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Der Israelit · 1893-10-26 · Heft 85 (26.10.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 85 (26.10.1893)
Date
1893-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1615 Oest er.-Mngar. Monarchie. Bukovar, 12. Oktober. Am 1. d. M. weilte das kirchliche Oberhaupt der in den Königreichen Ungarn, Kroatien und Slavonien wohnenden Serben, der Patriarch Georg v. Brankavics, in unserer Komitatsstadt Bukovar, um die restaurirte serbische Kirche einzuweihen. Nach der kirchlichen Feierlichkeit, zu welcher auch die Gemeinde und das Oberrabbinat schristliche Einladungen erhielten, empfing der Patriarch die Deputationen und Vertreter der Konsessionen, Behörden. Aemter, Korporationen und Innungen. Nach der katholischen Geistlichkeit kam sofort die Reihe an die israelitische Kultusgemeinde, deren Führer der Oberrabiner Dr. Julius Diamant war, welcher im Namen der Gemeinde eine schwungvolle Ansprache an den hoben Gast hielt. Sichtlich gerührt, stattete der hohe Kircherfürft dem Redner wie dem Vorstande seinen tiefsten Dank ab und ertheilte dem Oberrabbtner wie der Deputation als Zeichen seiner besonderen Hochachtung seinen Segen. Nach dem Empfange der Deputation beehrte der hohe Gast mit seinem ganzen Gefolge unsere prachtvolle Synagoge mit seinem Besuche. Nachmittag gab die serbische Kirchengemcinde dem Kirchenfürste zu Ehren ein Festdiner, zu welchem der Oberrabbiner und der Gemeindepräses offizielle Einladungen erhielten. Rumänien. Bukarest, 15. Oct. Die Ungerechtigkeit des in der vergangenen Parlamentssession geschaffenen Gesetzes, welches nur den Kindern rumänischer Vollbürger die Wohlthat des unentgeltlichen Unterrichtes in den Staatsschulen zugesteht, hat durch die von der Regierung durchgeführte Bestimmung der Höhe des Schulgeldes noch eine Verschärfung erhalten. Der Unterrichtsminifter Dache Jonescu hat nämlich das für die Kinder von Nichtstaatsbürgern in den Stadtgemeinden zu entrichtende Schulgeld auf 30 Francs für das Jahr hinaufgeschraubt! Das; hierdurch der Hauptzweck der Beschränkung des unentgeltlichen staatlichen Volksschulunterrichts, das heißt nämlich die Ausschließung der einheimischen, aber nicht zum Genüsse der staatsbürgerlichen Rechte zugelassenen rumänischen Israeliten von den staatlichen Lehranstalten, der Hauptsache nach erreicht werden wird, versteht sich von selbst. Ebenso zweifellos ist, daß das Verhalten des Unterrichtsministers Jonescu in dieser Angelegenheit in schroffem Widerspruche zu der vom Domäncnmintster P. Carp anläßlich der Gewerbeschuldebatte in der Kammer abgegebenen Erklärung steht, daß das einzig verläßliche Mittel einer Assimilirung der einheimischen Israeliten mit dem rumänischen Volksthum darin bestehe, denselben die Möglichkeit einer Erziehung ihrer Kinder im nationalen Sinne durch die vom Staate erhaltenen nationalen Unterichtsanstalten zu gewähren. Thatsächltch hat denn auch unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Höhe des Schulgeldes die Bewegung zu Gunsten der Errichtung israelitischrumänischer Schulen im Lande sehr an Intensität zugenommen, und man darf wohl einigermaßen darauf gespannt sein, zu erfahren, wie sich die Regierung gegenüber diesen Bestrebungen, die nur durch die lächerliche Fremdenfurcht und den Chauvinismus der rumänischen Volksvertretung verschuldet sind, verhalten wird- — Amerika. u. New Dork 4. Oktober. Der famose Hofprediqer a. D. Stöcker hat wieder einmal einen Beweis seiner unverbrüchlichen Wahrheitsliebe erbracht. Bekanntlich hat Stöcker vor seiner Hierherkunft das Versprechen abgelegt, hier nur im Dienste der Mission zu wirken und nicht „in Antisemitismus zu machen." Dieses Versprechen hat Stöcker, welcher bekanntlich in solchen Dingen schwach von Gedächtniß ist, wahrscheinlich vergeffen. In einer Abschiedsvorstellung wenigstens wollte er seine Meinung über die Judenfrage äußern. Lutherische Geistliche hatten gestern Abend zu der von ihnen in der „Association Hall" (so heißt das Gebäude der Aoung Men's Christian Association") arrangirten Versammlung zu einem Vortrage von Stöcker über: „Niemand kann Gott dienen und dem Mammon!" eingeladen, und bereits um 8 Uhr war kein Stecknadelraum mehr in dem großen Saale vorhanden. Aus diesem zahlreichen Erscheinen folgerte Stöcker, daß man hier nicht Alles glaubt, was im alten Europa über ihn gedruckt worden ist. Dann lobhudelte er die amerikanische Presse, (engl, wie deutsche), daß sie nicht die alten Märchen über ihn verbreitet, sondern sich selbst ein Urtheil gebildet hätte. Zum Thema meinte er zwar: „Bleibt der Mammon der Gott der Zeit, so steht die christliche Welt vor den größten Gefahren." Die Erklärung für den kurz nach dem Kriege sich vollzogenen Abfall vom Glauben liege in den französischen 5 Milliarden. Im Mammon läge die Gefahr für die religiösen und sozialen Zustände. Man habe jetzt bereits in Demschland eine Religion des Gewissens, die keinen Versöhner brauche und eine Religion der Bildung, die nichts vom Christenthum wissen wolle. Referent sprach dann über Sozialismus inDeutschland, den Gründungsschwindel, die Gründung seiner „Christlich-sozialen Partei", welche berufen sei, die Irreligiosität, den Sozialismus und die Anarchie, welche sich mit der Noth unausbleiblich eingestellt hätten, aus dem Reiche des Volkes hinauszutragen.

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