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Der Israelit · 1893-11-02 · Heft 87 (2.11.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 87 (2.11.1893)
Date
1893-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage M M 87 des „Israelit". Leitender Artikel. Aremd und Keimisch. (Zu Paraschath Chaje Sarah.) Mainz, 1. November. Als Vater Abraham sich von der warmen Leiche seiner Lebensgefährtin erhob, um die Söhne Chet's um ein Grab zu bitten, kleidete er diese Bitte in die Worte: m3pxi DDoy 13p nnnx H un dddv ’3Jn 3mm u .\2Dte 'Nv „Fremd und heimisch bin ich bei euch, gebt mir ein Eigenthum für ein Grab bei euch, damit ich meinen Tobten vor mir begraben kann." Die Söhne Chets wollen ihn nicht ^verstehen. Als die Nachkommen Abrahams schon Jahrtausende auf dem ganzen Erdenrund zerstreut, sich in aller Herren Länder augesiedelt hatten, wollten die Herren der Länder sich auch nur schwer dazu verstehen den fremden Eingebürgerten das Recht Grund und Boden zu erwerben einzuräumen. An diesem Vorrecht hielten sie Jahrtausende lang zähe fest. Sie bewiesen bei dieser Zähigkeit allerdings weniger Noblesse als die Söhne Chets, welche Abraham ein Grab unentgeltlich überlassen wollten. Aber nur unter ihren Gräbern wollen sie ihm ein Grab gestatten, da werde sich sicher keiner weigern, dem Bittsteller sein Grab zu überlassen; es ist ja ein Gottes-Fürst, wie sie ihn anreden, der sie um diese Gnade bittet. Vielleicht liegt in dieser Bezeichnung, Gottesfürst, 'dr nhm, bei dieser Gelegenheit gerade gebraucht, eine feine Anspielung, welche Abrahams Anspruch auf Grund und Boden in Frage stellen soll. Abraham hatte damals schon sechzig Jahre in dem Lande gelebt, das ihm von Gott für seine Nachkommen als Eigeuthum zugesagt war. Diese feierliche göttliche Verheißung war kein Geheimniß, sie war es am wenigsten in dem Lande selber, in welchem Abraham nun schon so viele Jahre lebte und wirkte. Als Jahrhunderte später den aus der ägyptischen Sklaverei erlösten Enkeln auf dem Wege in das Land ihrer Verheißung sich die Meeresfluten theilten, damals sprachen sie es aus, wie diese Thalsachen den Völkern und ihren Fürsten je nach dem Verkehr, den sie mit den Stammvätern hatten, mehr oder weniger bekannt war. iSrüJ TN '2V' TJTN ^>'N D’DV WO* •1JJJ3 '3»" ^3 TJDJ Ijn TDTnN’ 2N1D ’V’N DHN’Sl'pN In dem Philisterland, woselbst die Ahnen sich wiederholt vorübergehend niedergelassen hatten, dort wußte es die Einwohnerschaft. In Edom und Moab, mit welchen Ländern sie nicht in unmittelbaren Verkehr ständen, wußten es wenigstens die Fürsten und Herren, aber in Kenaan, dem eigentlichen Aufenthalt der Väter wußten es alle Einwohner, daß dieses Land Abraham und seinen Nachkommen als Eigenthum von Gott verheißen war, und waren daher in Furcht aufgelöst. Diese Erwägung mag auch die Söhne Chets bestimmt haben, dem Prätendenten auf ihr Land, durch die Einräumung von Grund und Boden, keine greifbare Unterlage zu gewähren. Und wenn — nach der Andeutung der Weisen — die Betonung des 3rnn-Charakters in Abrahams Munde, eben auf diese Berechtigung an das Land, auf Grund der göttlichen Verheißung hinzielt, so will die Antwort, welche Abraham als 'x mw als Gottes-Fürst feiert, in feiner, verbindlicher Weise vielleicht sagen: Deine Ansprüche auf unser Land beruhen nur auf einer Verheißung Gottes. Du bist ein Fürst, aber nicht über Menschen, ein König, aber ohne Land, du bist nur ein Fürst von Gottes, aber nicht von Menschen Gnaden in unserer Mitte. Es ist selbstverständlich, daß deine verstorbene Gattin bei uns ein Grab finden soll, jeder wird sich's zur Ehre rechnen, die irdische Hülle einer Sara in fein eigenes Erbbegräbniß aufzunehmen, aber den Grund und Boden in diesem Lande einzuräumen, das widerspräche aller Staatsraison. Abraham hat das Kritische der Situation gewiß nicht erst jetzt, sondern lange vorher erkannt. Sonst hätte er nicht bis nach dem Ableben seiner Sara mit dem Erwerb einer Stätte für ihre Bestattung gewartet. Konnte er doch nicht wissen, ob er nicht vor seinem Weibe abgerufen würde und hätte schon diese Erwägung dringend für eine möglichst frühzeitige Erwerbung einer Begräbnißstätte plaidiren müssen. Aber wenn Angesichts der Leiche, die der Beerdigung wartet, Abraham auf solches, wenn auch in verbindlichen Formen gekleidetes Widerstreben stößt, welchen Widerstand hätte er zu erwarten gehabt, wenn er schon früher einen Schritt in diesem Sinne gewagt hätte! Es gelingt nun Abraham das Widerstreben dadurch zu überwinden, daß er sagt, er verlange nur eine Höhle, also eine Oertlichkeit, die von vornhinein jede Möglichkeit ausschltcßt, dieses Besitzthum je für etwas anderes verwenden zu können, als für den Zweck eines Begräbntßplatzes. Es ist nicht zu befürchten, daß nun Abraham im Besitz dieses Grundstücks etwa darauf eine Burg erbaut und von diesem festen Punkte aus das ganze Land in seinen

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