Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1893)
- Date
- 1893-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1636 Wandelstabe gegriffen und ließ sich durch keine Versprechungen mehr beschwichtigen. Der scheidende Direktor Kogan hat den Willen gezeigt, die Fehler seiner Vorgänger, so wett er konnte, gut zu macken, und es war ihm zum Theil gelungen, wieder Ordnung in die verschrobenen Verhältnisse der verschiedenen Kolonien zu bringen, wenn er geblieben wäre, aber die Oberleitung in London scheint wieder das Bedürfniß gefühlt zu haben, einen neuen Direktor nach Argentinien zu schicken; wahrscheinlich wähnt sie, etwaige ihr zur Kenntniß gelangte Uebestände durch das einfache Mittel eines Direktoren-Wechsels schon völlig geordnet zu haben. Es ist dies aber eine falsche Theorie, indem dem häufigen Direktionswechsel auch immer ein entsprechender Wechsel des Beamtenpersonals folgt und ein jeder neue Direktor stets seine Landsleute vorzteht, ob dieselben nun Ackerbauer seien oder nicht; ob die Kolonisten dabei gewinnen oder verlieren, das ist für die ans Ruder Kommenden gleichgiltig, so lange der eigene Ehrgeiz befriedigt ist. Unser Gewährsmann will damit gerade nicht andeuten, daß die Lage der Kolonisten schon eine halbwegs geordnete genannt werden darf; dazu bedarf es noch Vieles und um deren Zukunft hinreichend zu sichern, ist es mit hochkltngenden Phrasen allein, womit man die Kolonisten zu besänftigen sucht, nicht gethan, da dieselben schon jahrelang auf den richtigen Messias warten, der sich ihnen aber bis heute noch nicht gezeigt hat. Kein Kolonist des Baron Hirsch weiß bis zur Stunde, wie, oder in welchem Verhältnisse er zur Empresa Colonizadora steht, was eigentlich sein ihm angewiesenes Land kostet, und — die Hauptsache von Allem — warum man denn bis heute noch nicht seinen Namen im Grundbuch eingetragen hat; wenn er wirklich Kolonist ist, so sollte er doch auch die Rechte eines Kolonisten beanspruchen dürfen. Für die neu ankommenden Herren Direktoren wird der Kardinalpunkt der sein, die Schützlinge des Baron Hirsch als Kolonisten zu behandeln, und endlich einmal die Frage zu lösen, ob dieselben Käufer, Pächter oder Knechte der „Jewish Colonisation Association" sind, denn es wird sich sonst bei der kommenden Ernte entscheiden, ob der erntet, der gesäet hat. Dem scheidenden Direktor Maximo Kogan mag es zur Genugthuung gereichen, daß man ihm die Anerkennung zollt, daß er das Beste gewollt, um manche Uebelstände zu beseitigen! hat er doch die Hälfte der überflüssigen Beamten entlassen, was für die Gesellschaft eine Ersparniß von circa 50°/0 bedeutet und Notiz von Beschwerden, die in der Presse öffentlich gerügt wurden, genommen. Der Grundbesitz des Baron Hirsch beläuft sich auf ca. 132.000 Hektaren und auf folgende Plätze.- vertheilt sich Mauricio 24653 Hektaren Mosesville 10163 „ Clara 33744 San Antonio 14144 I. de Mayo 7869 San Vicente 9117 Zeballos 9237 San Jose 9959 Spangenberg 4946 Quiroga u. Gonzalez 1459 V. Espindola 1316 „ San Jorge 5670 „ Was könnte bei einem Landbesitz von 132,000 Hektaren, vernünftig geleitet, nicht geleistet werden! Hoffen wir, die neue Direktion werde in den Fußstapfen ihres Vorgängers weiterschreiten! > Bermischtes. < Berlin, 24- Okt. Die „Kreuz-Ztg." berichtet: Von Jutereffe ist eine Entscheidung des Berliner GewerbegerichtS, wonach jüdische Feiertage nicht als Feiertage im Sinne des Gesetzes anzusehen sind. Der Metallarbeiter Schröder beanspruchte von seinem ehemaligen Arbeitgeber Kantorowicz drei jüdische Feiertage, den 15. 16 und 18. September, an welchen seine Kollegen und er nicht arbeiten dursten, bezahlt Der Beklagte wurde gemäß dem Klage-Ansprüche verurtheilt. Im Urtheil wurde ausgesprochen, daß der Beklagte nach der bestehenden Gesetzgebung nicht ohne weiteres die auf sein Verlangen von dem Kläger mitgefeierten jüdischen Festtage unbezahlt lassen dürfte, es hätte dazu eines Einverständnisses mit dem Kläger bedurft: sie gehören nicht zu den Feiertagen mit bürgerlicher Wirkung. Feuilleton. Der verlorene Sohn. Erzählung von H. Berger. (Fortsetzung.) (Alle Rechte Vorbehalten.) Frau Maibaum sorgte nun dafür, daß der Knabe, der müde und übernächtigt aussah, an dem sie aber großen Gefallen fand, einige Stunden ungestört schlafen und sich ausruhen konnte. Während dieser Zeit berieth sie mit ihrem Manne, wie sie den Knaben beschäftigen wollten und man kam überein, ihn wählen zu lassen, ob er mit Maaren hausiren gehen, oder gegen einen Lohn im Hause und im Geschäft beschäftigt sein wolle. Es war inzwischen Mittag geworden und der einzige Sohn Maibaums, der gerade beim Militär diente, kam zum Essen nach Hause.