Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1893)
- Date
- 1893-10-19
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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1584 Haus und Schule müssen im vollsten Einklangemiteinanderstehen, dasWerk der Jugenderziehung in einem Sinn und Geiste betreiben, wenn dasselbe gute Früchte bringen soll. Wirken beide in verchiedenen Richtungen auf den Entwicklungsirozeß des Kindes ein, d. h. verbietet die eine Institution, was die andere gestattet, oder fordert fiese, was jene als nutzlos bezeichnet, dann weiß ras Kind nicht, ob die Schule oder das Haus im Rechte ist, ob es diesem oder jener folgen soll, sein eigenes Handeln und Verhalten wird ein unsicheres und in seine Lebensanschauung kommt ein Zwiespalt. Die Folge solcher verschiedenartigen Einflüsse ist, daß die sittliche Entwickelung der Kinder Hemmungen und Störungen erfährt und deßhalb auch nicht den normalen Verlauf nimmt. Es erreicht dann weder das Haus, noch die Schule die verfolgten Zwecke. — Wirken Haus und Schule aber gar einander entgegen, reißt die eine Institution wieder nieder, was die andere mühsam aufgebaut hat, dann beeinträchtigen sie ihren Einfluß gegenseitig, sie heben ihn sogar ganz oder theilweise auf. Unter solchen Verhältnissen muß aber die sittliche Kraft der Kinder vollständigerlahmen. Wenn hingegen Schule und Haus in ein und derselben Richtung auf den Entwicklungsgang der Kinder einwtrken, wenn beide ganz genau dasselbe gebieten und verbieten, dieselben Tugenden mit denselben Mitteln Pflegen, dieselben Fehler consequent bekämpfen, dann wird die geistige und sittliche Kraft der Zöglinge gehoben und gestärkt, und ihre innere Entwickelung nimmt einen normirten Verlauf. — In denjenigen Familien, wo noch ein echt jüdisches Leben geführt, an den Satzungen unserer heil Religion festgehalten wird, mit einem Worte: wo die Kinder an Gottesfurcht, pünktlichem Gehorsam, an Ordnung und Reinlichkeit gewöhnt sind, wo Vater und Mutter geehrt wird, wo Ordnung und Anständigkeit im ganzen Verhalten, in treuer Erfüllung der obliegenden Pflichten beobachtet wird, wo reiner Sinn in Wort und That den äußern Menschen ziert, an solchen Familien hat die Schule treue Gehülfen und feste Stützen zum förderlichen Bau wahrer Jugendbtldung und menschlicher Wohlfahrt. Und, Gott sei Dank! — die Zahl solcher jüdischer Familien ist, wenn es auch nicht zu leugnen ist, daß der Abfall von unserer heil. Religion große Dimensionen angenommen hat, nicht so gering, als es oft zu sein scheint. In der Schule zeichnen sich die Kinder solcher Eltern durch Aufmerksamkeit, Selbstständigkeit, Fleiß, Ordnungsliebe und pünktlichen Gehorsam und auch durch moralisches Verhalten aus — und legen dadurch den besten Grund für ihr späteres Wohlergehen. — Aber leider ermangelt ein großer Theil unserer Kinder einer auch nur dürftig genügenden häuslichen Erziehung, nicht wenig sind derer, die von ihren Eltern zur Religiösität, zu einiger Thätigkeit, Ordnung u. s. w. angeleitet werden. Dagegen haben sich bei den unbeaufsichtigten Beschäftigungen der Kinder allerhand üble Angewohnheiten: Lift, Bosheit, Trägheit u. s. w. eingewurzelt. Vater und Mutterliebe erfuhren die Aermsten nicht und willigen Gehorsam lernten sie nicht üben. Solche Kinder werden gewöhnlich scheu und furchtsam und gerathen auf allerlei schlimme und strafbare Einfälle und Handlungen. Wie viele Zucht und Mühe kostet es, solchen schüchternen, zur Schule eingetretenen Kindern etwas Zutrauen abzugewinnen, sie zum Aufmerken, zum Gehorsam zu bringen! Was aber von eingeimpften, schlimmen Gewohnheiten trotz der besten Schulzucht sich erhält und für die Folge bleibt, sieht unser Auge nicht. Dazu kommen bet vielen Kindern allerlei Aergernisse, die durch Augen und Ohren bei ihnen Eingang finden. Gar manche sind schon verdorben, ehe sie zur Schnle kommen, andere verderben auch während der Schulzeit durch ihre Umgebung daheim, so daß der Schulunterricht bei ihnen auf tobten Boden fällt. Der Ernst der Sache gebietet es, hier der überhandnehmenden bösen Beispiele von sittlicher Verkommenheit, der vergiftenden Geschwätze und schandbaren Reden, wodurch das unschuldige Kindesherz verdorben wird, Erwähnung zu thun, wenn, wie es nicht selten der Fall ist, von Erwachsenen — vor den Kindern leichtfertig über Religion, Synagoge Schule, menschliche und sittliche Ordnung, über Vorgesetzte und Obrigkeit schonungslos in den gröbsten Ausdrücken, spöttischer oder boshafter Weise übel geredet und den Kindern alle Achtung gegen ihre Erzieher und Vorgesetzte, ja sogar gegen göttliche Anstalten geraubt wird; wo kann da von heilsamen Erfolgen eines noch so zweckmäßigen Schulunterrichtes die Rede sein? Eine solche Jugend, kaum der Schule entwachsen, legt dann Zeugniß ab, von welchem Geiste sie getrieben wird. — Atterproble Leeren für Gttern. Gewöhnet Eure Kinder von frühester Kindheit auf an strikten und freudigen Gehorsam. Vereinigt Ernst und Strenge mit Zärtlichkeit. Ueberzeuget Eure Kinder, daß Ihr alles gut meinet und wisset, was Ihr saget; befehlet Ihr Euren Kindern etwas zu thun, dann zeiget ihnen zum ersten Male, wie es gemacht werden muß und achtet darauf, daß das Befohlene gethan wird, zeigt es ihnen auch noch einmal, wenn sie nicht schnell begreifen. Wenn sie aber