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Der Israelit · 1893-11-02 · Heft 87 (2.11.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 87 (2.11.1893)
Date
1893-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1654 die Ettern zu besänftigen, daß sie ihrem Kinde nicht fluchten. Jmmer,wieder wußte er ihnen Trost und Hoffnung einzusprechen und" das Wort: „Gott führt die Seinen wunderbar", ließ das schwache Fünkchen Hoffnung, das in ihrem Herzen immer noch glimmte, nicht erlöschen. Es ist ein herrlicher Herbsttag. Ein azurblauer Himmel wölbt sich über die Fluren und die Wiesen und läßt die tausend verschiedenen Farben des herbstlichen Laubwaldes so recht zur Geltung kommen. Murmelnd zieht der kleine Gebirgsbach neben der Landstraße einher, seine steilen Ufer sind eine gute Weide für die kleine Ztegenherde, welche ruhig unter den hohen Bäumen an der andern Seite lagert. Da kommt ein Calvacade die Straße daher. Herrliche Pferde, ausgezeichnete Renner, reinster Raffe, tragen muntere Herren und lebenslustige Damen pfeilschnell dahin, so daß eine Wolke Staub aufgewirbelt wird. Run mäßigen die Pferde ihre Eile; straff ziehen die Reiter die Zügel an und langsamen Schrittes zieht die Calvacade dahtn. Munteres Lachen ertönt silberhell aus dem Munde der schönen Damen, Neck- und Scherzreden fliegen hin und wieder, eine übermüthige, frohe Jugend läßt ihrer Laune die Zügel schießen. Wer möchte es ihr verargen! Man ist nur einmal jung; einmal vergangene Zeit kehrt nie wieder, darum genießet die Jugend, ehe sie vergeht. Das sind die Grundsätze der Reiter und Reiterinnen und die gerötheten Wangen und blitzenden Augen zeigen, daß man sich mit Wonne dem Lebensgenüsse hingibt. Einer der Herren ist stiller, als die übrigen. Sein Pferd, ein feuriger Araber ist mit Schaum bedeckt und seine fortwährende Unruhe hat ihre Ursache nicht in seinem Temperamente, sondern in der dem Pferde ganz ungewohnten Laune feines Herrn. Unmuthtg bläst es den weißen Schaum aus seinen Nüstern, jetzt steigt es kerzengerade in die Höhe und nur ein geübter, tüchtiger Reiter vermag dabei im Sattel zu bleiben. „Was hat Ihr Emir nur heute, Herr von Maibaum", fragt eine der Damen, besorgt ihr eigenes Pferd aus der gefährlichen Nähe leitend. „Er scheint nervös zu sein", entgegnete einer der Herren und die andern lachten ihm Beifall. Wieder stieg das Pferd in die Höhe und eine Blutwelle überflutheteffdas^Gesicht des Reiters. Er saß wie aus Erz gemeißelt^fest im Sattel und ein spöttisches Lächeln umzuckte die Mundwinkel. „Lassen Sie die gefährlichen Kunststücke", bat jetzt Gräfin Madeleine, „wir wissen alle, daß Sie ein fescher Reiter find." Ein Wort aus dem Munde des Reiters und das unruhige Pferd ging lammfromm neben dem Zelter der Gräfin. „Sie sind verstimmt, Matbaum?" fragte leise die Gräfin. „Wie sollte ich es nicht sein, da gefährliche Nebenbuhler meine Göttin umschwärmen?" „Fürchten Sie dieselben, so geben Sie den Kampf auf. Durch Schmollen wirbt man nicht die Gräfin Varsovice." Ein Schnalzen mit der Zunge und ihr Zelter flog dahin an die Seite einer Freundin. Lachend unterhielt sie sich mit derselben ohne einen Blick auf Matbaum zu werfen. Zähneknirschend blieb dieser hinter den andern zurück und verschlang mit seinen Augen die liebliche, biegsame Gestalt der Gräfin. (Fortsetzung folgt.) Der »SBtaeltt' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Breis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchtzan-et M inyirhrn bei T. /. -teinacker. Leipzig, stohplatz IS. — Inserate 3b Pfennig die dreigespalteue Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichtsche Banknoten laut Tour». — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mä Oesterreich U Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufenden. Mne Rilstsentznng von a» die Redaktion eiugesandte» Mannscritzten stützet nicht statt, «an tztttet deshalb fich von alle« Einfendnnge« eine Kopie znritckzntzehatte«. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Agitation gegen das Schächten. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Dresden. Gelsdorf. — Rumänien: Bukarest. — Vermischtes. — Feuilleton: Der verlorene Sohn. Erzählung von H. Berger. (Fortsetzung.) Inhalt bet ersten Beilage: Leitender Artikel: Fremd und Heimisch. (Zu Paraschath Chaje Sarah.) — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Polen. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Antisemitismus auf dem IV. Parteitag der deutschen Socialdemokratie. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aschaffenburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierz« zwei Beilagen.

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