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Der Israelit · 1893-10-30 · Heft 86 (30.10.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 86 (30.10.1893)
Date
1893-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1634 Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 12. October. Ein Musterexemplar eines gesinnungsrohen Antisemiten, der zudem noch städtischer Lehrer ist, stand heute vor dem Hernalser Bezirksgericht. Es handelt sich um folgenden Thatbestand: Der Lehrer der fünften Classe an der Hernalser Volksschule, Ludwig Herz, hatte am 12. Juli im Aufträge des Oberlehrers Franz Walchshofer einen Knaben in die Classe geschickt mit der Weisung an die Lehrer, daß die Bücher für die armen Schulkinder eingesammelt werden möchten. Der Lehrer Bartol. Bayer wies den Knaben aus seiner Classe mit dem Bedeuten, daß Lehrer Herz gar nichts zu befehlen habe. Während des Respiriums geriethen nun die beiden Lehrer in der Schulkanzlei in Streit, wobei Bayer seinen Collegen mit den ordinärsten antisemitschen Schimpfworten belegte. Als dieser derartige Gassenbübereien gebührend zurückwies, versetzte ihm Bayer eine so wuchtige Ohrfeige, daß Herz einige Schritte zurücktaumelte und ihm die Brille von der Nase flog. Der Oberlehrer wies den Raufbold aus dem Zimmer und erklärte, daß er mit solchen Leuten nicht verkehren wolle. — In der heutigen Verhandlung schilderte Herr Herz den ganzen Vorfall mit dem Bemerken, daß gegen ihn, der 26 Jahre diene und 20 Jahre an einer Schule wirke, eine systematische Hetze betrieben werde, weil er Jude sei. Wiederholt habe er zu Gunsten Bayers in für denselben delicaten Angelegenheiten bei dem Oberlehrer intervenirt, dafür habe ihn dieser sowohl vor den Schülern wie vor den Lehrern in seiner Autorität und Ehre herabgesetzt. Den Antrag des Richters, eine umfassende Ehrenerklärung seitens des Bayer anzunehmen und damit den Fall wenigstens der richterlichen Entscheidung zu entziehen, lehnte Herz mit der Begründung ab, daß er vor weiteren Insulten eines Menschen nicht sicher sei, der sich nach der Scene in der Schulkanzlei vor den anderen Lehrern noch mit den brutalsten Ausdrücken gerühmt habe. Der Angeklagte wollte durch Herrn Herz provocirt worden sein, was jedoch von dem als Zeugen vorgeladenen Oberlehrer in Abrede gestellt wurde. Der Strafrichter verurthetlte den Angeklagten zu 20 Gulden Geldstrafe. Die Affaire selbst wird noch vor dem Landesschulrathe ein Nachspiel haben, da gegen den rauflustigen „Jugendbildner" das Disciplinarverfahren eingeleitet wurde. Prag, 24. Okt. Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hielt am 22. d. M. seine Generalversammlung ab. Der Bericht des Geschäftsleiters Herrn JUDr. Friedrich Duschenes constatirte, daß der Verein nunmehr in das 10. Jahr seines Bestandes tritt und während seines Bestandes die ihm vorgestreckten Ziele mit Eifer und Opferwilligkeit zu erreichen bestrebt war. Im vergangenen Jahre hat der Verein einen Commentar zu dem Gesetze vom 21. März 1890 herausgegeben, in welchem dieses Gesetz an der Hand der sonstigen gesetzlichen Bestimmungen genau erläutert wird. Das Jahrbuch, das der Verein für die isr. Gemeinden Böhmens herausgegeben hat, erfreute sich einer warmen Aufnahme. Redner theilte sodann die Programmspunkte mit, die der Verein in Zukunft zu beachten hätte. Dem vom Casster Herrn Weiner vorgetragenen Cassaberichte gemäß betrugen die Einnahmen des vergangenen Jahres 14.125 fl., die Ausgaben 3945 fl. Der Gesamuttvermögensftand des Vereines beziffert sich auf 14.781 fl. Die Handwerkerabtheilung erhält 57 Lehrlinge. Die Sectton für Krankenpflegerinnen hat gleichfalls sehr schätzenswerthe Erfolge aufzuweisen, indem die Pflegerinnen sich stets bewährten und in ärztlichen Kreisen viel Anerkennung gefunden haben. Die Pflegerinnen haben nicht nur in Prag, sondern auch auf dem Lande vielfach ersprießliche Dienste geleistet. Der diesbezügliche geistreiche Bericht der Vorsitzenden Frau Julie Leipen wurde mit lebhaftem ß Beifall ausgenommen. Der Referent für die ' Studentenabthetlung Herr Pros. Wertheimer conj statirte, daß die Arbeitszuweisung für 76 Studirende ermöglicht wurde. Nach Erstattung des Revisorenberichles seitens des Herrn Alfred Bondy wurden die Ergänzungswahlen in den Ausschuß vorgenommen und wurden gewählt die Herren: Robert Austerlitz, Alfred Bondy, JUDr. Jul. Brandeis, sämmtlich in Prag, Ludwig Black in Brüx, Leopold Buchbinder, kais. Rath Joseph Bunzl, Richard Elbogen, sämmtlich in Prag, Simon Engel in Weinberge, JUDr. Joseph Freund in Schlan, Wilhelm Heller, Emil Lederer, Ad. M. Lederer, Jg. S. Weiner, Wtlh. Wertheimer. Friedrich Wtnterberg, sämmtlich in Prag; als Ersatzmänner die Herren: Adolph Kaufmann in Raudnitz, Gustav Baumgartl in Beneschau. Als Revisoren wurden gewählt die Herren: Friedrich I. Fischer, Ignaz Kellner und Sigmund Löwy, sämmtlich in Prag. Szatorallyra - Ujhely, 16. October. In der nahe von hier gelegenen Ortschaft Galßecs ist gestern eines der geachtesten Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde, Salomon Markow it sch, im hohen Alter von 106 Jahren gestorben. Der Verblichene, welcher der älteste Mann des Zempliners Komitats gewesen sein soll, hat in seinen früheren Jahren auch für das allgemeine Wohl Schönes geleistet. Seine Geisteskräfte hatten bis vor Kurzem nicht im Mindesten gelitten und er war auch körperlich ganz kräftig. Im vorigen

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