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Der Israelit · 1893-11-02 · Heft 87 (2.11.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 87 (2.11.1893)
Date
1893-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1652 Rumänien. Bukarest, 12. Qkt. Der Schaden, welcher unserem Lande aus der harten Behandlung der Juden, die zur Auswanderung Z getrieben werden, erwächst, wird von einem der griechisch-orthodoxen Kirche angehörenden Rumänen in einem hier erscheinenden Blatte in lebhaften"'Farben? geschildert. Unter Anderem sagt er': „Eine große Anzahl dieser Emigranten sind Handwerker, wie Schuhmacher, Tischler, Schneider, Pelzarbeiter. Wir wollen nicht von den Specialisten sprechen oder von geistig hervorragenden Männern, welche allesamt dem Lande von großem Nutzen waren, aber von dem jüdischen Ackerbauer, welcher sich unserer Landbevölkerung besonders nützlich erwies. Die Abwesenheit dieser agriculturellen Arbeiter sängt an, sich stark fühlbar zu machen, nur wenige Rumänen widmen sich demselben und können sich entschließen, auf dem Lande zu wohnen. Der arme Bauer, welcher in früheren Jahren mit Leichtigkeit seine Pelze und sonstigen Kleidungsstücke im Umtausch für Hühner, Eier und Bodenproducte repariren lassen? konnte, muß jetzt nach der Stadt gehen und dort die Ausbefferung vornehmen lassen, wofür er mehr zu bezahlen hat, als der wirkliche Werth ist. Er muß in Baar bezahlen, was der rumänische Bauer nicht leicht bewerkstelligen kann. .. Wenn ein Wechsel stattgefunden hat, so sind die jetzigen Zustände unzweifelhaft viel schlechter als die vorangegangenen. Die Parteigänger, welche die Wohlfahrt des Landes im Auge haben, müssen zur Erkenntniß gelangen, daß in gegenwärtiger Lage ihre Erwartungen gewiß nicht verwirklicht werden können, also viäsavt consulesl Diejenigen, welche der Welt über die Ursachen der jetzigen Nothlage Sand in die Augen streuen wollen, sollen und müsien entlarvt werden. . . Die Juden bilden ein Element, das viel Gutes und Nützliches leistet, und ihre Auswanderung kann dem Lande nur zum Schaden gereichen." > Vermischtes. < Berlin, 24. Oktober. Gegen den Professor Dr. Paul Förster zu Friedenau so wie gegen den Redakteur Dedo Müller von der „Staatsbürger-Zeitung" stand gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I, Termin wegen Beledigung durch die Presse an, die bei Besprechung des Buschhoff-Prozeffes Dr. Förster in einem öffentlichen Vorträge begangen hat und die in einem Bericht in der „Staatsbürger-Zeitung" wiedergegeben wurde. In diesen Ausführungen findet die Anklage Beleidigungen des ersten Staatsanwalts Baumgart und des Landgerichtsraths Brixius zu Cleve. Es kam nicht zur Verhandlung, da Professor Förster ein Krankheits-Attest eingereicht hatte. Wie». Der neue Kriegsminister hat angeordnet, daß die Rekruten vor ihrer Beeidigung in ihren betreffenden Gotteshäusern über freudige Hingebung an Kaiser und Reich belehrt werden. In Folge dessen wird Mittwoch den 1. November, nach 8 Uhr Morgens ein feierlicher Gottesdienst für die jüdischen Recruten im israelitischen Bethause der inner» Stadt abgehalten. Paris. 16. Oktober. Die bei der Thoravorlesung an den letzten Feiertagen in den hiesigen Synagogen gespendeten Gaben betrugen 25,650 Francs. Algier. In St. Eugene nahe von Algier wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Die Kosten des Baues wurden ganz von einer einzigen Persönlichkeit, dem Herrn Israel Stora, gedeckt, der bis dahin der jüdischen Gemeinde in Algier so manchen wichtigen Dienst geleistet hatte. He« ille ton. Der verlorene Sahn. Erzählung von H. Berger. (Fortsetzung.) (Alle Rechte Vorbehalten.) Unbeirrt um das Thun und Treiben der Menschen eilt die Zeit dahin. Geschlechter entstehen und vergehen, Welten werden entdeckt und Erdtheile versinken; nichts hemmt ihren eilenden Lauf und auch nicht das Schicksal der Menschen, das sich an den Lauf der Zeit bindet und erst dann erfüllt ist, wenn die Zeit um ist und sie in die Pforte der Ewigkeit etngetreten sind. So ging auch das Schicksal der Menschen, von denen wir erzählen, in Erfüllung. Immer weiter gähnte die Kluft zwischen der fürstlich eingerichteten Junggesellenwohnung an der elegantesten Straße der Stadt und dem einfachen und gemüthltchen Elternhause, immer größer wurde der Abstand zwischen dem Fühlen und Denken des Sohnes und dem seiner frommen Eltern, und während er täglicher Gast in Häusern seiner aristokratischen Gönner und Freunde wurde, blieb er ein Fremder im Hause der Eltern und verkehrte mit dem Vater nur noch durch seinen Prokuristen. Er war in kurzer Zeit ein berühmter Sportsmann geworden, dessen Pferde auf dem Rennplatz von Baden und Paris erste Preise erhielten. Barone und Freiherrn waren seine Dutzbrüder und manches hübsche Mädchen, der baute üuauee seines Volkes angehörend, blickte ihn mit den Augen der Liebe an, ohne mehr als ein stolzes Lächeln auf seinem Gefickte hervorzurusen. Er interessirte sich nur für ein Mädchen, das aber für ihn unerreichbar war. Die junge Gräfin Madeleine von Varsovice, deren Eltern in Rußland reich begütert waren und deren Schönheit und Liebenswürdigkeit alle die sie kannten, entzückte, hatte sein Herz entflammt und ihn in leidenschaftlicher Liebe für sie entbrennen lassen. Er gehörte zu ihren eifrigsten Verehrern und zu ihren glühendsten Bewerbern und es verging kein Tag, an dem er nicht einige Stunden in ihrer Nähe verbrachte. Die junge Gräfin fand Gefallen an der Unterhaltung des jungen, hübschen Mannes und bevorzugte ihn auf jede Weise. Daß man dem Juden diese Bevorzugung mißgönnte und ihm seine Abstammung hinter seinem Rücken als Verbrechen anrechnete, darf uns nach den Ansichten die in jenen Kreisen herrschen, nickt wundern; wenn Gabriel auch manche spitze Bemerkung vernehmen mußte, so war er doch zu gutmüthig, um dieselbe übel zu nehmen und den Spötter zur Rechenschaft zu ziehen.

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