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Der Israelit · 1893-11-02 · Heft 87 (2.11.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 87 (2.11.1893)
Date
1893-11-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1657 angenommen hat. Abraham wußte wohl, daß jede solche Würde wie nichts sonst geeignet war, den Neid und Haß seiner Umgebung wachzurufen, er hätte gewiß gern durch Uebernahme eines Amtes, das ihm wohl oft angeboten worden ist, dem Lande seines Aufenthaltes gedient, er mußte im Interesse des dauernd guten Einvernehmens mit seiner Umgebung darauf verzichten. Sein Neffe Lot dachte anders. Er ließ sich in Sodom als Richter wählen, aber kaum gewählt, muß er den Vorwurf hören: „Dieser eine ist als Fremdling gekommen und will Richter sein!" Unsere Zeit hat die Nachkommen Abrahams als als Bürger erklärt, hat ihnen den Weg zu allen Ehren und Aemtern eröffnet, sie haben, wie es wohl Recht war, davon Gebrauch gemacht, und jetzt erinnert man sie aus Schritt und Tritt daran, sie seien doch nur onj, nichts als Fremdlinge! Während Abraham nicht nur nicht vergißt, sondern in erster Reihe einräumt, er sei ein la, ist die Folge dieses Aufstrebens, daß ihn seine Zeit als aann, als Bürger behandelt hat. Wir brauchen die Kehrseite dieses Verhaltens und die Folgen nicht erst zu detailliren, sie liegen offen da. Bei uns haben viele allen Ernstes geglaubt, als man ihnen die Bürgerrechte zuerkannte, sei mit dieser Anerkennung auch das Goluß zu Ende! Unsere Zeit erinnert uns daran, daß wir auch als v'iz und nicht als n’aisnn angesehen werden. Es war eine augenblickliche Begeisterung, ein vorüber flatternder Rausch, der die Menschheit in einem gehobenen Moment, vor nun 45 Jahren bestimmte, ein tausendjähriges Unrecht wieder gut zu machen und auch die fremden Juden, als Menschen, als Brüder, als Bürger anzuerkennen. Die Ekstase ist verflogen, dem Rausch ist die Ernüchterung gefolgt, das ist erklärlich und daher verzeihlich. Aber daß wir Juden selber nur glauben konnten, die Anerkennung als rann, hätte für alle Zeit das verjährte Vorurtheil gegen die raa überwunden, dieser Jrrthum hat sich bitter gerächt. Wir werden deßhalb gut thun auch heute noch das Beispiel von Vater Abraham für unsere Zeit und unsere Verhältnisse zu befolgen. Beweisen wir durch die That, daß der Fremdling-Charakter, den man uns gerne aufprägen möchte, uns nicht hindert, gute, wackere Bürger zu sein! Unsere Bürgertugenden werden um so glänzender leuchten, je mehr man die Anschauung verbreiten möchte, es seien Fremde, welche sie üben. Dieser zopfigen, mittelalterlichen Anschauung, welche den Werth des Menschen von der Scholle abhängig macht, auf der seine Wiege gestanden, fern und fremd gegenüber zu stehen, ist eine Ehre, welcher die Welt früher oder später auch noch die verdiente Anerkennung zollen wird. Aber unabhängig von dem Beifall oder Tadel jeder Zeit, bleiben wir treu den Bürgertugenden, welche bet dem zerstreuten Israel in allen Zeiten und Zonen die Hingebenste Pflege und Förderung gefunden. Je ferner und ftemder wir den bedauerlichen Auswüchsen einer erregten Zeit gegenüberstehen, um so heimischer werden wir uns überall fühlen, wo Edles, Menschliches, Göttliches angestrebt und verwirklicht wird. — Auch in diesem Sinne mag noch heute;eder Jude es vor aller Welt bekennen: ovvp 'dw rwim -u. ZeitnrrgSrrachrichten nttb Correspoudeuze». Deutschland. Mainz, 1. November. Zur Ausführung einer statistischen Arbeit, deren Wichtigkeit nicht erst hervorgehoben zu werden braucht, erbitten wir von der Liebenswürdigkeit der deutschen Leser uns mitzutheilen: 1) Welche Art des Viehschlachtens ist in Ihrem Heimathsorte bei christlichen Metzgern in Gebrauch? 2) Wie bewährt sich dieselbe? 3) Welche Schlachtart war früher eingeführt und aus welchen Gründen wurde sie abgeschafft? 4) Giebt es auch christliche Metzger, welche für eigenen Bedarf die Thiere nicht durch Betäubung (Kopfschlag, Schlachtmaske, Schußmaske, Genickstich rc.), sondern durch Blutentziehung (Halsschnitt) ohne vorhergängige Betäubung tödten? Besonders dankbar wären wir den geehrten Lesern, wenn die Mtttheilungen durch die Schlachthof-Verwaltung (Jnspector resp. Thierarzt) oder durch die christlichen Metzger beglaubigt würden. Redaction des „Israelit". Pose«, 24. Okt. Schwarzenau, ein kleiner Ort zwischen Gnesen und Wreschen, hatte ftüher vor Jahren, als es noch Czerntcjswo hieß, eine starke jüdische Gemeinde. Jetzt da viele theils verstorben, theils nach größeren Städten verzogen sind, blieben nur noch 12 Familien. Die Synagoge ist ein altes ehrwürdiges Gebäude mit großem Umfang, ist aber leider sehr verfallen. Juden und Christen leben daselbst gottlob in sehr gutem Frieden. Vor einigen Jahren war der Herr Regierungspräsident aus Bromberg dort, und wünschte sich auch die Synagoge anzusehen, die demselben selbstredend bereitwilligst geöffnet wurde. Dieses alte Gebäude mit schöner Einrichtung machte einen sehr günstigen Eindruck auf ihn, und sprach der Herr Regterungs-

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