Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1893)
- Date
- 1893-11-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Beilage;u M 88 des „Israelit“. Dr. med. Markus Hirsch jn — Frankfurt a. M? Einer der edelsten, herrlichsten Männer ist in der Vollkraft seiner Jahre von hinnen gerufen worden, ein Mann von seltener Geistesgröße, von hohem Seelenadel, von beispielloser Aufopferung, von umfassendem Wissen. Dr. Marcus Hirsch, der würdige Sohn seines Vaters, Samson Raphael Hirsch *>"»,, ist in der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag verschieden und wurde Freitag bestattet. Wie er in dem unvergeßlichen Vater das leuchtende Vorbild seines Lebens sah', so glich er ihm auch in seiner glühenden Begeisterung für alles Gute und Edle, in der Geradheit, Biederkeit und Liebenswürdigkeit des Wesens, in seiner lauteren Tugend und Gottesfurcht, in ihm lebte des Vaters großer Geist. Wie es nur wenigen vergönnt ist, so hatte er ihn erkannt und vermochte dem hohen Fluge zu folgen, der sich in den unsterblichen Werken Samson Raphael Htrsch's offenbart. In ihm gelangte die harmonische Verbindung von p« “pn Dy min zur lebendigen Verkörperung. Einer der gesuchtesten und beschäftigsten Aerzte Frankfurts, erfaßte und bethätigte er seinen Beruf in dem Geiste des echten " hingebungsvollen non So y spendete er rastlos ärztlichen Rath und ärztliche Hilfe und in diesem Sinne widmete er seine Kraft, in selbstloser Aufopferung, unter voller Einsetzung der eigenen Gesundheit der persönlichen Pflege und Wartung seiner Kranken. Wie oft opferte er seine Nachtruhe, verbrachte Tage und Nächte am Lager seiner Patienten. Dabei kannte er keinen Unterschied zwischen Bemittelt und Unbemittelt, zwischen Rang, Stand und Confession. So war sein ganzes Leben ein einziges großes 0^.1 rv-pp. Er, der ernste, gewissenhafte orthodoxe Jude, der jede religiöse Vorschrift und jeden religiösen Brauch so sorgsam wie freudig erfüllte, Leuchtete als das *) Das wohlgelungene Bildniß, welches wir von dem Verewigten bringen, stammt aus früheren Jahren. Wenn auch die Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind, so bringt dieses Bild doch die Züge deS Verblichenen in sprechender Aehnlichkeit. erhabene, selten erreichte Vorbild eines wahren Menschenfreundes seinen jüdischen und nichtjüdischen Mitbürgern voran und erfreute sich der allgemeinsten Verehrung und Liebe. Und dabei fand der rastlos schaffende, überbürdete Arzt noch Muße, den Forschungen und Erfahrungen auf dem Gebiete seiner ärztlichen Wissenschaft zu folgen und geschätzte Beiträge zu deren Bereicherung zu liefern. Und dabei fand er auch die Zeit zum Forschen in der jüdischen Wissenschaft und theilzunehmen an allen gemeinnützigen humanen Bestrebungen. Ja er fand selbst die Muße, mit der ganzen Wucht eines edlen Eifers einzutreten in den Kampf gegen den Antisemitismus. Seine letzte Schrift „Kulturdeficit am Ende des neunzehnten Jahrhunderts" ist anerkanntermaßen eines der hervorragendsten, eingehendsten, schlagendsten und populärsten Werke, die zur Abwehr der schmählichen Angriffe auf Juden und Judenthum verfaßt worden sind. Das imposante Leichenbegängniß war der Ausdruck der Hochachtung und Liebe seiner Mitbürger. An seiner Bahre - sprachen die Herren Rabbiner ' Dr. Breuer, sein Schwager, Direktor Dr. Hirsch, sein Bruder, der Vorsitzende des ärztlichen Vereins, Dr. weck. Harbordt, der Vorsitzende der Rothschild'scheu Hospital-Verwaltung Justizrath Dr. zur. Scherlenzky, der Vorsitzende des Kraukenpflegerinnen-Vereins Dr. med. Kirchheim ergreifende Worte der allgemeinen Werthschätzung und Anerkennung, die der Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung genossen hat. Er erreichte ein Alter von nahezu 55 Jahren. Sein Name wird allezeit zu den besten zählen, die in dem dankbaren Gedächtniß der Nachwelt fortleben. Von ihm läßt sich in Wirklichkeit sagen, was zur Charakteristik eines anderen Mordechat überliefert ist : .X'2212 '3'2 nmon HPUtt 2212^> "vl N*1 Er glich in Wahrheit dem Morgenstern, dessen Glanz das Firmament erhellt. Dieses Bewußtsein möge den tiefen Schmerz feiner Gattin und seiner Kinder durchleuchten und