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Der Israelit · 1893-11-06 · Heft 88 (6.11.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 88 (6.11.1893)
Date
1893-11-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1678 Wanderer streben nun dem Amurflusse zu, um auf demselben zum Meer und so zur Hafenstadt Wladivostok zu gelangen, von wo es Schiffsgelegenbeiten nach allen Richtungen der Windrose gibt. Viele von ihnen ziehen dann nach dem Süden, um nach Australien oder den Sandwichstnseln zu gelangen, wo dem müden, vaterlandslosen Juden noch immer ein gastliches Heim winkt. Auch nach Indien, Japan, dann den chinesischen Hafenstädten und Canada begeben sich diese Auswanderer, in der Hoffnung, sich dort dauernd ansiedeln zu können. Aber alle diese Auswanderer haben mit dem Mangel der Kenntniß der englischen Sprache zu kämpfen, die in allen Häfen Ostasiens, Indiens und Australiens die vorherrschende ist, und ohne die man dort nicht gedeihen kann. Wer dagegen nicht auswandern kann oder mag, der muß nun nach jenen Städten im Herzen Sibiriens übersiedeln, welche das Machtwort des Czaren zu Niederlassungen für die Juden bestimmt hat, wo dieselben weniger beaufsichtigt und in ihrem Erwerbe — die Juden Sibiriens leben fast ausschließlich von Handel — sehr eingeschränkt werden sollen. Die Gemeinde in der Hafenstadt Wladivoftok, die sich erst vor wenigen Jahren eine Synagoge und ein Schulhaus mit - großen Kosten erbaut, muß beide Baulichkeiten freiwillig leer stehen lassen, da sie bisher noch keine Käufer für dieselben gefunden hat. England. Aus London wird geschrieben: Unter denen, welchen ein Ehrendoktordiplom von der Universität St. Andrews verliehen werden wird, befinden sich der Premier Gladstone, Lord Salisbury und der Rabbiner Albert Löwy, ein Deutscher von Geburt. Was den letzteren anbetrifft, so ist dies das erste Mal, daß eine britische Universität einem jüdischen Geistlichen eine solche Ehre erweist. Asten. Bokhara im Oet. Nun erhalten auch wir hier eine Zeitung, welche die erste in unserem Khanate sein wird. Dieselbe wird den persischen Namen „Kalami (d^>?)" („Die Feder") führen, aber in osttürkischer Sprache, dem Dsagatai, redigirt sein. Herausgeber ist der Mollah Mohamed Zivebeyiji, ein aus Rußland hteher eingewanderter j persisch-türkischer Theolog und Literat, der aber trotz i seines Priesterstandes ein freisinniger Mann ist, der den Glaubensfanaltsmus und die damit verbundene Unduldsamkeit verabscheut. Wir Israeliten hier können uns daher von diesem Blatte nur Gutes versprechen, und wird cs hoffentlich viel dazu beitragen, die Wildheit und Unduldsamkeit unserer fanatischen Bevölkerung stark zu mindern. Da die Israeliten 1 hier fast insgesammt persisch sprechen — die bokharischen Juden sind ganz so wie die spaniolischen, sie sprechen mit Vorliebe die Sprache jenes Landes in dem sie einst gewohnt — und das osttürktsche nur in den jüdischen Geschäftskreisen gekannt ist, so wird das neue Blatt voraussichtlich nur wenig Leser in unserem Judenviertel finden. Was unsere Jugend anbelangt, so hat diese keine Zeit mehr, das Türkische sich eigen zu machen, da sie die russische und die französische Sprache erlernen muß, zwei Sprachen, die seit der Eröffnung der Transkaspibahn, fast unentbehrlich hier geworden sind. — Die zweite in unserem Khanate existirende jüdische Gemeinde, die zu Karschi, geht leider langsam ihrer Auflösung entgegen, da deren Mitglieder diese Stadt, wo es nur wenig Verkehr gibt, verlassen, um sich theils hier, theils in anderen Ortschaften des Khanats, die jedoch an der Transkaspibahn liegen, anzusiedeln, da sie von dort aus ihre Maaren, es sind dies zumeist Landesproducte, leichter und bequemer versenden können. So hat die Eisenbahn auch in Bokhara eine ganz neue Zeit erstehen lassen. > Vermischtes. Berlin, 1. Nov. Ueber jüdische Moral und christlichen Staat fft in Berlin bei Crombach eine Broschüre von Dr. Edmund Frtedemann erschienen. Wiesbaden, 1. Nov, Trotzdem in letzterer Zeit hier von Seiten der Antisemiten jeden Sonntag eine Versammlung einberufen wird, um gegen das Judenthum anzukämpfen, scheint doch der hiesige Boden für derartige Agitationen nicht ganz geeignet zu sein. Bei den letzten am 31. Okt. stattgefundenen preußischen Landtagswahlen wurde in einem stark vertretenen konservativen Viertel, von Seiten der Nationalen-Partei, ein seit kurzer Zeit hier erst ansässiger Jude, der Kaufmann Leon Posner als Urwähler-Condidat aufgestellt. Altenkirchen. Am raty wurden es 25 Jahre, daß Herr Salomon als Lehrer und Kantor in Attenkirchen weilt und wirkt. Die dankbare Gemeinde verstand es nun in gebührender Weise die Aufopferung und Leistungen desselben für Schule und Gottesdienst zu würdigen. Auf Veranlassung des Synagogenvorstandes war für den Abend des hehren Tages die ganze Gemeinde eingeladen und auch erschienen, um denselben durch Veranstaltung einer Festlichkeit geziemend zu begehen. Als der Jubilar den Saal betrat empfing ihn der Vorsteher, Herr D. Abraham mit einer ebenso inhaltsreichen, wie herzlichen Ansprache, in welcher derselbe die Verdienste des Jubilars rühmend hervorhob; sodann überreichte er dem Jubilar im Namen der Gemeinde einen prachtvollen Pokal mit passender Inschrift und schloß seine Rede mit dem innigen Wünsche nach 25 Jahren das goldene Fest des Jubilars feiern zu können. Eine große Gesellschaft blieb bis tief in die Mitternachtstunden zusammen und auf den Jubilar wurden sinnreiche Toaste ausgebracht. In gleicher Weise beehrten ihn seine Schüler, Freunde und Bekannte, die theils persönlich, theils in Form von Depeschen, Briefen und Karten ihre Glück- und Segenswünsche darbrachten. In Gr. Strehlitz ist die Simultanschule vor einiger Zeit aufgelöst worden; nunmehr hat die Synagogengemeinde eine öffentliche jüdische Volksschule errichtet.

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