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Der Israelit · 1893-10-30 · Heft 86 (30.10.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 86 (30.10.1893)
Date
1893-10-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1640 vornehm fern zu bleiben, sondern mit Hintansetzung aller persönlichen Bedenken rückhaltlos in den Kamps für die bedrohten Errungenschaften unseres Geschlechts einzutreten. „Jetzt kann doch wohl niemand mehr meinen, der Antisemitismus sei nicht ernst zu nehmen. Man kann diese schwere Erkrankung unserer Volksseele vielmehr nicht ernst genug nehmen. Der Feind steht nicht mehr vor den Thoren; er ist bereits in die Festung etngedrungen. Wer noch die Hände in den Schoß legt, der vergißt, daß in den Zeiten schwerer öffentlicher Gefahr der einzelne auch öffentliche Pflichten zu erfüllen hat. Nur mit Aufbietung aller Kräfte können große Gefahren glücklich bekämpft werden." Im zweiten Theil „Von der Wiege bis zum Grabe" begleitet der Vers, den Juden durch sein ganzes Leben und zeigt, wie er in jedem Alter und jeder Stellung als Jude zu leiden hat, und wie der Staat, indem er ihm manche Carriere geradezu verschließt, ihn in Mißachtung bringt und sein Versprechen, das er in der Verfassung gegeben, die Religion solle für Amt und Stellung kein Hinderniß sein, nicht einlöst. Auch dieser Theil der Schrift weist wohl zu beherzigende Punkte auf und trifft das Richtige, was Staatsmänner wohl der Beachtung werth halten dürften. Wir empfehlen die Schrift aufs angelegentlichste; der geringe Preis (50 Pf.) ermöglicht jedem leicht die Anschaffung und damit die Gelegenheit einer herzerfreuenden Lektüre; herzerfreuend, weil es in unserer Zeit des Hasses eine Freude und Herzerhebung ist zu sehen, daß cs doch noch Menschen gibt, die ideal genug für Verfolgte und Mißachtete mit freimüthigem Worte den Kampf aufnehmen, auf die Gefahr hin, nicht nur Spott, sogar Schimpf und Feindschaft dafür zu ernten. Zeitrrngsnachrichterr und Correspoudeuzeu Deutschland. Berlin, 23. Okt. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens versendet den folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: „Zum ersten Male tritt der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an alle diejenigen deutschen Juden heran, die aus der Noth der Zeit die Erkenntniß geschöpft haben, daß es unsere Pflicht sei, endlich im Lichte der Oeffentlichkeit Selbstvertheidigung zu üben. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich vornehmlich folgende Ziele gesteckt: er will gegenüber den Anfeindungen, denen die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ausgesetzt sind, die staatsbürgerlichen Rechte der Juden wahren und in den Juden selbst das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Volke trotz aller Verhetzungen nicht verkümmern lassen. Durch Wort und Schrift, durch öffentliche Versammlungen und Vorträge will er den Einzelnen mit den Waffen ausrüsten, die ihn befähigen, den aufgedrungenen Kampf im Geiste der Wahrheit zu bestehen; er will durch alle Mittel der Oeffentlichkeit Freund und Feind aufklären über das Wesen des Judenthums, über das Denken und Empfinden der Juden im Deutschen Reiche. Er wird insbesondere ein ständiges Bureau unterhalten, das für alle Abwehrbeftrcbungen den nothwendtgen Mittelpunkt bilden soll. Dieses Rechtsschutzbureau soll überall, wo Juden um ihres Judenthums willen Beeinträchtigung oder Zurücksetzung erfahren, mit allen gesetzlichen Mitteln — Vorstellungen, Klagen, Strafanträgen, Petitionen u. s. w. — dem bedrohten oder verletzten Rechte zu Hclfe kommen. Der Beitritt zu unserm Verein erfolgt durch eine Erklärung au den Unterzeichneten Vorstand, mit Zeichnung eines jährlichen Beitrags (nicht unter 2 Mark). Einmalige Beiträge zur Bestreitung der Kosten für die ersten Einrichtungen sind dem Belieben des Einzelnen anheimgestellt. Auf den Beitritt erfolgt umgehende Zusendung aller unserer Veröffentlichungen. Wir fordern alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens auf, sich unseren Bestrebungen anzuschließen. Mit der Vertheidtgung unserer Gleichberechtigung kämpfen wir für das höchste Gut der Menschheit, für die heiligsten Interessen unseres deutschen Vaterlands! Der Vorstand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin, Kronenstr. 22, II." Berlin, 27. October. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die geehrte Redaction ersuche ich um gütige Berichtigung des Referats über meine Rede bei der Entlassung des Dr. E. Munk, in voriger Nummer des „Israelit". Nicht darüber habe ich meiner Freude Ausdruck gegeben, „daß Dr. Munk so freudig und muthig den Kampf ausgenommen habe," wie es in jenem Referat heißt. Ich habe unter Zugrundlegung der Schriftstelle im Wochenabschnitte ib np »imm tpen H;n hervorgehoben, daß Dr. Munk im Gegensatz zu Anderen, gerade einen Wirkungskreis sich erkoren habe, der ihm eine reiche Geistesthätigkeit, aber keinen reichen materiellen Gewinn eintragen werde. Er strebe nur an, für die „Seele zu arbeiten, und überlasse es Anderen, „Vermögen" zu gewinnen. In einer Zeit, wo der Materialismus auch den rabbinischen Berufskreis leider oft stark durchwühlt und den sonst demselben von Alters her eigenen Idealismus — populär mit „d’op d^" bezeichnet — grausam zerstört, dürfte es am Platze gewesen fein, auf ein solch' seltenes Beispiel von

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