Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1893)
- Date
- 1893-10-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1638 der Sohn auch in dieser Hinsicht selbstständig, sein eigener Herr. Als die Mutter davon hörte, machte sie dem Vater Vorwürfe, aber es war zu spät. Durch diese väterliche Schwäche war denn auch die Verbindung zwischen dem Sohn und dem Elternhause fast vollständig abgeschnitten, und nur von Fremden hörten sie noch, wie nobel ihr Sohn lebe, in welch' aristokratischen Kreisen er verkehre, wie selbst die Damen jener erclusiven Kreise die Huldigungen des bildhübschen Mannes wohlgefällt entgegennehmen. Während ihnen ihr Sohn solches Herzeleid bereitete, hatten sie Freude und Vergnügen an Gabriel. Er war bescheiden, fleißig und fromm und lebte nur den alten Leuten zu Gefallen; er that, was er ihnen an den Augen ablesen konnte. Kein Weg war ihm zu weit, fleine Stunde in der Nacht zu spät, kein Wetter zu schlecht, wenn er ihnen einen Gefallen oder eine Freude bereiten konnte. Er war ein kluger Kopf, d^r sich rasch in das Geschäft eingearbkitet hatte, und schon nach kurzer Zeit war er die rechte Hand R. Maibaums. Mehr noch als seine Tüchtigkeit im Geschäft erfreute Maibaum sich an seinem Eifer im Studium der Thora, und der Vater, dessen Ideal einst war, seinen Sohn den Born des Lebens, die Tiefen der Wissenschaft der Thora selbst erschließen zu können, fand diese Freude an einem Fremden, der ihm bald ebenso lieb wie sein eigenes Kind wurde. Nach des Tages Last holte Gabriel aus eigenem Antrieb die Folianten herbei, machte einen bequemen Sitz für R. Maibaum zurecht und wartete mit Ungeduld bis derselbe kam und mit ihm lernte. Gar manches schöne Wort wußte der Knabe noch von seinem seligen Vater, seinem ersten Lehrer und manches herrliche Ware hörte er von R. Maibaum, der, ehe er in Deutschland ein Geschäft gegründet, auf einer ungarischen Jeschiba zu Füßen eines der Geone jisroel gesessen und aus dessen Mund Wissen und Weisheit vernommen hatte. Dann blitzten die Augen des Knaben, dann glühten seine Wangen, dann hing sein Blick an dem Mund des Lehrers, damit ein Wort, welches dem Ohr hätte entschlüpfen können, von dem Blick aufgefangen und zum Bewußtsein gebracht werden. Anfangs hatte Matbaum ihn nach seinem Willen mit Maaren hausiren gehen lassen; als er aber sah, daß Gabriel ihm im eigenen Geschäfte mehr nützen konnte, hatte er ihm, da er auch die Zukunft des Jünglings im Auge hatte, Privatunterricht in den kaufmännischen Wissenschaften ertheilen lassen, ihn ln's Comptoir genommen und ihm ein monatliches Honorar ausgesetzt. Dieses Honorar, welches zur Bestreitung von Gabriels Bedürfnissen diente, war anfangs sehr klein; trotzdem brauchte er dasselbe nicht auf, und als R. Maibaum nach einiger Zeit ihm Zulage gab, kannte seine Freude keine Grenzen. Nun konnte er sparen! Und wie sparte er! Pfennig um Pfennig sammelte er, bis er so viel beisammen hatte, um seinen Eltern einen schönen Grabstein setzen lassen zu können. Nun erst dachte er an sich, und wer nach drei Jahren Gabriel wiedergesehen hätte, der hätte in dem fein gekleideten jungen Mann mit dem durchgeistigten schönen Antlitz den Polenjungen nicht wieder erkannt, der an jenem Morgen arbeitsuchend in den Straßen umhergeirrt war. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 3. November, 24. Cheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 30 Min. (Al. E. Z.) Samstag, 4. November, 25. Cheschwan. n"rDQ ,mttf "N Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 45 Min. (AL E. Z.) Der •Sfiraelft* erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Dreide- Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel p» Hrrirhr» bet S. $. 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Inhalt der Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Asien: Singapore. — Afrika: Johannisburg. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.