Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-10-23 · Heft 84 (23.10.1893) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 84 (23.10.1893)
Date
1893-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448393--37306-2485364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1597 Die Schechita stagnirt, steht still und muß wie alles was nicht vorwärts kommt, rückwärts gehen. Vielleicht, vielleicht ist die ganze Agitation gegen die Schechita das von der Vorsehung bestimmte Mittel die Schechita und alles was so vielfach mit ihr zusammenhängt vor dieser Stagnation zu schützen. Vielleicht sind die Angriffe unserer Feinde gegen dieses Gottesgebot dazu bestimmt, uns selber ihm wieder mit dem erforderlichen Ernst zuzuwenden. Vielleicht ist eben der Umstand, daß Mizwas Schechita noch zu keiner Zeit und von keiner Unduldsamkeit uns untersagt oder auch nur erschwert wurde, die Ursache, daß sie bei uns nicht die erforderliche sorgsame Beachtung findet. Lehren doch unsere Weisen: ^>*056" nDD» muc nybt* p;iyoip '3-> x'jn n^’Di d"dv pa nobon m:j nyiw nrvo1? p^y psy psy btnvr nDD xbv mso ^31 qt3 nppio np yny rvn piy i^*Dn pa ma^on mn ny»a nn'D^ rr^y .DT3 nsno „Jede Mizwa, für die Israel sein ganzes Selbst eingesetzt hat und dafür zu Zetten staatlicher Verfolgung in den Tod ging, wie z. B. das Verbot des Götzendienstes und das Gebot der Mila, wird heute noch mit der alten Kraft bei ihnen gehandhabt. Jede Mizwa dagegen, für die Israel nicht sein ganzes Selbst einsetzte, um zu Zeiten staatlicher Verfolgung in den Tod zu gehen, wie z. B. Mizwas- Tefillin, wird heute noch lässig von ihnen gehandhabt." (Talmud Sabbat fol. 130 a.) Wollen wir diesen erprobten Erfahrungssatz jüdischer Weisheit auch für unsere Zeit und ihre betrübenden Erscheinungen verwerthen, so ist uns der Weg, den wir einzuschlagen haben klar vorgezetchnet. Dann dürfen die Veillitäten der Gegner der Schechita uns nicht zu Concessionen und Compromissen bestimmen, sondern zum vollen Gegenthetl. Dann müssen alle Mängel und Gebrechen, die ihr noch anhaften, abbestellt werden und wir müssen mit vvp rrvDD, mit Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit für die unverkürzte Aufrechterhaltung der Schechita eintreten, wie sie uns von Gott geboten. Eine ungenügende Schechita, eine vom religiösen Leichtsinn kontrollirte. autorisirte und gehandhabte Schechita ist keine Schechita, wenn sie auch die äußere Form des Decorums halber wahrt, mso px oxi niso piisoa p'*y .mson n^x . ('"D nia-ia (Fortsetzung folgt.) Zeitr»ugsrrachrichten und Gorrespouderrzen. Deutschland. Berlin. Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft. Ein nur zu bekannter und bewährter Satz, aber doch wird gerade in unserer Mitte mit allen nur erdenklichen Mitteln ihm entgegengearbeitet. Die Eltern bekümmern sich nur wenig darum, welcher Lehrer den Religionsunterricht ihrer Kinder leitet, ob die Knaben ohne Kopfbedeckung hebräische Gebetstücke hersagen müssen, oder ob gar die Schüler von ihrem Herrn Religionslehrer genöthtgt werden, am na»! in der Religionsstunde zu schreiben — das ist ihnen gleichgiltig, „ihre Kinder haben Religion" und das genügt. Ist es aber nicht im höchsten Grade traurig, ja entsetzlich, daß die Jugend gerade infolge des Religionsunterrichtes, der ihnen doch den Wandel in Gottes Wegen vorzeichnen sollte, auf Abwege geräth? Man fasse und erwäge es nur recht, da ist es in jüngster Zeit am Köntgstädtischen Gymnasium Hierselbst vorgekommen, daß der Religionslehrer Herr Dr. Hanf vor Semesterschluß seine Schüler am nar! ein Prüfungsextemporale schreiben ließ. Sollte man das für möglich halten? Giebt es überhaupt wohl einen größeren Hohn auf unsere hl. Gesetzes Was denkt sich denn eigentlich der Herr Doctor? Anstatt als Religionslehrer dahin zu wirken, daß die jüdischen Schüler möglichst in den Lehrstunden am na» und 3iü 2i' vom Schreiben dispensirt werden, glaubt Herr Hanf — der — nebenbei bemerkt ebenfalls in der Stunde schreibt — natürlich Herr H. muß sich Notizen machen, das sieht doch mehr schulmäßig aus — das gleiche wie die christlichen Lehrer thun zu müssen und diktirt am na» seinen Schülern Extemporalien. Herr Dr. H. berechnet kaum die Tragweite seiner Handlungsweise, ihm als Religionslehrer sind doch sicherlich die auf das Arbeitsverbot am na» bezüglichen Stellen nicht unbekannt: I 2 V. 1—3; II 16 V. 22—27. 20 V. 8—11, 23 V. 12, 31 V. 13—17 (niv rrfcno mo* heißt es, Herr Dr., an dieser Stelle); III 23 V. 3; IV 15 V. 36 u. s. w. Diese Stellen müssen jedenfalls auch dem Kinde vorgetragen werden, dürfen sicherlich nicht fortbleiben. Wie will dann Herr H. seine Handlungsweise mit diesen Vorschriften vor dem Schüler in Einklang bringen? Sollen denn unsere Kinder bald von der frühesten Jugend an lernen, die hl. Vorschriften verletzen? Dazu haben sie Religionsunterricht? Dagegen muß Abhilfe geschafft werden, an solchem Unterrichte sollten die Eltern unbedingt ihre Kinder nicht theilnehmen lassen oder darüber vorstellig werden, daß der Religionsunterricht in die Hände eines Würdigen gelegt wird. N. L. Gailingen a. R., 16. October Leider hat der Todesengel auch über unfern Ort seine Sense geschwungen und einen frommen, edlen und gerechten Mann unserer Mitte entzogen; denn das Zweitälteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Joseph Kaufmann, hat am vergangenen Donnerstag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.