Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 84 (23.10.1893)
- Date
- 1893-10-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448393--37313-2485371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1604 seines Lehrers, nach welcher Rabbi Jehuda in Entab, wo ein beständiger Gerichtshof bestand, (s. die Tosefot daselbst) die offizielle Verkündigung des Neumondes vornehmen ließ, weil in seinem eigenen Orte die politische Behörde diese Proklamirung verboten hatte. Der Hinweis auf David aber erfolgte, weil dieser nach dem Aussprüche in Psalm 89 im» yo’ m» hm vökg dem Monde gleich sei. Wie Andere diese Zusammenstellung deuten und verwerthen kann man m verschiedenen Schriften lesen. Sehr einleuchtend dürfte eine Erklärung sein, welche ich in dem iM des R. Salomon Margulies im Namen eines ihm befreundet gewesenen Rabbiners bemerkt habe. Es ist nämlich aus mehreren Anführungen im Talmud bekannt, daß man sich zur Zeit der Verfolgung für die Ausübung der religiösen Pflichten gewisser Ausdrücke und Zeichen bediente, durch welche die Eingeweihten in geheimer Weise erfahren sollten, was ihnen sonst öffentlich nicht mttgetheilt werden durfte. So sollten auch durch den angeführten Satz die Andeutung erfolgen, daß ttrjvi «wh eintrete; denn der Zahlenwerth der Wörter in diesem Satze ist gerade dem trm wxi vollständig gleich, nach folgender Berechnung: Yfl 14 90 541 T! 18 Cpi 156 Summa 819. Soviel beträgt aber auch min »jo, nämlich trtn 50i ttHTl - 318 Summa 819. Man darf hier wohl behaupten, daß diese Gematria durchaus nicht zu den vielen Zahlenspielereien zufälliger Natur gehört, daß vielmehr hier die bestimmte Absicht, wie bereits oben näher angegeben, gewaltet hat. Dr. Berliner. Zeitungsnachrichten und Correfpondenze«. Deutschland. Berlin, 18. October. Antisemitischen Blättern wird aus Xanten berichtet: „Der hierher entsandte Berliner Crimmal-Commifsar Rautenberg, welcher hier im Hotel Schwerdt wohnt, hat die ersten Wochen zum Studium des vorliegenden Materials einschließlich der Gerichtsverhandlung benutzt. Jetzt ist Rautenberg augenscheinlich damit beschäftigt, Widersprüche in den Zeugenaussagen aufzuklären. Er geht in die Wohnungen, macht sich dort bekannt und stellt Verhöre an, thut dies jedoch stets im Beisein eines Polizeisergeanten. Bis zum Freitag Abend waren vernommen: Frau Küppers, deren Mann vor 4 Monaten gestorben ist, Frau Kcrnder, Mallmann, Keters, Hegmann, Vater des ermordeten Knaben, Clemens Breuer und der kleine Heister. Es scheint, als ob der Commissar Nautenberg die Hauptthätigkeit auf die Bloßlegung verschiedener Meineide verwendet, die bei den vielfach widersprechenden Aussagen vorzuliegeu scheinen. So ist zwischen Mallmann und Keters augenblicklich eine Beleidigungsklage beim Gericht in Lanten abhängig. Wie aus dem Prozesse noch erinnerlich, behauptete Mallmann, gesehen zu haben, daß Hermine Buschoff am Mordtage, Nachmittags gegen 3 Uhr, einen Gegenstand unter der Schürze tragend, nach Käppers' Scheune gegangen sei. Keters will Mallmann nun meineidig machen, indem er behauptet und unter Beweis stellen will, daß derselbe an jenem Tage bis Nachmittags 4 Uhr bei Keters gewesen sei. An der Aufklärung dieses Umstandes scheint Nautenberg besonders zu arbeiten." Auch der Xantener „Bote für Stadt und Land" meldet, daß gegenwärtig zahlreiche Vernehmungen statlsüidm, überhaupt Seitens der Behörden eine rege Thätigkeit entfaltet wird. Es dürfte ferner kein zufälliges Zusammentreffen sein, daß gerade jetzt die Staatsanwalt beim Landgericht Eleve öffentlich bekannt gtebt, „daß die Belohnung bis zu 1200 M. für die Entdeckung der Thäterschaft des an dem Knaben Hegmann zu Xanten verübten Mordes noch in voller Geltung ist, und dringend ersucht wird, jegliche zur Sache nur irgend dienliche Auskunft ihr umgehend mitzuthetlen." Berlin, 19. October. Der Parteitag der antisemitischen Gruppe, die sich „deutsch-sozial" nennt und unter der Führung der Herren Dr. König und Licbermann von Sonnenberg steht, hatte an den Prof. Dr. Förster, der neuerdings zu der Böckclschcn Gruppe übergetreteu ist, folgendes Schreiben gerichtet: „Im Hinblick auf die unsere Partei beschimpfenden Berathungen und Entschließungen des Marburger Parteitags (der Böckel'sche ist gemeint. Red.) halten wir es mit der Ehre unserer Partei und mit den Pflichten eines ihrer Abgeordneten für unvereinbar, daß ein solcher der Deutschen Reformpartei beitrttt. Sollten Sie an Ihrem Entschluß, sich letzterer Partei als Hospitant anzuschließen, festhalten, worüber wir Sie bitten, dem Unterzeichneten Dr. König baldigst Nachricht zugehen zu lassen, so würden wir zu unserm Bedauern aunehmen müsse , daß Sie darauf verzichten, unserer Partei ferner anzuhören." Auf diese Exmissionsdrohung hat Herr Dr. Förster in einem längerem Schreiben geantwortet, in dem er erklärt, daß er sich jetzt gezwungen sehe, seinen Austritt aus der deutschffozialen Partei zu erklären. Neuwied, 21 Oct. In verflossener Nacht sind hier an verschiedene Häuser Plakate, betr. eine , antisemitische Versammlung in dem Nachbarorte (Coblenz), angeklebt worden. Ganz abgesehen davon