdelänge voraus. Sie ist eine frömmelndes Blatt, gottlob bis ins Mark und ihr Spötteln über den Schabbes bekundet wenigstens und besten Falls, wie d u m m sie ist in religiösen Dingen. Dieser verhöhnte Schabbes ist der von Gott auf Sinai festgesetzte Tag und seine Heilighaltung trotz Bediängnitz und ohne iede weltliche Hilfe — die „Kreuzzettung und ihre Genossen wimmern dabei für ihren Schabbes ja stets nach der Polizei — wird vielfach musterhaft aufrecht gehalten. Auch wo man vielleicht meint, etwas geschähe zu viel, wird ein religiöser Mensch doch nie spotten über das, was anderen heilig ist — hier spöttelt das Blatt aber direkt über etwas von Gott Befohlenes. Das ist tiefe sittliche Verwahrlosung.-) Hochachtungsvoll Karl August Schultz. Rossausweg 29. I. 1) Es folgen hier einige instruktive Bemerkungen über das Ricanische Concil (nicht das Tridentinische, wie es durch einen lapsus in unserem Aufsatze irrthümlich hieß), die wir, weil nicht von allgemeinem Jnteresie, hier weglassen. 2) Der Einsender widerlegt hier in schlagender Weise noch einige andere Expectoranonen der tt.-Ztg., die wir aber, als den eigentlichen Gegenstand der Korrespondenz nicht berührend, ebenfalls weglasien. Red. Stratzbrrrg. Es gereicht mir zur großen Freude, Ihnen über Fortschritte der hiesigen Reitgionsgesellschaft berichten zu können. Nachdem vor einem Jahre die Einweihung der Synagoge stattgefunden hat, ist im Laufe dieses Js. auch die Herstellung dernipvbeendtgtworden, und es sindsomit sämmtliche Institutionen vorhanden, die eine r6np besitzen muß. Von dem Verein r.noN ovp, der zum großen Theil aus Mitgliedern der Religionsgefellschaft besteht, wird für min gesorgt und der trwi* Vortrag, der im vorigen Winter von Herrn Rabbiner Buttenwieser begonnen wurde, findet auch in dem diesjährigen rege Betheiligung. Von großem Jnteresie wenigstens für einen Theil der Leser Ihres w. Blattes dürfte die Nachricht sein, daß Herr Cantor Grünewald für diejenigen Studenten und Reifenden, welche darauf reflectiren, nur von der riwrilN der Religionsgefellschaft zu essen, einen Mittagstisch eingerichtet hat — Gebe Gott, daß die Religionsgefellschaft weiter gedeihe und blühe, so daß ich Ihnen öfters über Erfolge derselben berichten kann. > vermischtes. Köln. 22. Oktober. Eine traurige Nachricht habe ich Ihnen heute zu melden — einer unserer besten Mitbürger, ein Mann, dessen Name weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus bekannt und beliebt war, Moritz Rosenthal, ist am 20. ds. nach kurzen, aber schweren Leiden gestorben und heute unter außerordentlicher Theilnahme der gesammten Gemeinde zur kühlen Erde gebettet worden. Moritz Rosen thal stand im kraf igsten Mannesalter. Sein Tod hat eine Lücke gerissen, sein großer Eifer in allen Dingen, die das Judenthum betrafen, sein Geist und sein Geschick in der Behandlun. derartiger Angelegenheiten, werden kaum zu ersetzen sein. Die Trauer über das Hinschriden des allgemein belstblen und geschätzten Mannes, der in der Verwaltung unserer Gemeinde, als Mitglied vieler humanitärer und religiöser Vereine, vor Allem aber in der Abwehr des Antisemitismus so Außerordentliches geleistet hat, ist eine allgemeine. Sein Andenken wird in seinen Thaten fortleben und von uns Allen hoch in Ehren gehalten werden. Er ruhe in Frieden Crefcld, 27. Oct. Vor der hiesigen Strafkammer standen gestern 1) der frühere Zuschneider Wilhelm Hendelkes zu Viersen, 2) der Gastwirth Gerhard Giesen zu M.-Gladbach, 3) der gewerblose Peter Anton Heinrichs und 4) der Handelsmann Ge-aetz zu Bierse. Hendelkes hatte auf Anrathen des Gerhard Giesen, des Führers der Gladbacher Antisemiteu, den Cigarrenhändler Gustav Pottgießer zu Priebus um den Betrag von 1157.50 Mk. beschwindelt. Giesen hatte den größten Theil der in betrügerischer Absicht bestellten Cigarren zu einem Schleuderpreise an sich gebracht, ein Theil davon wurde bei ihm beschlagnahmt. Der Polizeiinspektor von Gladbach sagte aus, es werde in Stadt und Umgebung keine schlechte That ausgesührt, bei der er nicht Giesen als Anstifter im Verdacht habe. Während die anderen Angeklagten Gefängnißstrafen ■ on 3—9 Monaten erhielten, wurde Giesen zu 1 Jahr. Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht auf die Dauer von 5 Jahren verurtheilt. Er wurde sogleich in Haft genommen.