Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1893)
- Date
- 1893-11-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1658 Präsident den Wunsch aus, da das Gebäude ein Ueberbleibsel einer großen Vergangenheit sei, daß dasselbe renovirt werden möge. Auf die Entgegnung des Corporationsvorstehers Herrn A. I. Reimann, daß es nicht angehe, weil die Gemeinde klein sei und nicht genügende Mittel hätte, meinte der Herr Regierungspräsident, daß dies doch bei den Juden nichts zu sagen hätte, indem die anderen Städte doch gerne dazu beitragen würden, und wünschte, daß ein Ausruf dazu erlassen werde, wozu er die Genehmigung ertheilen würde. Dies ist zwar geschehen, aber leider mit wenig Erfolg. Indessen hat die Gemeinde Schwarzenau mit größter Mühe während mehrerer Jahren das Geld zusammen gespart und wurde die Renovirung diesen Sommer zur Ausführung gebracht, so daß die paar Familien jetzt eine prachtvolle Synagoge haben. Die Nachbarstadt Gnesen, welche im Sommer in ihrer Synagoge Gasleitung anbringen ließ, schenkte uns sechs schöne große Kronleuchter, die eine wahre Zierde sind, und fand vor den Feiertagen die Einweihung statt. Viele große Städte konnten sich einer solchen großartigen Einweihung nicht rühmen. Daß die Feier so gelungen und so glanzvoll verlief, verdankte man nicht zum wenigsten dem Entgegenkommen und der Menschenfreundlichkeit des dortigen Grafen Herrn v. Skorzewskt. Derselbe schickte aus dem Treibhause seines Schloßgartens sechs große Wagen der schönsten Bäume. Gewächse und Blumen, bestellte zur Decorirung seinen Schloßgärtner, so daß die Synagoge, die Vorhalle und der Eingang in einen wahren Prachtgarten umgewandelt schien. Alle Einwohner und Fremde bewunderten diese Herrlichkeit. Zwei ohdd blieben in der Synagoge zurück, die anderen onsD waren beim Vorsteher Herrn Reimann untergebracht. Diese wurden alsdann mit Betheiligung der Einwohner aller Confessionen. der Herr Bürgermeister an der Spitze, mit Gesängen unter einem Baldachim nach der Synagoge gebracht, dann wurden die zwei zurückgebliebenen onso entgegengebracht und von dem Cantor mit lautem ton ina begrüßt. Darnach bestieg der ehrwürd. Rabbiner Herr Dr. Jacobsohn aus Gnesen die Kanzel und hielt eine ergreifende Rede vor versammelter Menge, worunter man Mitglieder aller Confessionen bemerkte, lobte die Eintracht und den Frieden, der hier herrsche, dankte dem Grafen Herrn v. Skürzewski für die Ausschmückung, segnete den Bau, erwähnte noch rühmend der großen schönen Fenster durch welche man von außen hineinsehen könne, d. h., daß die jüdische Religion keine Geheimnisse habe, und daß man von außen die Sitten und das Thun der Israeliten sehen könne, für jeden zugänglich, daß wir vor Niemandem uns zu schämen brauchen, ' und wünschte das weitere friedliche Verhalten. j Abends versammelten sich bet Herrn Reimann die ganze Gemeinde, der Herr Bürgermeister und noch viele Herren anderer Confessionen zum gemeinsamen Feste, und wurden viele Toaste ausgebracht, der erste auf den Kaiser, dann auf die jüdischen Gemeinde u. s. w. und trennte man sich erst in später Nacht. Vorige Woche ließ Herr Graf v. Skörzewski, der die Ausschmückung über die ganzen Feiertage stehen ließ, nachträglich noch anzeigen. daß er durch seinen Gärtner um die Synagoge schöne Bäume pflanzen l assen werde. R. Lew in. -> Vermischtes. < Düsseldorf im Oktober. Schon längst hat sich in unserer Synagogen-Gemeinde das Bedürfnitz nach einem gutgeschulten, geregelten Synagogen-Chor gelteno gemacht, da der bisherige den Ansprüchen unserer stets im Wachsen begriffenen Groß-Gemeinde nicht mehr genügt. Allseitig begrüßte man daher mit Freude das Anerbieten unseres neuen Cantors, Herrn Hermann Zivi, einen Verein ins Leben zu rufen, dessen Aufgabe es sein soll, den obwaltenden Mihstanden abzuhelsen. Seinem eifrigen Bemühen und rastlosen Streben ist es nun auch zu verdanken, daß sich vor einigen Wochen unter dem Namen „M ä n n er - G e s a n g - Verein „Loge" ein Verein constituirte, der sich zum Hauptzweck seiner Wirksamkeit unter der Direktion des Herrn Zivi die Pflege des Synagogengesanges zur lobenswerthen Aufgabe gemacht hat. Der Verein, der sich der Sympathie unserer Gemeinde erfreut, besteht bereits aus einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern, die sich mit Eifer und Ausdauer der guten Sache freudig widmen. Hinsichtlich der Lokalfrage war man bald schlüssig. Das neu eingerichtete „Hotel Frank" war gerade wie dazu geschaffen und der Besitzer desselben. Herr Frank, stellte dem Verein einen Saal bereitwilligst zur Verfügung. Anher seiner Hauptaufgabe, der Pflege des Synagogengesanges, betreibt der Verein noch das Studium weltlicher Chöre. — Am kommenden Chanukka-Fest will uns, wie verlautet, der Verein in einer Abendunterhaltung, welche gleichfalls im „Hotel Frank" stattfinden soll, zeigen, was er in der kurzen Zeit seines Bestehens zu leisten vermag. Wir sehen den Darbietungen des Vereines gespannt entgegen und wünschen, dah er zur Verherrlichung r und Verschönerung unseres Gottesdienstes blühen und gedeihen möge! Aus Gcrmersheim (Rheinpfalz) wird den „Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" mitgetheilt, dah in der dortigen Garnison ein jüdischer Offizier sich befindet. Derselbe ist Premierlieutenant und Bataillonsadjutant. Wien. In Prag befindet sich das Lamel'sche Ltiftungshaus, welches neben 25 israelitischen auch 25 christlichen Familien lebenslängliche Freiwohnung bietet; imReach'schen Stiftungs- Hause sind neben 6 jüdischen 6 christliche Parteien lebenslänglich untergebracht und erhalten obendrein 6 fl. monatlich als Handgeld. Bei dem Stadtrathe in Prag ist eine Reihe jüdicher Stiftungen nur für Christen, z. B.: D. >B. Frankl pr. 198 fl. jährlich, Freund, Rosenberg, Teller, Bunzl, Heller, und noch mehrere. Philadelphia, 28. September. Die am letzten Jom Kippur in den hiesigen Synagogen für jüdische wohlthätige Zwecke gespendeten Summen erreichten die imposante Höhe von 80000 Dollars (ca. 80000 Mark).