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Der Israelit · 1893-10-23 · Heft 84 (23.10.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 84 (23.10.1893)
Date
1893-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1599 dritte wieder von Herrn Dt Verölt in Musik gesetzt wurde. Es wurden dann die am Simchat-Thorafeste üblichen sieben Hakafoth (Umkreisungen) mit den Sefarim vorgenommen, denen sich hier im Gotteshause zwei neue Sesarim zugesellten, und zwar hatte eines unser Gemeindemitglted Herr Piperno und das andere wieder die Rabbiner Perugia und Spizzichini zusammen gesp.'ndet. Letztere hatten ihr Sefer auch ei enhändig geschrieben. Zum Schluffe folgte dann noch ein vom Rabbiner Sornari verfaßtes, hebräisches Gebet, in dem er dem Allmächtigen dafür dankte, daß er uns wenigstens die vier übrigen Gotteshäuser vor der Zerstörung durch das Feuer bewahrt hatte. Die Arbeiten in dem renovtrten Gotteshause wurden insgesammt von israelitischen Handwerkern ausgeführt. Türkei. Koustantiuopel, 13. October. Heute Morgens ist der Vorsteher unserer Cultusgemeinde, Herr Salomon Fresco, im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Sabbatruhe wegen fand das Begräbniß schon Nachmittags statt uud wohnten demselben Tausende von Menschen an. Der griechische und die beiden armenischen Patriarchen waren dabei durch Delegirte vertreten. srawn Vermischtes. < Berlin. Einer in gewiffer Beziehung auch für uns intereffanten Mittheilung begegnen wir in einem hiesigen Blatte. Dieselbe lautet: „In Maryland besteht noch ein altes Gesetz, nach welchem Männer, die ihre Weiber prügeln, ebenfalls körperlich gezüchtigt werden sollen. Die Behörden von Frederick County haben nun beschlossen, dieses alte Gesetz wieder zur Anwendung zu bringen, und demgemäß erging dieser Tage von dem Kreisgerichte des County gegen den Farmer Daniel Jones, der überführt war, vor einem Monate in rasender Eifersucht seine Frau scheußlich mißhandelt zu haben, das folgende Urtheil: „Innerhalb achtundvierzig Stunden wird der Sheriff Sie in das Countygefängniß bringen, Sie dort an den Prügelpfahl ketten und Ihnen auf Ihren entblößten Rücken mit einem Ochsenziemer neunundreißig Hiebe aus Leibeskräften aufzählen." Jones und seine Frau sind Mitglieder einer alten maryländischen Familie, aber weder Einfluß noch Geld vermochten ihn vor der Strafe zu schützen. Jones ist der zweite Weiße, an welchem in Maryland im Laufe der letzten hundert Jahre die Prügelstrafe vollzogen worden ist." Ohne Zweifel fußt die Anzahl der dem Deliquenten zugedachten Schläge auf der in der Schrift (Deuteronomium 25. 3) bestimmten u. zwar, was außerordentlich merkwürdig ist, nach der Deutung unserer Ueberlieferung. Nach dieser (oergl. Makkoth 3. 10) betrug bekanntlich die Anzahl der Streiche neununddreißig. In der That seltsam! Dr. Aron Wichs. Fg. Berlin, 10 Oft. Das Synagogenlocal der Gemeinde „Schochare tob", welches bekanntlich am Vorabend des Versöhnungsfestes infolge der Denunziation eines Gemeindemitgliedes polizeilich wegen Mangel an Nothausgängen und zu schmalen Ausgangs geschloffen wurde, wurde noch in derselben Woche, nachdem der zweite AuSgang fertiggestellt worden war, dem Publikum wieder freigegeben. Prag. Am 19. v. ist hier der Pens. k. und k. Oberstabsarzt erster Claffe Herr MUDr. Wolfgang Derblich im 71. Lebensjahre an Herzschlag gestorben. Mit einer gründlichen Bildung des Geistes vereinigte der Dahingeschiedene eine Herzensbildung, die eben sein ganzes vornehmes, liebevolles Wesen und seinen eminenten Charakter