Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-11-06 · Heft 88 (6.11.1893) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 88 (6.11.1893)
Date
1893-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448397--37391-2485453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1670 Derselbe referirte zunächst über die verschiedenen Grausamkeiten, die bei der Behandlung der Thiere Vorkommen, kam dann auf die Schlachtungen im allgemeinen und auf das Schächten insbesondere zu sprechen, das ihm der Ausbund aller Grausamkeit ist. Neues zur Sache selbst hat er nicht vorgebracht, höchstens die Aeußerung, die ihm unlängst ein frommer, gläubiger Jude gethan haben soll: „Ich habe lange an kleinem Ort gelebt und habe da einsehen gelernt, daß nichts so sehr beiträgt die Juden als fremdes Element in der Nation empfinden zu lassen, als der Sabbat und das Schächten In diesen beiden Punkten sollten wir uns den Sitten und Anschauungen unserer christlichen Mitbürger fügen." Dieser Jude mag sehr fügsam sein, fromm und gläubig ist er gewiß nicht. Wir nehmen von der Aeußerung nur Notiz, weil sie die Annahme Ihres jüngsten Leitartikels „Schechita, Mtla und Sabbat" bestätigt, daß die religiöse Unduldsamkeit gegen die Juden sich nicht auf das Schächten beschränkt, sondern sich gegen jede Aeußerung wendet, welche spezifisch jüdisch ist. — Nach dem uns vorliegenden Referat der „Allgemeinen Thierschutz-Zeitung" war die Stellung, welche einige der anwesenden Juden bei der daran geknüpften Discussion etnnehmen, eine sehr betrübende. — Die Richtigkeit derselben vorausgesetzt, dankte Herr Geh. Sanitätsrath K r i st e l l e r dem Redner für seine Anregungen und bedauert, daß der Vortrag sich zu einer Erörterung der Judenfrage zugespitzt habe. Herr Jacoby stellt sich ganz auf Seite Beringers und hält die Einführung einer anderen Schlachtmethode wünschenswerth. Die rituale jüdische Schlachtmethode sei ein Uebel, dessen Nachweis und die entsprechende Betheiligung aller aufgeklärten Juden eine höchst wichtige Angelegenheit der ethischen Kultur bilde. HerrDr. Löwenheim schloß sich im wesentlichen derselben Ansicht an, rieth jedoch, gegenüber der Gewissensbedrängniß, welche in dieser Hinsicht bei nicht wenigen Juden noch obwalte, recht vorsichtig zu sein. Es fehle der jüdischen Religionsgesellschaft noch an einem geeigneten Organe, um derartige Kulturfragen in geordneter und für die bezügliche Gemeinschaft verbindlicher Weise zu entscheiden. Herr Lewy warnt davor, irgendwie die Gewissen der Juden zu bedrängen. Wenn dies bei der vorgeschlagenen Aktion der jüdischen Mitglieder der Gesellschaft für ethische Kultur nicht vermieden werde, könne cs kommen, daß zahlreiche Mitglieder die Gesellschaft verlassen müßten. Wenn Jude i selber in dieser Weise, wie vorstehend einige gethan haben, die Hand zur Verkümmerung ihrer Religionsfreiheit bieten, was soll man » denn von Nichtjuden erwarten? I B. Rybnik, 30. Okt. Das töraeüme Waisenhaus 1 für Oberschlesien wurde gestern zu Rybnik m glänzen- I der Feier eingeweiht. Den Grundstock zu der Anstalt legten Herr Ferdinand Haase in Rybnik durch Schenkung eines Bauplatzes mit Gartenterrain und 20,000 M. und Herr Ferdinand Schlesinger in Berlin durch eine Spende von 10,000 M. Alle oberschlesischen Synagogengemetnden betheiligten sich! durch Sammlungen und ständige Beiträge an dem gemeinnützigen Werk, welches gestern seiner edlen Bestimmung von Männern übergeben wurde, die sich Vormittags um 11 Uhr vor dem Portale der fahnengeschmückten Anstalt, die nahe am Bahnhofe liegt, eingefunden hatten. Es waren die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, die Geistlich-! keit, die Vorsteher und Repräsentanten aller israelitischen Gemeinden Oberfchlesiens. Wir sahen in! der Versammlung den Landrath Gemander, Ober-! bürgermeister Kretdel aus Gleiwitz, den Bürgermeister und Stadverordneten-Vorsteher von Rybnik, Pastor Reinhold-Rybnik, die Rabbiner Dr. Cohn- Kattowrtz, Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Goldschmidt - Königshütte, Dr. Löwenthal - Tarnowitz, Sanitätsrath Dr. Freund-Gleiwitz, Amtsgerichtsrath Lcvy Beuten, Rechtsanwalt Berger - Königs- Hütte , Amtsgerichtsrath Glogauer-Tarnowitz, Rechtsanwalt Stadtrath Schüler-Gleiwitz, Amtsrichter j Hausmann-Rybnik, Rechtsanwalt Glogauer-Rybnik, Sanitätsrath Dr. Löbinger-Kattowitz, Sanitätsrath Dr. Grätzer- Groß Strehlitz, Kommerzienrath Fränkel- Neustadi, Dr. Wachsner-Groß-Strehlitz, Herr Adolf I Schlesinger-Gleiwitz, Herr Kauffmann-Kosel, Schaal- Sohrau und andere Männer von Namen und Stellung. Sanitätsrath Dr. Freund eröffnete die offizielle Feier mit einer Ansprache, in der er die Geschichte des Waisenhauses schilderte. Der oberschlesische israelitische Gemeindebund (dessen Vor- ' sitzender Dr. Freund ist), habe bisher seine Aufgäbe darin erblickt, auch in die kleinste Synagogentz gemeinde Sitte und Kultur zu tragen, die Wanderf; Mtelet zu beseitigen, für Religionsunterricht zu k sorgen, Vereine zur Förderung des Handwerkes | unter den Juden zu begründen und zu unterstützen, f Der Bund sei glücklich, nunmehr auch dieses erhabene | Werk der Menschenliebe mttgründen zu helfen. Die Anstalt werde mit 15—20 Kindern eröffnet. Raum l sei für 50 Waisen vorhanden. Der Redner schloß seine wirkungsvolle Ansprache mit Dankesworten ian den Regierungs-Präsidenten von Bitter, der jederzeit die Bestrebungen des Gemeindebundes < freudig unterstützt habe, an die Stifter, Spender j und Erbauer und mit dem Wunsche, daß hier die I Kinder zu Gottesfurcht und zur unwandelbaren »

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.