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Der Israelit · 1893-11-06 · Heft 88 (6.11.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 88 (6.11.1893)
Date
1893-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Deutschland. -m- Darmstadt, im Cheschwan- Wohl keine größere Gemeinde dürste eine längere interimistische Versetzung des Rabbtnats haben als Darmstadt; keine Gemeinde auch einen Vorstand, der mit so wenig Energie bei seiner Vorgesetzten Behörde auf endgiltige Regelung der Verhältnisse, wie sie jetzt in der Gemeinde und in der Provinz liegen, drängt. Die Religions-Gemeinde, das ist die Hauptgemeinde der Residenz, ist seit dem im März 1890 erfolgten Tode des seligen Rabbiner Dr. Landsberger ohne definitiv angestellten Rabbiner, da die Regierung, wie angeblich gesagt wird, bis zur Lösung der Frage über das Verhältniß zwischen Stadt- und Landjudenfchaft, ein Definitivum nicht gestattet. Am meisten durch dieses Provisorium hat die Hauptgemeinde Darmstadt zu leiden, und ist es ja gar nicht abzusehen, wann dieses Verhältniß aufhört. Der jetzt in der Gemeinde auf Lebenszeit als Director der Religionsschule (von 63 Kindern, an welcher noch 2 Lehrer wirken,) angestellte Herr Dr. Selver, welcher auch die Rabbinatsgeschäfte versieht, hat es während der vier Jahre seines Hierseins nicht verstanden, sich die Gunst der Gemeinde zu erwerben. Die Religionsschule auch unter dieser Regie, das heißt die Leistungen der Schüler und Schülerinnen sind so mangelhaft, daß selbst mit Prämien entlassene Schüler, also solche, die das 13. Lebensjahre überschritten haben, nicht wissen, was an den betreffenden Tageszeiten gebetet wird, ja es gibt deren, die kaum das 16. Lebensjahre erreicht, nicht mehr des hebräischen Lesens mächtig sind. Wenn nun der Gemeinde-Vorstand die Leistungen der Schule für genügend hält, wenn er glaubt, daß das, was die Schüler lernen, ausreichend ist, so geschieht dies aus dem Grunde, weil eben der größte Theil des Vorstandes selbst nicht, oder doch sehr wenig hebräisch versteht, weil der größte Theil der Hauptaufgabe, zu welcher auch der Gottesdienst gehört, zu wenig Beachtung schenkt, ja den Gottesdienst jährlich nur zwei bis drei mal besucht. Was kann da Gutes bei solchem Vorbilde geleistet werdend Der Vorstand, der wie jetzt bemerkt, sehr wenig in seiner Mehrzahl zum Gottesdienste erscheint, glaubt mit den finanziellen Arbeiten seine Pflicht erfüllt, mit der Anstellung von Beamten seiner Gemeinde Genüge zu leisten. So geschah es, daß während der Krankheit des seligen Rabbiner Dr. Landsberger der Vorstand Herrn Dr. Selver, ohne daß jemand aus der Gemeinde etwas davon wußte, auf Lebenszeit zum Director der Schule anstellte, nachdem der Herr kaum einige Wochen in Darmstadt war, und man über feine Leistungen nur das Lob von auswärtigen Stellen, die der junge Mann begleitete hatte, hörte, seine Leistungen in unserer Gemeinde aber schon nach dessen kurzen Hiersein abfällig beurtheilt wurden. Denke, lieber Leser, was hälft Du von einem Mann, dem Direktor einer israelitischen Religionsschule, dem Vertreter des Rabbiners, der bei einer Versammlung behufs Gründung eines Minjan- Vereins öffentlich sagt: „Meine Herren! Bedenken Sie auch, wenn „Sie einen solchen Verein gründen, wie oft Sie in „die Synagoge gehen müssen!" Es ist unglaublich, wirst Du, lieber Leser, sagen, aber, — es ist wahr, — ttaurtge, nakte Wahrheit — und der Vorstand der Gemeinde, ihn kümmert das nicht, mit solchen Kleinigkeiten befaßt er sich nicht, zu was Synagoge, für die Ungebildeten, für gewöhnliche Menschen ist das Gotteshaus nöthig. Kann unter solchen Umständen eine Gemeinde vorwärts kommen, kann da das Judenthum gehalten werden, oder geht in dieser Gemeinde nicht alles zu Grunde? In einer der größten Städte unseres Nachbarstaates Bayern hat, wie ich höre, die Tochter des Religionslehrers sich mit einem Herrn verlobt, der sein Geschäft am Sabbat geöffnet hält; wahrlich in unserer Gemeinde segeln wir ähnlichen Zuständen entgegen. J. Berlin. In der Versammlung der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" hielt Herr Veringer einen Vortrag über: „Thierschutz, eine wichtige Sittenfrage." Herr Beringer ist ein sehr enragirter Verfechter des Thierschutzes und ein leidenschaftlicher Gegner des Schächtens.

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