erklären ließ. Wie selten ein anderer Jude in so hoher Stellung hat er stets seinen religiösen Glauben selbst unter den schwierigsten Verhältniffen hoch gehalten. Treu dem Judenthum, ergeben dem Kaiser, pflichttreu in seinem Berufe, unerschrocken auf dem Schlachtfelde, unermüdlich im Dienste der Wissenschaft hat er sich voll und ganz als Mensch in des Wortes edelster Bedeutung gezeigt. Seine Bescheidenheit im Leben hat er selbst bis übers Grab hinaus bewahrt; denn, wie wir der „Reichswehr" entnommen haben, hat der Verblichene in seiner letztwilligen Anordnung sich jeden Nachruf und feierliche Bestattung verbeten. So entbehrte auch sein Leichenbegängnis des militärischen Gepräges, einfach und schmucklos war es, nur der eine Schmuck — die hohe Achtung der Mitmenschen, die Verehrung seiner Glaubensgenoffen, die dem Verblichenen ins Grab folgten. Prag. Der in deutschen Künstlerkreisen populäre und allenthalben hochgeachtete Maler Herr Ignaz Perlsee ist am 7. im 71. Lebensjahre plötzlich verschieden. Der Verblichene war ein gebürtiger Prager, er absolvierte die Malerakademie in Prag und wandte sich hierauf behufs weiterer Ausbildung nach Wien und schließlich nach Rom, wo er mehrere Jahre verweilte und mit den hervorragendsten Künstlern in Verkehr trat. Die innige Liebe zu seinen Eltern und Anhänglichkeit an seine Vaterstadt veranlaßten ihn, nach Prag zurückzukehren, wo er fortan seine künstlerische Thätigkeit mit Schaffensfreudigkeit entfaltete und dem Lehrberufe lebte. Der Heimgegangene war mit Einem Worte eine, jede Affectation meidende Künstlernatur, ein vortrefflicher Charakter, mit dem eine unbegrenzte Liebe zu seiner Gattin und seinen Kindern innig verknüpft war. Die religiöse Erziehung, die der Heimgegangene im Elternhause genoffen, übte auf sein ganzes Leben einen moralischen Einfluß, die Kunst vermochte nicht sein religiöses Bewußtsein zu verdrängen, wie er denn auch keinen Sabbat den Besuch des Gotteshauses versäumte und seinen Kindern eine Erziehung angedeihen ließ, welche sie gewiß dem religiösen Gefühle nie entfremden wird. Am 9. d. fand das Leichenbegängnis unter überaus zahlreicher Betheiligung vom Trauerhause aus nach dem neuen isral. Friedhöfe statt. Dem vierspännigen Gala-Leichenwagen folgten die Leidtragenden, der Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld, der gesammte Vorstand der isral. Beerdigungsbrüderschaft, dem der verstorbene Vater des Verblichenen durch ein halbes Jahrhundert als Mitglied anghörte, Schriftsteller, Künstler Awocaten, Aerzte und hervorragende Industrielle. Salzburg. Die antisemitische Partei hat sich der Illusion hingegeben, Salzburg schon erobert zu haben, allein sie mußte eben eine bittere Enttäuschung erfahren. Seitens der Antisemiten wurde nämlich im Gemeinderathe der Antrag gestellt, die aus dem allgemeinen Steuersäckel neuerbaute Volksschule zu benedictieren, welcher nach eingehender Debatte mit schwacher Mehrheit durchdrang, da zufällig mehrere liberale Gemeindeausschüffe der Sitzung nicht anwohnten. Dieser allgemein gehaltene Antrag wurde jedoch vom Bürgermeister dahin interpretiert, daß die Benediction von allen Seelsorgern der hier vertretenen Culten vorzunehmen sei. Hierüber große Bestürzung auf Seite der Antiliberalen. In einer zweiten, der Angelegenheit gewidmeten Sixung wurde der auf Benediction hinzielende Antrag reaffumiert und mit großer Mehrheit abgelehnt. ES bricht sich hier endlich die Erkenntnis Bahn, daß in einer auf den Fremden-

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