Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 84 (23.10.1893)
- Date
- 1893-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1598 Morgen im 84. Lebensjahre seine reine Seele ausgehaucht. Nur ein zweitägiges, durch Aufregung und Schrecken sich zugezogenes Leiden hat seinem segensreichen Lebene ein allzuschnelles Ende gesetzt. Welcher Liebe und Achtung derselbe sich während seiner Lebenszeit erfreute, davon gab die gestrige Beerdigung beredtes Zeugniß. Reich wie arm, Jude wie Christ nahmen an derselben Theil. Manches Auge weinte bittere Thränen, ob des großen Verlustes, den die Gemeinde erlitten. Begleitete doch der Verstorbene eine lange Reihe von Jahren hindurch den ehrenhaften Posten eines Waisenrichters. Und ach — wie viele Arme und Bedürftige hat er unterstützt und wie bescheiden un) anspruchslos war er stets für seine Person. Religiöse Pflichten zu erfüllen, bereitete ihm stets Freude und Genuß! Wie oft äußerte er sich über die jetzige Zeit, daß das Gottes-Wort so wenig erfüllt wird und dadurch so großer Dvn entsteht! Wie oft ist er Rathlosen mit gutem Rath und kräftiger That zur Seite gestanden. In diesem rühmenswerthen Sinne erzog er auch seine Kinder, unterstützt von seiner Gattin, einer nvx in des Wortes schönster Bedeutung, welche ihm leider schon bereits vor 3 Jahren im Tode vorangegangen ist. Dieser traurige Fall, sowie der frühzeitige Tod zweier verhetratheter Töchter und eines Sohnes waren sein Kummer und darum bedurfte er seit jener Zeit der kräftigen Stütze seines einzigen noch übrigen Sohnes. Dieser, sowie dessen Frau und Kinder waren seine Freude und sie haben durch hingebende Sorgfalt alles aufgeboten, um den Lebensabend des Verblichenen zu einem ungestörten und freudigen zu machen; was ihnen auch in der bestmöglichsten Weise gelungen. Mit Recht konnte daher unser Herr Rabbiner ’"j in seiner Trauerrede die Worte anwenden: /oi n:v D’yav Dna wrrov ’D\ Möge der Allvater die trauernde Familie trösten und stärken, damit sie den großen Verlust ertragen kann. Möge dem Verstorbenen der Lohn für seine guten Thaten voll und ganz bezahlt werden. n"3*:in Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 17. October. Bei der Demolirung des fürstlich Schwarzenberg'schen Palais in der Kärntnerstraße hier wurde ein geborstener Grabstein mit einer hebräischen Inschrift aufgefunden, die nun unsere Cultusgemeinde entziffern lassen wird. Dadurch behalten jene Wiener Chroniken Recht, welche behaupten, der älteste jüd. Friedhof in Wien habe sich im Süden der alten Stadt und zwar in der Nähe des Platzes, auf dem später die kaiserliche Burg erbaut ist worden, befunden. Auf diesem Friedhofe wurde nun wahrscheinlich auch der yin V'v, der im ll. Jahrhundert hier in Wien Rabbiner war, begraben. Wien war überhaupt schon in den frühesten Zeiten in Folge seiner Lage an der Donau, längs der sich die Handelsstraße von Konstantinopel nach Regensburg und dem Rheine hinzog, Sitz einer jüdischen Gemeinde und wenn : man manchen historischen Ueberliefernngen glauben j darf, so haben schon zwei Jahrhunderte nach dem \ w n»a pYin (Zerstörung des zweiten Tempels- Juden in Wien gewohnt. - Rußland. j (Verschärfung der Paßvorschriften in Rußland.) - Die russischen Polizei-Behörden handhaben in jüngster Zeit die Paßvorschriften mit großer Strenge. Zn wiederholtenmalen wurden nach Rußland zugereiste österreichische und ungarische Staatsangehörige, deren Reisepässe vorschriftsmäßig mit dem Visum der russischen Vertretungs-Behörde im Auslande versehen waren, dennoch unter Bedrohung der sofortigen Ausweisung verhalten, innerhalb einer kurz bemessenen Frist einen ihre nicht mosaische Eon- 1 fefsion feftstellenden Geburtsschein vorzuweisen. Wet- | tere Schwierigkeiten erwachsen den Reisenden, wenn r die Unterschrift der kirchlichen Behörde auf dem beigebrachten Geburtsscheine nicht von der betreffenden ß russischen Consular-Behörde beglaubigt ist. | Italien. | Rom, im September. Am Sabbat vor dem Neujahresfeste hat die Einweihung unserer vor zwei j Jahren vom Feuer zerstörten und seitdem aus ihrer 1 Asche wiedererstandenen „Scuola del Tempio" I („Tempelsynagoge") stattgefunden und war dieser E Tag daher nicht nur ein Ruhe-, sondern auch ein \ Freuden- und ein Wonnetag ONONv dv prov dv. i| Um elf Uhr Vormittags bewegte sich aus ^der benachbarten Synagoge „Scuola Nuova" („Neuschul") I auch "arn »nt„ genannt, eine Schaar Frommer, jj darunter unser verehrter Oberrabbiner und die ß Vorsteher der Gemeinde, letztere trugen die zu den mspn nöthigen sieben Sefarim, nach dem neuerstandenen Gotteshause, bei dessen Betreten sie von einem feierlichen «an *jna begrüßt wurden. Hierauf betrat unser Oberrabbiner die Kanzel und hielt eine kleine Ansprache an die Gemeinde, in der er sich auf die Worte Zerubabel's rvna dn *3 naa uh Vtq xb („Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist") bezog und auf den Geist unseres heiligen Glaubens hinspielte, der stärker sei als alle Kraft und alle Macht. Es wurden dann die drei Psalmen: 'i awa , "i rra h oncxa wö» dv nx 'i^n und p'u na’v nx gesungen, die großen Beifall fanden. Bemerken muß man jedoch gleich hier, daß ersterer Psalm von Herrn Zewi, der zweite wieder von Herrn Scazzocchio und der