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Der Israelit · 1893-10-30 · Heft 86 (30.10.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 86 (30.10.1893)
Date
1893-10-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1641 I Selbstverleugnung und Opferwtlligkeit mit besonderem! Nachdrucke hinzuweisen — toniro na-p lmoa. I Dr. A. Berliner. I Asten.! Siugapore, im September. Unsere Stadt, Ibie eine willige Station auf dem Seewege von Indien nach China und Japan ist, hat auch für die in den hinterindischen Hafenstädten und dann auch auf den indischen Inseln, die bekanntlich m Holland gehören, zei streut lebenden englischen, holländischen, deutschen, russischen und französischen Inden ihre Wichtigkeit, da hier eine Synagoge existirt, welche, wenn die hohen jüdischen Feiertage herannahen, auch manchen Andächtigen aus den benachbarten Häsen und Ländern an sich zu ziehen pflegt. I Auch die Dampfschiffe, die nach Ostasien oder Australien gehen oder von dort her kommen, pflegen denn manchen Reisenden hier aus Land zu setzen, der das Neujahrfeft oder den Versöhnungstag nicht auf dem Meere, sondern in der Milte seiner Glaubensgenossen verbringen will. Daher kommt es, daß unsere Synagoge an den hohen jüdischen Feiertagen Gäste aus den verschiedensten Ländern der Welt zu sehen pflegt. Afrika. J Johauuisburg (Nord-Afrika.) Nur selten dringt von unseren jüd. Gemeinden eine Nachricht zu unseren europäischen Glaubensgenossen hinüber. Es müßte denn schon ein außerordentliches Ereigniß sein, das, wie z. B. dies, worüber ich momentan berichte — hierzu Veranlassung gäbe. Ein grauenhafter Mord eines jungen vor 3 Monaten eingewanderten I Israeliten ist es, worüber ich heute leider berichten muß. Aus Rußland ausgewiesen, war der junge in Pacewicz (Kowno) gebürtigte Mann, hierhergekommen, um hier einen Lebenszweck anzustreben. Da er für sich noch keine passende Beschäftigung ausfindig gemacht hatte, nahm er einstweilen eine Stellung I als Hausdiener in einem Restaurant an. Am 27. I Juli c. erkrankte der Wirlh und fuhr nach einer größeren Stadt, um dort die Aerzte zu consultiren. Er ließ den jungen Russen mit einem Neger allein in der Wirthschaft zurück. Am folgenden Tage wunderte sich der Gemeind.diemr das Restaurant des Mittags noch geschlossen zu finden, man erbrach die Thüre und fand die Leiche des fremden Russen in ihrem Blute. Leider ist mit dem verschwundenen Neger auch jede Spur des Mörders verloren gegangen. — Unser als wohlthätig bekanntes Mitglied S. Nathansohn hat eine Collecte veranstaltet, um der unglücklichen Gattin, welche im a elterlichen Hause in Ladajawo weilt, unter die > Arme zu greifen. — Im nahegelegenen Dorfe Langlachte tarn der isr. Verwalter der Goldmine in sein Bureau und ließ beim Anzünden des L chteS ein brennendes Streichholz auf eine mit Dynamit gefüllte Kiste fallen. Der Dynamit entlud sich augenblicklich und begrub den Unvorsichtigen, sowie zwei im Zimmer anwesende Neger in den Flammen des berstenden Gebäudes. Wir besitzen hier sowohl eine orthodoxe als auch eine reformirte Gemeinde, jedoch sind beide unter einem Vorstände vereinigt. Im Chor der Reformgemeinde singen die jungen Damen; finden Sie das nicht reizend, Herr Redacteur! Dank den Bemühungen des Vorstandes entwickelt sich unsere Gemeinde immer mehr und mehr. So besitzen wir jetzt bereits eine Reihe von humanen Vereinen und gemeinnützigen Instituten. Auf Veranlassung unseres Cantors wird hier momentan eine rituelle Badanstalt mpD errichtet. Auch ein „Vorschußverein" ist unlängst hier gegründet worden. Sein Zweck ist, Ankömmlingen, die sich hier Existenz suchen, Geschäfte linzurtchten und Waaren zu verabfolgen gegen spätere Rückzahlung. — Auch zwei Schächter besitzt unsere Gemeinde, die uns mit Koscher-Fleisch zu versorgen haben. Leider haben wir uns in dem einen getäuscht. Durch seinen unmoralischen Lebenswandel kamen wir darauf, nachzuforschen, und so brachten wir dann in Erfahrung, daß er nie das Schächten erlernt hat. Der Entlarvte stützt fich nun auf eine ibm angeblich vom Rabbiner in Janowe ertheilte Prüfung die Erlaubniß in Afrika als Schächter zu fungircn. Dem wird hoffentlich nicht so sein! — Die Zukunft wird es ja lehren! — Sonst wäre es traurig bestellt mit den europäischen Rabbtnen, wenn sie unbekannten, nie gesehenen und geprüften Menschen Erlaubniß zur Ausführung eines solch weittragenden religiösen Aktes ertheilen. — > Vermischtes. Berlin, 21. Okt. Aus Gnesen wird gemeldet: Zur Abwehr des von den Antisemiten den jüdischen Soldaten gemachten Vorwurfs des Mangels an der im Kriege erforderlichen todesmuthigen Tapferkeit und Treue möge auch folgende wahrheitsgetreue Abschrift einer in der hiesigen Synagoge angebrachten Gedenktafel beitragen: „Leopold Hirschberg, Sohn des Kaufmanns Markus Hirschderg in Gnesen, diente als Einjähriger Freiwilliger in der 10. Kompagnie des 2. Garderegiments zu Fuß. Er starb den Tod des Helden in der Schlacht bei Königgräy am 3. Juli, während er seinen verwundeten Major aus dem Kugelregen trug. König Wilhelm ehrte sein Begräbniß durch Seine Allerhöchste Gegenwart. Frankfurt a. M., 19. Oktober. Es ist dahier die Gründung eines Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Gange. Die konstituirende Generalversammlung ist in das Lokal der Israelitischen Männerkrankaffe, einberufen. Es sollen die Statuten festgesetzt und der Vorstand gewählt werden.

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