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Der Israelit · 1893-11-06 · Heft 88 (6.11.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 88 (6.11.1893)
Date
1893-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1671 Treue gegen Kaiser und Vaterland erzogen werden mögen. Dr. Freund übergab nunmehr den Schlüssel der Anstalt dem Landrath, welcher in kernigen Worten die Wünsche des Kreises für diese Humanitätsanstalt und die Zuversicht aussprach, daß an dieser Stätte der Liebe brave und nützliche Menschen herangebildet werden sollen mm feelle aller Mitbürger und zum Wohle des Vaterlandes. Hierauf führte Baumeister Fuchs die Versammlung durch die Räume der Anstalt. Dieselbe liegt in bester, freier Gegend, sie hätte keinen schöneren Platz finden können. Ueberall, in den Arbettssälen, in den Speisesälen, in den Schlafsälen, in den Badezimmern und den Wohnstuben, überall Luft und Licht. Eine herrliche Stätte hat da die Menschenliebe den Stiefkindern des Glückes bereitet! In dem einen Saale versammelte man sich, und Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz hielt die Weiherede, welche die Bedeutung der Waisenpflege im jüdischen Alterthum schilderte und mit Segenswünschen für diese neue Stätte werkthätiger Nächstenliebe schloß. Chorgesang beendete die Feier. Um 2 Uhr Nachmittags fand eine Festtafel zu 120 Gedecken in Wittigs Hotel statt. Landrath Gemander brachte unter jubelnder Begeisterung den Kaisertoast aus. Hierauf toastete Sanitätsrath Dr. Freund auf den Landrath des Kreises, Amtsgerichtsrath Levy auf den verdienstvollen Vorsitzenden des oberschlesischen Gemeindebundes, Sanitätsrath Freund und Rechtsanwalt Berger in witziger Rede auf die Stadt Rybnik. Santtätsrath Dr. Löbinger feierte den Gleiwitztger Oberbürgermeister. Sodann überbrachte Rabbiner Dr. Blumenthal die Festgrüße der Ratiborer Synagogengemeinde. Unter stürmischem Beifall der Versammlung feierte der Redner das Friedensbild, wie es die Festgesellschaft biete. Diese Einigkeit sei die Menschenliebe, wie sie von Lessings leuchtender Stirn gestrahlt, sei der Zauber, der, Gott sei Dank, noch immer glänze auf den Ringen Nathans des Weisen. Doch es genügt nicht, sich in der Feststunde mit Begeisterung zu füllen, sondern gleich jenem Steine, der den eingesogenen Sonnenglanz anderswo ausstrahlen lasse, solle man den Frieden und die Menschenliebe htnaustragen in Stadt und Land. Was die Konfessionen mit einander verbindet, muß heutzutage jeder sittliche Mensch betonen, aber nicht was uns von einander trennt, und das Bindeglied heißt Nächstenliebe. Der Redner schloß mit einem Hoch auf die Synagogengemeinde Rybnik und deren ersten Vorsteher, den Rathsherrn Prager. Hierauf erhob sich Oberbürgermeister Kreidel zum Danke an die Versammlung, die es ihm gestattet habe, dieses herrlich schöne Fest mitzufeiern. Er stamme ans der Provinz Posen, habe schon zeitig Israeliten kennen gelernt, verkehre mit ihnen seit Jahrzehnten und stets unter den jüdischen Tugenden zwei bewundern gelernt, den jüdischen Familiensinn und die jüdische Wohlthätigkeit. Selbst der ärmste jüdische Vater scheue kein Opfer, um seinen Sohn zu einem tüchtigen Menschen heranzu bilden. Die jüdische Wohlthätigkeit ist in der Welt bekannt. Er habe seit Jahren für einen christlichen Wohlthätigkeitszweck an 100,000 Mark gesammelt, aber der weitaus größte Theil der Gelder sei aus jüdischen Händen und aus jüdischen Herzen geflossen. Er, Redner, sei stolz und glücklich dieses schöne Fest jüdischer werkthätiger Liebe schauen und mttbegehen zu dürfen. Die Rede fand jubelnden Beifall, dem Rabbiner Dr. Goldfchmtdt aus Königshütte beredten Ausdruck lieh. Es folgten dann noch Trinksprüche auf die Stifter Haase und Schlesinger, auf den oberschlesischen Rabbtnerverband, auf die Baudeputation, auf die Zukunft der Anstalt. Den Damen weihte in launigen Worten Landrath Gemander sein Glas. Um 5 Uhr fand die Festlichkeit ihre Ende und die Mitarbeiter an diesem edlen Werke, welches den elternlosen Unglücklichen geweiht ist, dürfen mit der stolzen Zuversicht von einander scheiden, eine köstliche Friedensthat geschaffen zu haben. 8. Gailingen, 25. Oktbr. (Wegen Raummangel verspätet.) Kaum sind es zwei Wochen, daß uns ein altes Gemeindemitglied entrissen wurde, und schon wieder standen wir am offenen Grabe eines solchen; denn unser S. H. Guggenheim ist nicht mehr. Vor nahezu fünf Wochen wurde er an das Krankenbett gefesselt, das ihm zum Schrecken aller so plötzlich und schnell ein Totenbett werden mußte. Einen edlen, gerechten Mann haben wir in ihm zu Grabe getragen. Hat er sich doch durch seinen Gerechtigkeitssinn, seine ungeheuchelte Frömmigkeit und Freundschaft die Liebe und Achtung aller derjenigen erworben, die mit ihm infolge seiner Stellung in hiesiger Gemeinde und der Ehrenposten, die er bekleidete, in Berührung kamen. War er doch seit nahezu 20 Jahren Bezirksältester und thätiges Mitglied der Chebra-Kadischa. — Bereits seit Gründung eines Vorschußvereins in hiesiger Gemeinde, war der Verstorbene Präsident der Gesellschaft, welche Stelle er seines hohen Alters wegen — er wurde 81 Jahre alt — vor einem Jahre niederlegte und bei welcher Gelegenheit ihm durch Ueberretchung eines kostbaren Ehrengeschenkes die Dankbarkeit der Gesellschaft bewiesen wurde. Und ebenso wie er gelebt, ist er auch gestorben. Noch kurz vor seinem Tode ließ er die gesammte Familie an sein Bett kommen, dankte ihnen für ihre hingebende Pflege und nahm Abschied von ihnen. Mit thränenerstickter Stimme beauftragte er den anwesenden Herrn Rabbiner, der Gemeinde feinen Dank abzu-

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