Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1893)
- Date
- 1893-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448398--37407-2485470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1685 so reicherer, herrlicher Frische, je fester er in den Geistern und Gemüthern seiner Träger wurzelt. Diese Festigkeit, die Vernichtung und Tod überdauert, schließt das Lebensglück nicht nur nicht aus, sie führt wie nichts anderes dazu. Deßhalb schließt der Mosessegen, der mit naian rwn beginnt, mit 1D2 ’D btoBr *pr«, „Du bist glücklich Israel, wer ist wie Du!" An dieser Thatsache zerschellt die^täuschende Unwahrheit, welche von einer Scheidung zwischen mosaischem und prophetischem Judenthum orakelt. Sie insinuirt ihrem erträumten Mosaismus die Stabilität und Verknöcherung, während sie den Propheten und späteren Gottesmännern die freiere, reinere Lebensauffassung zuerkennt. Die Wirklichkeit straft alle diese Versuche Lügen. Wer hat glühender, wer hat begeisterter die letzten Ziele aller Welt- und Menschengeschichte in die Welt hinausgesungen, als die Davidische Harfe? Und dieser David knüpft an das von Moscs gefeierte Lebensglück des gesammten Gottesvolkes an, wenn er das Einzelglück jedes redlichen Mannes segnen will, „der an Gottes Thora sein Wohlgefallen hat und in ihr sinnet Tag und Nacht"! .nrto nvü onnv nca nr® nn idw Das ist die Geschichte des ersten Elternsegens, dessen Bedeutung bis ans Ende aller Zeiten reicht. Jede Elternhand, die sich segnend auf das Haupt des Kindes legt, jedes Kindesauge, das bittend, hoffend zu dem segnenden Elternauge emporblickt, sie alle sind Glieder in der großen, lebendigen Kette, welche die ganze Menschheit von ihren frühesten Anfängen bis zu ihren letzten Ausläufen verbindet. Hoch steht daher die Bedeutung des Elternsegens in Israel. Aber wer geringschätzig auf das geistige Erbe der Väter blickt, wird der ihren Segen htnnehmen, wird er seiner froh werden und durch ihn sich beglückt fühlen können? Wer bereit ist, sein Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht hinzugeben, wer das, was aus dieser ehrwürdigen Ahnenkette zu uns spricht, als überwundene Thorheit belächelt, wird er des Segens theilhaftig werden können? Daß unsere Söhne wie Efrajtm und Menasche, daß sie mitten in einer Judenthum und Judenhett fremden, feindlichen Umgebung nicht irre an ihrem jüdischen Berufe werden, daß unsere Töchter wie Sara und Rebekka, wie Rachel und Lea, nach dem Vorbild unserer großen Ahnmütter heranblühen mögen, das ist der Segen, der sich aus den betenden Elternherzen zum himmlischen Vater emporringt, wenn sie segnend die Hand auf die Häupter ihrer Lieben legen. — Wenn dieser Segen von den Eltern in feiner ganzen Tiefe ergriffen und von den Kindern beherzigt und verwirklicht wird, dann mögen wir getrost über die trübe Gegenwart in die heitere Zukunft blicken. — Was sie uns auch bringen möge: db»d^> “jnM oipn t«6 toi nto' dh yby 1X1' *to to .'n Dirn mnö onpun ti nay ntou nw «jrmn „Jedes Geräth, das gegen dich gebildet wird, wird kein Gelingen haben, jede Zunge, die sich gegen dich zum Rechtsstreit erhebt, wirst du schuldig sprechen. Das ist das Erbtheil der Diener Gottes und ihrer Gerechtigkeit, die bei Mir geborgen ist, lautet der Spruch Gottes." ZeitrrrrgSrrachrichterr und Correfpoudenze». Deutschland. Berlin. Die Agitatoren gegen das Schächten haben nun glücklich in England eine Schächtfrage zu Wege gebracht. Daß das Schächten einer Kuh in Schottland kürzlich eine Klage vor dem Richter zur Folge hatte, haben Sie bereits erwähnt. Die „Daily News" vom 17. October schreiben: „Alles in Allem, die eingeleiteten Verfolgungen der jüdischen Schächter sind von Umständen begleitet, welche den beunruhigenden Verdacht nicht unterdrücken lassen, daß religiöse Borurtheile dabei zu Grunde liegen mögen. Sie haben allzusehr den Anschein, unsere jüdischen Mitbürger aus kleinlichen und unhaltbaren Gründen Vexationen auSzusetzen. Zur Zeit Chaucer's wiegelt man die Menge gegen die Juden aus, indem man sie beschuldigte, Kinder zu schlachten. ES ist eine traurige Abnahme erfinderischer Phantasie, daß man gegen sie keine schrecklichere Beschuldigung heraufzubeschwören wußte, als daß sie sich grausam gegen die Ochsen zeigen. Das schrieben die D. N. am 17. Oct. nicht 1893, sondern 1855. — Am 17. Oct. 1893 veröffentlichte die Londoner „Times" die Zuschrift eines Mitgliedes der Kgl. Aerzte-Gesellschaft folgenden Inhalts: „Damit die öffentliche Meinung sich ein Urtheil über grausame Schlachtverfahren bilden könne, müssen nachstehende Thatsachen allgemein bekannt werden: 1) Ein Thier, das in 5 Minuten an Blutverlust stirbt, behält das Bewußtsein 3 Minuten lang. 2) Der Schmerz, welchen der Schächtschnitt verursacht, tritt zwar nicht im Momente des Schneidens ein, wird dann aber von dem Thier wenigstens drei Minuten lang in heftigster Weise empfunden. 3. Der Tod durch Blutverlust verursacht in den meisten Fällen, wenigstens in der zweiten Hälfte des Todeskampfes, entsetzliche Schmerzen, ähnlich den ErstickungSqualen. 4) Dazu kommt noch die andauernde verzweifelte Angst, die aufs Höchste zu steigern hier alle Umstande Zusammenwirken. Gewiß ist es nur ein geringer Unterschied zwischen dem jüdischen Schächtverfahren und der Art, wie bei uns die Kälber, Schafe und Schweine abgestochen werden. Aber Unrecht wird nicht Recht dadurch, daß Andere daffelbe Unrecht begehen. Ein Schlag auf das Großhirn kann das Bewußtsein im Bruchtheil einer Sekunde vernichten und das Schlachten schmerzlos machen- All die Martern, die in unfern Schlachthäusern Vorkommen, sind entsetzlich und alle, bis auf einen kleinen Bruchtheil, könnten vermieden werden."