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Der Israelit · 1893-11-06 · Heft 88 (6.11.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 88 (6.11.1893)
Date
1893-11-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1677 sich auf dem Gebiete meiner Diözese befindet. Man hätte das Volk aufwiegeln können, es ist wohl auch versucht worden, allein es gelang nicht, denn, sehen Sie, es gibt gewisse Bücher, die Ihnen gleichwie mir heilig sind, aus welchen ich Weisheit und Mitgefühl schöpfe. Mein Meister gebietet mir unter Hinweis auf das Beispiel des Samaritaners „Gehe hin und thue desgleichen" und da kann ich nicht anders, als die Gefühle der Menschenliebe in meiner Diözese zu verbreiten und nimmer zugeben, daß sie gestört werden ..." — Auch der Deputation der orthodoxen Juden (Führer David Reiß) erwiederte der Erzbischof, er habe sich stets durch Liebe und Gerechtigkeit leiten lassen und nichts könne ihn von dieser Richtung abbringen. V»r Palota, im Oktober. Am 9. d. M. hat in der hiesigen Synagoge ein Trauergottesdienst für den jüngst Heimgegangenen hochberühmten Oberrabbiner aus Nagy-Karoly iNiBcn pwn y'a? Dtnj/D txd nn n^un *nnö statt. — Der hies. Bez.-Rabbiner — ein Schüler des großen Verklärten — hielt tiefergriffen die Gedenkrede, in welcher er eine treffliche Parallele zog zwischen dem betrauerten b"v\ pw und dem im Talmud hochberühmten tnd 'i. — Er feierte seinen verklärten Lehrer b"n* al$ beit hervorragendsten pto der Jetztzeit, rühmte dessen eisernen Fleiß und außerordentlichen Scharfsinn, und hat die Angriffe, welche derselbe bet Lebzeiten von chasstdäischer Seite erfahren, so wie die nach seinem Ableben von Seiten der Neologen propagirte Glorification energisch zurückgewiesen. — Er citirte einige markante Stellen aus dem klassischen Gutachten, welches der Verewigte vor circa 49 Jahren gegen die Braunschweiger Resormbestrebungen abgegeben und sktzztrte die Entwicklungsphasen der anti-jüd. Neologie und wie R. Mayer Perls b'm unentwegt bis nach der Kongreßära (wo er von den öffentlichen Kämpfen sich zurückgezogen) die Jnteresseu der jüd. Orthodoxie in vorderster Reihe gewahrt, vertheidigt und gefördert hat. Rußland. Das „Neue Pester-Journal" berichtet: Zweiundzwanzigtausend russische Juden wurden am 3. Oktober d. I. durch einen eigenhändig vom Kaiser Unterzeichneten Ukas (imeunojulLas) aus dem russischen Reiche verbannt. Einige Tausend von ihnen haben beschlossen, nach Amerika auszuwandern und die Küsten des Pacific-Ozeans, besonders aber die Küstenstriche Californiens zu kolonisiren. Die Einzelheiten der Kolontsirung sind von P. Agrippa Honkarenka, einem katholischen Priester, der mit der Leitung der Auswanderung der russischen Juden in Verbindung steht, genau festgestellt worden. In seinem auf dem Gipfel eines Berges bei San Francisco gelegenen Hause hat der Priester, der selbst Russe ist, bereits sehr vielen Vertriebenen oder dem Galgen und der Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken entronnenen Landsleuten ein Obdach gewährt. Der neueste kaiserliche Ukas trifft nicht so sehr die Juden der ärmeren Klaffen, sondern gerade die wohlhabenden und reichen. Viele von den Vertriebenen sind Millionäre. Ein aus Irkutsk vertriebener Israelit wird ein Vermögen von zehn Millionen (?) Dollars nach Californten bringen. Petersburg, 28. October. Die St. Petersbnrger Ztg. schreibt: Im Projekt des neuen Paßreglements, welches vom Finanzministerium ausgearbeitet ist und nächstens dem Retchsrath vorgelegt wird, sind folgende besondere Bestimmungen für die Juden enthalten: Innerhalb des Ansässtgkettsgebiets der Juden werden geschriebene Aufenthaltsscheine ausgestellt, mit der Bemerkung, daß sie nur für dieses Gebiet Giltigkeit haben. In diesen Scheinen muß das Signalement des Paßinhabers angegeben sein. Juden, welche das Recht besitzen, sich auch außerhalb des Ansässigkeitsgebiets aufzuhalten, müssen bei ihrer Ankunft in einem solchen Gouvernement die betreffenden Dokumente vorweisen, worauf ihnen ein besonderes Btllet verabfolgt und dieses dem Aufenthaltsscheine angeheftet wird. Diese Bestimmungen beziehen sich nicht auf diejenigen Juden, welche auf gesetzlicher Grundlage den Kleinbürger- und Handwerkergemetnden der inneren Gouvernements zugezählt sind. In Charkow wurden in die Universität unter 211 Studenten 11 jüdischen Bekenntnisses ausgenommen. Wegen weiterer 79 zur Anmeldung gelangter Abiturienten wandte sich der Rector an den Unterrichtsminister. — Die aus Kurland ausgewiesenen Juden, welche bekanntlich am 13. November Kurland verlassen sollten, haben sich um Aufschub ihres Abzugtermins an das Ministerium gewandt. Da zahlreiche christliche Bürger bescheinigten, daß durch den Abzug der Ausgewiesenen auch sie, die mit jenen in Geschäftsverbindung gestanden, zu Schaden kommen würden, wurde den dortigen Juden dieser Tage nunmehr ein Aufschub bis zum 13. Juni 1895 bewilligt. Tiflis im Kaukasus, 18. October. rw bsn inoiN bvts tot. Der Auszug unserer Glaubensbrüder aus Sibirien, wo sie sich noch kaum heimisch gefühlt, denn die ersten jüdischen Ansiedelungen in diesem Lande datiren erst aus unserem Jahrhundert, hat nun begonnen und mehr als zwanzigtausend Israeliten greisen jetzt nach dem Wanderstabe, um in die weite Welt hinauszuziehen und sich dort ein neues Heim zu gründen. Die meisten dieser AuS-

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