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Der Israelit · 1893-10-23 · Heft 84 (23.10.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 84 (23.10.1893)
Date
1893-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1596 »'m'ZSVZf* am Thiere die Schechita zu vollziehen ist, welchen Umfang der Schächtschnitt haben muß, womit, wann, wo und wie die Schechita vorzunehmen ist, welches die Dinge sind, welche zu beeinträchtigen geeignet sind und wer als Schächter qualifizirt ist. Zn allem diesem hat uns Gott in seiner Thora durch die Worte verpflichtet: „Schlachte von Deinem Rind- und Kleinvieh, welches Dir Gott gegeben hat, wie ich Dir geboten habe" rc. (V. B. M., XII. 21.) — Ein Israelit, der von einem Thier, Wild oder Vogel genießt, die auf unkorrekte Weise geschächtet wurden, hat sich durch den Genuß von Nebelah verschuldet, denn dieses Nebelah-Verbot läßt sich nur durch die korrekte Schechita aufheben, wie sie unserem Lehrer Moscheh aus Gottes Mund zur Pflicht gemacht wurde." „Aus dem Gesagten begreift sich, daß das Vertrauen, welches den Schochtim überantwortet ist, ein überaus großes, weitgehendes ist. Auf ihre Frömmigkeit sind wir angewiesen, auf ihr Wissen müssen wir uns verlassen, wenn wir Fleisch essen wollen, ohne besorgen zu müffen, daß wir Verboten« s genießen, ohne fürchten zu müssen unserer Seele zu schaden, indem wir unseren Körper stärken, daß das, was dem Gaumen gut mundet, sich als Gift und Wermuth für die Seele erweise, sowohl in Folge von Verstößen, die sich an die Schechita als auch von solchen, welche sich an die Untersuchung der Lunge knüpfen. Durch einen unwürdigen Schochet und Bodek geräth nicht nur ein einzelner Mann in Sünde, sondern eine ganze Gemeinde verstrickt sich ins Unrecht, wenn sie sich auf ein innerlich morsches Rohr stützt, wie es eben ein Mann ist, der sich für solch göttliche Anliegen nicht qualificirt. Deßhalb ist es klar und für jeden Wahrheitsliebenden selbstverständlich, daß man für die Schechita und Bedika nur Männer anstellen kann, die dazu geeignet und würdig sind." „Das erste Erforderniß ist Gottesfurcht. Deßhalb müssen wir vor allem wissen, daß der als Schochet und Bodek gewählte, mit seinem Geiste treu an Gott hängt, daß er mit gewissenhafter Achtsamkeit darauf bedacht ist, sich nicht gegen ein einziges der göttlichen Gebote zu vergehen, daß er es auch mit der geringsten Uebertretung nicht leicht nimmt, und mit ernster Scheu auf Gottes Wort blickt, um alle Mizwoth zu erfüllen und aufrecht zu erhalten, zu welchen wir verpflichtet sind. Derselbe muß ferner jüdische Gesetzeskunde und das erforderliche Wissen für das Studium der Bücher unserer heiligen Thora haben." u. s. w. ('n 'n ’D trn:n& miD). Woher soll man nun die Schochtim, welche diese Qualification besitzen, hernehmen, wenn sie dem die Schochtim autorisirenden Rabbiner selber abgehen; wenn Rabbinen und Vorsteher die Scheu gegen ein göttliches Verbot zu verstoßen, als überwundener Standpunkt belächeln? Die leichtfertige Art und W.'ise, mit welcher eine große Zahl von Rabbinen die Prüfung und Autorisation von Schochtim vornehmen, ist ja bekannt. Man täusche sich nicht über die Tragweite dieses leichtsinnigen Gebahrens. Wenn wir diese Verkommenheit der Schechita, wie sie in vielen, wie sie leider in den meisten Gemeinden Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz thatsächlich besteht, öffentlich zur Sprache bringen, so handelt es sich zunächst nur um die religiöse Seite der Schechita. Die technische Seite derselben, also z. B. die Rücksichten auf den Thierschutz, welchem die Schechita Rechnung trägt, werden dadurch nicht unmittelbar berührt. Die Gegner der Schechita können daher aus der Constatirung der liefen Schäden und Gebrechen, welche der praktischen Ausübung der Schechitah anheften, kein Kapital für ihre Agitation schlagen. Die äußere, technische Ausübung des Schächtakles mag den Anforderungen des Thierschutzes ebenso entsprechen, ob die Schechita von einem religiös qualificirten oder von einem dem Religionsgesetze nicht entsprechenden Schochet vollzogen wird. Aber es kann nicht fehlen, daß wenn dieser verhängnißvolle Schlendrian noch lange fortbesteht, auch die technische Seite der Schechita in Mitleidenschaft gezogen wird. Es ist heute schon eine feststehende Thatsache, daß die russischen Schochtim — von einzelnen die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen — den deutschen Schochttm an Routine, Handfertigkeit, theoretischem und praktischem Wissen weit überlegen sind. Woher kommt das 2 Die Art und Weise ein Thier regelrecht zu schlachten oder zu schächten muß gelernt, geübt, controlltrt werden, wie jedes andere Metier. In Rußland ist die rechte Aufsicht, der nöthige religiöse Ernst und die Gewissenhaftigkeit seitens der Rabbinen, Vorsteher und der Gemeinden vorhanden. Dadurch ist der anzustellende Schochet genöthigt seine Sache genau zu erlernen, zu üben und zu handhaben. Die Fertigkeit und Geläufigkeit in der praktischen Ausübung der Schechita, der Instandsetzung des Messers, der Art des Riederlegens der Thiere, der Bedcka u. s. w. ist Gegenstand fortwährenden Studiums der dafür Angestellten. Auf diese Weise vervollkommnet sich die praktische Ausübung der Schechita immer mehr und mehr. In Deutschland und den andern erwähnten Ländern fehlt diese Controlle, fehlt der religiöse Ernst, fehlt somit der Sporn über das absolut eiforderliche Maaß auch nur einen Schritt hinauszugehen. Der gute Schochet findet für seine Vorzüge kein Lob und der schlechte für seine Mängel keinen Tadel.

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