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Der Israelit · 1893-10-26 · Heft 85 (26.10.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 85 (26.10.1893)
Date
1893-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1613 Die Juden können keine Deutsche werden, wegen ihrer Gestalt? Also wegen ihrer Physignomie, ihrer Mimik, der Gluth ihrer Augen, und der Form ihrer Nasen? Ei, wenn dieser Unsinn wahr ist, dann hilft cs sie ja gar nichts, wenn sie auch die Beschneidung heute aufgeben! Dann müssen sie noch viel mehr beschneiden; Nasen, Augen kurz die ganze Physignomie und Gestalt, die sie heute hindert Germanen zu werden! Die Beschneidung hätte die Mißachtung der Juden seitens der außerjüdischen Welt verschuldet? Aber diese Mißachtung ist ja älter als die Beschneidung. In Egypten wurde die Beschneidung bei dem Volke der Hebräer erst unmittelbar vor dem Wegzuge vollzogen, aber die Mißachtung war schon vorher da. Die Mißachtung macht ja auch heute noch nicht vor den bundesbrüchigen Juden halt, welche die Beschneidung nicht vollziehen ließen! „Nichts andres als ein Ausfluß des jüdischen Rassentrotzes ist es auch", wie sich die Grenzboten weiter vernehmen lassen. „daß sich die Juden immer noch weigern, denselben Wochentag zu feiern, an dem ihre christlichen Mitbürger von der Arbeit ausruhen. Mögen sie ihre besondern religiösen Feste feiern, wann sie wollen; auch Katholiken und Protestanten haben ja gesonderte Feiertage. Was in aller Welt aber hindert die Juden, ihren Sabbat auf den Sonntag zu verlegen? was anders als das trotzige Pochen auf eine Staatseinrichtung, die seit Jahrtausenden dem Untergange verfallen ist? Das ist eine Unduldsamkeit — hier ist ein Ausdruck Dührings durchaus am Platze —. die der Staat nicht dulden darf. Daß viele Juden den christlichen Sonntag feiern, oder wenn sie es dazu haben, Samstag und Sonntag zugleich, hat mit der Sache nichts zu thun. Es handelt sich darum, daß es der Staat klar und deutlich aussprtcht, er erkenne den jüdischen Sabbat nicht als besonderen Feiertag an." Wir haben auf diese Expectorationen zu erwiedern: Daß Menschen überhaupt etwas von einem Ruhetag wissen, welchen sie allwöchentlich feiern, verdanken sie der Bibel, die sie aus den Händen der Juden erhalten haben. In der Bibel ist der siebente Tag der Woche als Ruhetag angeordnet. Als solchen feierten ihn Juden und Christen gemeinsam in den ersten drei Jahrhunderten nach Entstehung des Christenthums. Die Juden haben auch heute noch nichts dagegen mit den Christen einen und denselben Ruhetag allwöchentlich zu feiern. Nicht Juden haben diese Gemeinsamkeit gestört, sondern das Conctl von Trient war es, welches den Sonntag statt des Sabbat zu feiern anordnete, „damit die Christen nicht mit den verfl. Juden einen und denselben gemeinsamen Ruhetag haben". Die Beschlüsse dieses Concils sind auch heute für die christliche Kirche bindend. Auf dem Boden dieser Beschlüsse fußend ist es den Christen noch heute untersagt, mit den Juden einen und denselben Ruhetag zu feiern. Wollten die Juden wirklich so naiv sein und auf den Zaunpfahlwink der Grenzboten den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen, eingehen, so wäre consequenterweise die christliche Kirche genöthigt, ihren Sonntag auf den Sabbat oder den Montag zu verlegen. Die Wünsche, welche die „Grenzboten" nach dieser Seite hin haben, sind daher an eine falsche Adresse gerichtet. Wir haben diese Gemeinsamkeit niemals aufgehoben und sind auch nicht in der Lage sie wieder cinzuführen. Wir glauben nun nicht durch diese unsere Bemerkungen „die Grenzboten" und ihre Gesinnungsgenossen eines besseren belehrt zu haben. Dafür sind auch diese Zeilen nicht geschrieben. Eine eingehende Widerlegung aller dieser hohlen Redensarten erforderte eine besondere Monographie. Um zehn Seiten böswilliger Jrrthümer zu widerlegen bedarf cs einer mindestens dreißigseitigen Eutgegnung. Das ist jedoch nicht der Zweck dieser Zeilen. Dieser besteht lediglich darin unsere Gesinnungsgenossen auf diese für unsere Zeit höchst charakteristische Aeußerung aufmerksam zu machen. Das Attentat auf unsere religiöse Freiheit, aus unsere sociale und politische Gleichstellung, beginnt mit der Schechita resp. hat damit bereits begonnen. Zeigen wir hier uns schwach, nachgiebig und zu Concessionen geneigt, so haben wir jeden Tag neue Chikanen und Nörgeleien zu gewärtigen. Zeigen wir aber bet dem ersten Angriff auf unsere religiöse Freiheit, daß es uns ernst mit ihr ist, so bleiben wir vielleicht von den schweren folgenden Versuchungen verschont, die sonst naturgemäß der bereits vorhandenen, ersten folgen werden. Zeit««gSnachrich1err tmb Corresporrderrzen Deutschland. Friedberg (Hessen.) Es hat sich dahier ein Verein gebildet zur Erhaltung jüdischer Alterthümer. Der Verein hat das in der Judengasse gelegene „Juoenbad" angekauft und beabsichtigt dasselbe restaurieren zu lassen. — Lehrer Ehrmann dahier hielt dieser Tage einen sehr belehrenden Vortrag über die Verhältnisse der Juden Friedbergs im Mittelalter. Was den Vortrag auszeichnete, war die geschichtliche Treue und Offenheit der Darstellung. Auch eine recht stattliche Anzahl von Nichtjuden war anwesend. Großer Beifall dankte am Schluffe dem Redner für seine hübsche Darstellung. Den nächsten Vortrag hat Herr staä phil. Hirsch Heidelberg übernommen und zwar über das „Judenbab."

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