Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1893)
- Date
- 1893-11-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1676 Verklären, seiner Kinder, die er ganz in seinem Geiste aufblühen zu sehen das Glück hatte, aus deren Reihe sein ältester Sohn, im Berufe des Vaters stehend, nach dem Vorbild des Vaters eine erfolggesegnete Thättgkeit entfaltet. — Zeituugsuachrichte« tut* Eorrefpoudeuze« Deutschland. Berlin, 2. November. Bei den Wahlen zu dem preußischen Abgeordnetenhaus hat Herr Böckel ganz schlechte Geschäfte gemacht; er ist sowohl in Marburg wie in Frankenberg den konservativen Landräthen, sein Genosse Bindewald in Biedenkopf dem Regierungspräsidenten unterlegen und den Herren Lcuß und Schnutz, die der Marburger Prophet noch in hessischen Kreisen unterzubringen gedachte, wird cs schwerlich besser ergangen sein. Bei der öffentlichen Stimmabgabe scheint den hessischen Bauern doch die Bekenntnißtreue zum Antisemitismus abhanden gekommen zu sein, denn die Zahl der ländlichen antisemitischen Stimmen steht in grellem Mißverhältniß zu der Zifferder bei der Retchtagswahl in den gleichen Bezirken abgegebenen antisemitischen Stimmen. Mannheim, 24. Oktober. Im Verein fürjüdische Geschichte und Lttteratur hielt gestern Abend im „Casino Saale" Herr Dr. Löwen stein aus MoSbach einen Vortrag über das Thema: „Die Juden in Mannheim unter den pfälzischen Kurfürsten". Herr Dr. Löwenstein ist ein emsiger Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte, er hat über obiges Thema ein umfassenderes historisches Werk unter der Feder, das er demnächst der Oeffcntlichkeit zu übergeben gedenkt. Er wird sich damit unzweifelhaft um die Geschichtsforschung unserer Stadt Mannheim verdient machen. Denn, wie er gestern Abend hervorhob, existirt außer dem bekannten v. Feder'schen Werk, welches die Entwicklung des Mannheimer Judenthums in der kurpfälzischen Zeit nur spärlich berücksichtigt, bis dahin keine aus Quellenstudium beruhende, eingehendere historische Arbeit über die einschlägige Materie. Der Vortragende behandelte jene Zeit, welche die Mannheimer Juden von ihrer bald nach den Wirren des 30jährigen Krieges erfolgten ersten Niederlassung hierselbst bis zu der Licht und Freiheit bringenden großen französischen Revolution durchgemacht haben. Aus kleinen Anfängen sind die israelitischen Bewohner Mannheims hervorgegangen. Als ihnen unter der Regierung des Kurfürsten Karl Lpdwig am 1. September 1660 der erste Konzesffonsbrief ertheilt wurde, bestand ihre Gemeinschaft aus 23, zum Theil deutschen, theils portugiesischen Familien. Große Schwierigkeiten stellten sich ihrer Weiterentwicklung entgegen. Sowohl die kurfürstliche Regierung als auch die Mannheimer Stadtbehörde suchten, wie das damals allerorten geschah, durch allerlei Gesetze und Verordnung, nicht selten der kleinlichsten Unterdrückungspoltttk entsprungen, das Aufblühen der jüdischen Gemeinde hintanzuhalten. Dennoch nahm dieselbe fortgesetzt zu, nicht bloß an Zahl und materiellem Gedeihen, sondern auch in der Anthetlnahme an reger, geistiger Kulturarbeit. In dieser Hinsicht weist die Geschichte Mannheims manche klangvolle israelitische Namen auf, die sich bis auf den heutigen Tag ein ehrenvolles Andenken unter ihren Glaubensgenossen gesichert haben. Das Gefammtbild, welches der Redner entrollte, zeigte tas Bestreben der Mannheimer Juden jener Zeiten, sich unter schwerem Drucke, der damals allerorten auf ihren Glaubensgenossen ruhte, emporzubringen nicht allein zu materieller Existenzfähigkeit, sondern auch zur Thcilnahme an deutscher Kulturarbeit. Daß ihnen dies möglich wurde, vermittelte in erster Linie der weltgeschichtliche Abschluß des 18. Jahrhunderts, worauf auch die kurpfälzische Herrlichkeit dahinsank, die große Revolution, die Morgenröthe einer neuen Zeit. Zum Schluß warf der Redner, der mit seinem in den Grenzen strenger historischer Sachlichkeit gehaltenen Vortrage nahezu eine Stunde lang die zahlreich erschienenen Damen und Herren bis zum letzten Augenblick zu fesseln vermochte, einen Blick auf die Gegenwart, die uns erst in den letzten Tagen ein so schönes Bild segensreichen Zusammenarbettens aller Bekenntnisse in unserem blühenden Gemeinwesen unter den Augen unseres allverehrten Landesherrn gegeben hat. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Erlau, 30. October. Der hiesige Erzbischof, D r. S a m a s s a, feierte vorgestern sein 50jähriges Priesterjubiläum, aus welchem Anlaffe ihn auch die beiden hier existirenden jüdischen Gemeinden durch Deputationen beglückwünschen ließen, und berichten die Tagesblätter hierüber Folgendes: Ungemein warm und herzlich war der Empfang der Erlauer israelitischen Status <iuo-Gemeinde, deren Deputation vom Rabbiner Dr. Max Schwarz geführt wurde. Erzbischof Samassa erwtederte, er würde in seiner Antwort am liebsten der schönen Rede des Dr. Schwarz von Satz zu Satz gefolgt sein, allein er sei alt und krank und noch zahlreiche Deputationen harrten des Empfanges. Doch über ein Ding möchte er Licht verbreiten. Dieses Ding ist: ein gerechtes Urtheil für seine Diözese, daß dort unter den Bürgern Liebe, Friede und Eintracht herrscht und daß diese Gefühle nicht gestört wurden, obgleich der Anlaß dazu vorhanden war. Vergessen Sie nicht, — sagte der Erzbischof —, daß Eßlar